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Streit mit Fuellmich: Weiß Wodarg, dass er uns bald viel Geld schuldet?

von | Sep 17, 2022 | Aktuelles, Querdenker

Querdenker Reiner Fuellmich verklagte als Anwalt von Querdenker Wolfgang Wodarg Ende 2020 den Volksverpetzer auf 250.000€ Schadensersatz. Ihr habt es sicher mitbekommen, wir haben hier und hier darüber berichtet.

Wie es aktuell aussieht, wird Wodarg ziemlich sicher verlieren, und sein Anwalt Fuellmich weiß das wohl auch. Warum: Wir werden teilweise für Dinge verklagt, die wir einfach nie auch nur ansatzweise gesagt haben. Darauf hatte der Richter sogar bereits hingewiesen.

Deshalb versucht Fuellmich seit Monaten den Prozess zu verzögern durch Verfahrenstricks. Seine brillante Strategie bestand darin, wegen “Corona-Mandate-bedingter Überarbeitung” mehrfach Fristverlängerungen zu beantragen (hier machen wir uns darüber lustig). Auch weigerte er sich, vor Gericht eine Maske tragen und verlor so einen anderen Prozess gegen Prof. Drosten (mehr dazu). Wir haben den Hintergrund der (ersten!) Absage der Gerichtsverhandlung hier erklärt:

Der zweite (!) Termin im Frühjahr 2022 musste abgesagt werden, weil Fuellmich nicht erscheinen „konnte“. Er sei wegen einer “ausländischen Geschäftsreise” unabkömmlich gewesen (mehr dazu). Ihr wisst, Fuellmich möchte im Prozess gegen uns beweisen, dass PCR-Tests Quatsch sind (weil wir die zentralen Fake News der Querdenker dazu widerlegt haben) und somit die ganze Pandemie als Betrug entlarven. Das hat aber anscheinend keine so große Priorität. Der dritte Anlauf ist erst im November. Übrigens war er offenbar in die USA gereist, in die man eigentlich nur einreisen darf, wenn man geimpft ist (Quelle) – um dort bei Impfgegner-Events aufzutreten. Mmmh…. 

Wodarg ist (offiziell) Auftraggeber der Klage

Doch fast noch relevanter für die Klage gegen uns ist Wolfgang Wodarg. Er ist der Mandant von Fuellmich. Das heißt, er hat (angeblich) die Klage in Auftrag gegeben. Und daher trägt Wodarg auch das Prozesskostenrisiko. Und das wird mit jeder “Fristverlängerung” und sonstigen Stunts, die Fuellmich abzieht, größer. Fuellmich hat für Publicity einen immens hohen Streitwert festgelegt – 250.000€. Entsprechend immens werden auch Gerichts- und Anwaltskosten, die sich daran orientieren. Unserem Anwalt haben wir bereits mehrere tausend Euro bezahlen müssen, die der Verlierer im Prozess dann tragen muss. Und das wird, nach allem was wir wissen, Wodarg sein. Dazu kommen noch die Gerichtskosten. Insgesamt steht die Rechnung bei einem fünfstelligen Betrag!

Warum schreibe ich “angeblich”? Nun, ob Fuellmich Wodarg über diese Risiken reinen Wein eingeschenkt hat, wagen wir mal zu bezweifeln. Seine Unterschrift unter der Vollmacht sieht auch irgendwie hineinkopiert aus:

Wie Wodarg und Fuellmich beide öffentlich zugaben, trat wohl Fuellmich an Wodarg mit der Idee der Klage an ihn heran. Wir glauben, Fuellmich ist die treibende Kraft hinter der Klage. Hat Fuellmich gedacht, das wird eine schnelle Nummer, die er nicht wirklich absichern muss? Dachte er wirklich, „das System“ (zu dem wir angeblich irgendwie gehören sollten) würde zusammenbrechen, bevor es zum Urteil kommt? Hat er nicht damit gerechnet, dass die Leserschaft vom Volksverpetzer uns mit so vielen Spenden gerettet haben, dass wir jetzt zur Not auch durch mehrere Instanzen für die Pressefreiheit kämpfen könnten? Oder war es ihm sogar egal, dass er seinen ideologischen Weggefährten auf lange Sicht in die Katastrophe reitet, Hauptsache, er kann von der Publicity profitieren?

Dazu kommt, dass Fuellmich Wodarg einfach objektiv gesehen extrem schlecht vertreten hat. Also nicht nur sind die Querdenker-Argumente schlecht, die Klage ist auch einfach handwerklich schlecht gemacht. Das haben ja über die Zeit schon mehrere unabhängige Anwälte festgestellt. Es ging ihm offenkundig eher um die Publicity als darum, tatsächlich seinen Mandanten optimal zu vertreten, um Recht zu erhalten. 

Jetzt gibt es streit zwischen Fuellmich und Wodarg

Im „Corona-Ausschuss“, dem auch Wodarg angehört ist Fuellmich Gründungsmitglied. Der selbsternannte Ausschuss waren einfach paar Querdenker:innen die regelmäßig einfach gemeinsam stundenlang Unsinn und Desinformation gestreamed haben. Sie haben sogar mal so geschauspielert, als seien sie die neue Bundesregierung, nachdem die alte gestürzt worden sei (wir haben uns darüber lustig gemacht).

Doch jetzt gibt es offenbar großen Zwist zwischen Fuellmich und Wodarg. Fuellmich wird nicht mehr in den Ausschuss eingeladen.

