Bei Schweigeminute sitzen geblieben: So sehr verachtet die AfD den ermordeten Lübcke

Kolumne Schwer verpetzt

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Widerlich!

Nach Informationen von NDR, WDR und „SZ“ hat Stephan E. gestanden, den Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke erschossen zu haben. Sein Motiv sei Empörung über dessen Aussagen zur Flüchtlingspolitik gewesen. Wie wir heute berichtet haben, drehen die Anhänger der AfD völlig durch und sehen zwischen ihrer Hetze gegen Lübcke und dem rechtsextremen Attentäter so wenig direkten Zusammenhang, dass sie das alles auf eine Verschwörung schieben und „Fake News“ rufen.

Geständnis des Lübcke-Mörders: So absurd reagieren andere Rechtsextreme

Doch das Verhalten der Partei selbst ist nicht viel besser. Die gleiche Partei, die in Fällen wie ViersenMagnitz, MünchenNotre DameMünsterBottropp und vielen anderen sofort eines ihrer Feindbilder beschuldigte und vorverurteilte (und jedes Mal falsch lag), und eine Mitschuld bei Merkel und den anderen Parteien suchte, heuchelt jetzt nicht nur Unschuld beim Anschlag auf Walter Lübcke. Obwohl die Fakten eindeutig sind:

Die unglaubliche Mitverantwortung der AfD am Lübcke-Attentat!



Menschenverachtende Pressemitteilung

Nein, heute und gestern fiel die AfD gleich mit zwei verschiedenen, ekelhaften Dingen in Bezug auf den Ermordeten auf. Zuerst ist da die offizielle Pressemitteilung (!) der AfD. In einer wirren, wahnwitzigen und menschenverachtenden Argumentation schreibt der hessische Abgeordnete Hohmann:

„Eines ist nämlich vollkommen klar: Hätte es die illegale Grenzöffnung durch Kanzlerin Angela Merkel […] mit dem unkontrollierten und bis heute andauernden Massenzustrom an Migranten nicht gegeben, würde Walter Lübcke noch leben. Der Massenzustrom nach der illegalen Grenzöffnung mit seinen vielen Morden und Vergewaltigungen ist notwendiges Glied in der Ursachenkette, die zum Tod von Walter Lübcke führte.“

Darin ist so viel falsch, so wenig Logik und so wenig Menschlichkeit, dass ich keine Worte dafür übrig habe. Wollen wir aber mal so tun, als sei das eine ehrliche Sichtweise und zerlegen diesen herzlosen Schwachsinn.

Zuerst einmal: Es hat nie eine Grenzöffnung gegeben. Es ist Blödsinn, dass die AfD diese Lüge immer noch wiederholt. Mit Schengen gab es seit Jahren keine geschlossenen Grenzen mehr. Deutschland hat sich im Rahmen der Dublin-III-Verordnung bewegt und von seinem Selbsteintrittsrecht Gebrauch gemacht. Das mussten wir tun, weil die anderen Länder sich ihrer Verantwortung verweigerten. Alles ausführlich hier:

Faktencheck: Es gab 2015 keinen „Rechtsbruch“! Es wurden keine Grenzen „geöffnet“!

Ekelerregender Mist

Nebenbei: Und ich werde mich nicht für meine harte Sprache entschuldigen, denn wer diese Aussagen der AfD als etwas anderes bezeichnet als menschenverachtenden und falschen Mist, der macht sich an so einer humanitären Verwahrlosung und Verharmlosung mitschuldig. Die AfD weist die Vorwürfe zurück, dass ihre Hetze gegen Lübcke und gewalttätige Sprache den Boden bereitet haben für den Mord, aber Merkels Flüchtlingspolitik sei dafür verantwortlich?

Haben die Lack gesoffen? War Merkels Flüchtlingspolitik auch dafür verantwortlich, dass Stephan E. in den 1990ern eine Bombe auf ein Asylbewerberheim geworfen und einen Ausländer abgestochen und fast getötet hat? Oder sehen wir ein, dass Nazis keine Gründe haben, sondern nur Anlässe, jemanden zu ermorden? Was kann Lübcke denn für Merkels Politik? Was soll es den politisch bezwecken? Ach, wir sollten uns nicht auf so eine Hass-Logik einlassen, die unterstellt, es gäbe auch nur ansatzweise irgendeinen Grund, wann ein Mord „provoziert“ worden wäre.

Würde es die AfD stehen lassen, wenn ein AfD-Politiker dafür getötet würde, dass dessen Parteigenossen selbsterklärte Feinde „Parasiten“ nennen, sie „jagen“, aus dem „Hubschrauber werfen“, „entsorgen“, „an die Wand“ stellen, mit „Löschkalk bedecken“, „Volksverräter zur Rechenschaft ziehen“ und „auf Leichen pissen“ möchten (Alles echte AfD-Zitate!)? Auch selbst schuld dann? Es ist geheuchelter Schwachsinn, der Nazi-Morde als gerechtfertige Reaktionen auf irgendwas darstellen soll. Die AfD nimmt Nazi-Mörder in Schutz und dafür gibt es keine Entschuldigung.

Sitzenbleiben bei Trauerbekundung

Genau so eine Scheiße führt zu weiteren Morden. Und als sei es nicht Verachtung genug, dass Lübcke sterben musste, weil angeblich einige „besorgte Bürger“ quasi durch die Anwesenheit von Ausländern provoziert wurden, Politiker umzubringen, kam es heute im bayerischen Landtag zum Eklat. Während einer Trauerminute um den Ermordeten blieb der AfD-Abgeordnete Ralph Müller demonstrativ sitzen.

Dafür wollte er sich später erst nicht einmal entschuldigen. Solche kalten, hasserfüllten Menschen sind in der AfD. Das ist pure Menschenverachtung, es ist ein Hass, für den mir die Worte fehlen. Da wird ein Politiker, ein Mensch ermordet – und was er gesagt hat und was für ein Mensch er war spielt dabei überhaupt keine Rolle – und Müller weigert sich, um ihn zu trauern. Das ist eine Provokation für den Anstand und die Demokratie. Sowas hat nichts in einem Parlament zu suchen. Nazis raus!

Sie verbreiten Lügen, sie hetzen ihre gewaltbereiten Gefolgsleute gegen ihre Feinde auf, und wenn dann ein Schuss fällt, sind die Opfer angeblich selbst schuld und es gibt nicht mal Mitleid. Vielleicht gibt es anständige Politiker in der AfD. Dann müssen sie mir aber erklären, wie sie mit diesem ganzen Haufen an menschenverachtenden, rechtsradikalen und herzlosen Menschen in einer Partei sein können, ohne sich in Grund und Boden zu schämen. Soll mir noch einmal einer erklären, dass das eine normale Partei sei. Wer diese Partei wählt, ist nicht besorgt, sondern macht sich mit Nazis gemein.

Artikelbild: Master1305, shutterstock.com, Screenshots twitter.com

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