Fuellmich gibt an, dass dieser Streit auch die Frage als Ursache hat, ob es nun Viren überhaupt gibt oder nicht. (Dass sie alle harmlos seien, darüber herrscht Einigkeit.) Das ist so ungefähr wie ein Streit zwischen Leuten, die streiten, ob die Erde nun flach oder hohl ist. Soll uns Recht sein.

Querdenker fragen sich – was ist eigentlich mit dem Geld für Fuellmichs Sammelklage geworden?

Viviane Fischer (ebenfalls Schwurblerin aus dem Corona-Ausschuss) stellt in einem Blogbeitrag (Quelle) klar, dass es aber durchaus um seine „Sammelklage“ geht. Wer es nicht weiß: Fuellmich hatte seinen großen Auftritt in der Querdenken-Szene, weil er angekündigt hat (und geschätzt über 1,3 Millionen Euro gesammelt), er würde eine große „Sammelklage auf Schadensersatz“ gegen Drosten, Wieler & Co auf den Weg bringen. Ihr wisst schon, wenn die ganze Pandemie dann „auffliegt“ angeblich. Warum das von Anfang an Blödsinn war, haben wir schon mehrfach berichtet.

Fuellmich gibt also an, das ganze Geld für Klagen ausgegeben zu haben – deren Anwälte und Sachverständige laut Viviane Fischer aber alle pro-bono gearbeitet haben. Also – wo ist das Geld hingeflossen? Darüber soll Fuellmich keine Auskunft gegeben haben. Und das lässt jetzt, nach zwei Jahren, auch seine Kameraden unzufrieden werden. Vor allem weil es halt nach zwei Jahren immer noch keine „Sammelklage“ gibt.

Da stellt sich nun aber die Frage: Möchte Wodarg eigentlich den Kopf hinhalten für die ganzen Gebühren, die Fuellmich mit seinem Prozess gegen uns verursacht hat? Es werden ja im November noch deutlich mehr werden, wenn da der Prozess gegen uns (hoffentlich endlich) stattfindet. 

Querdenker wenden sich von Fuellmich ab

Viele Querdenker:innen nehmen Fuellmichs Begründungen nicht ab, und spekulieren darüber, was eventuell mit der nicht-vorhandenen Sammelklage und der verschwundenen Millionen, die Fuellmich dafür mutmaßlich eingesammelt hat, geworden ist. 

Übrigens könnten die Sammelkläger von Fuellmich durchaus das Recht haben, ihr Geld zurückzuverlangen – immerhin gibt ja keine Klage. Das erklärt Anwalt Jun in diesem Video. Umso mehr beunruhigen dürften Fuellmich die vielen zweifelnden Kommentare auf Telegram in Querdenken-Gruppen. Kaum jemand unterstützt seine Einlassungen noch anscheinend, nachdem auch Wodarg Fuellmich öffentlich kritisiert hat.

Hier ein größerer Account, der seine Zweifel äußert. Gleich gewürzt mit Holocaust-Analogie (ist das ein Tick bei diesen Leuten…?)

Manche rechnen sogar mit Fuellmichs Verhaftung:

Viele Kommentare schreiben von Betrug:

Einige fragen sich, ob Fuellmich nicht ein V-Mann ist, weil er trotz so vieler offensichtlicher Falschmeldungen immer noch frei herumlaufen darf. 

Andere glauben, dass Fuellmich nicht böse, sondern einfach nur psychische Probleme habe:

Lasst uns nicht die Naivität der Querdenker unterschätzen

Ja, die Leute, die Volksverpetzer beschimpft und beleidigt haben, weil wir auf die Dinge schon zwei Jahre früher hingewiesen haben, die ihnen jetzt endlich klar werden. Die Leute, die angeben, jede ihrer „Verschwörungstheorien“ sei wahr geworden (hier knapp 500, die falsch waren), realisieren das, was wir von Anfang an geschrieben haben. Wenn ihr jetzt denkt, dass es sicher zu einer Rückforderungswelle an Fuellmich kommt oder sich der „Corona-Ausschuss“ oder seine Partei „die Basis“, bei der er „Kanzlerkandidat“ war (!) endgültig von ihm trennt: Tja, was soll ich sagen – Querdenker:innen sind eben – wie nennen sie das gern? – Schafe. Uns sind bisher nur Einzelfälle von Rückzahlungsforderungen bekannt (, denen auch stattgegeben wurde). Viele glauben immer noch an einen Erfolg.

Dazu kommt eben die “sunken cost fallacy” – Verschwörungsgläubige haben so viel investiert, nicht nur Geld, sondern auch Lebenszeit. Und da zuzugeben, dass man Betrüger:innen aufgesessen sei, die einen von Anfang nur anlogen, ist natürlich nicht so einfach. Nun könnte es hier anders sein: Es winken den Mandanten ja 800€ (plus Mehrwertsteuer) Rückzahlung, wenn man doch mal “Mut zur Wahrheit” verspürt. 

Und ob Wodarg und Fuellmich endgültig miteinander brechen? Nun sie werden sich auf jeden Fall einigen müssen, wie sie mit der Klage gegen uns weitermachen. Wir haben nämlich die merkwürdige Vollmacht, die angeblich Fuellmich berechtigt, für Wodarg zu klagen, gerade vor Gericht gerügt. Das heißt, Wodarg muss voraussichtlich demnächst noch mal dem Gericht explizit bestätigen, dass er von Fuellmich vertreten werden will. Einfach weil wir so nett sind und Wodarg vielleicht nochmal in Ruhe drüber nachdenken will, ob er weiterhin möchte, dass dieser ihn vertritt.

Autoren: Philip Kreißel, Thomas Laschyk. Artikelbild: Screenshots