Greta Thunberg: So viel Schiss haben die Rechten vor einem jungen Mädchen

Social Media, Kolumne Schwer verpetzt

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Achtung, dieser artikel behandelt viel ekelerregenden Hass

Ich habe ungewöhnlich lange gebraucht, um diesen Artikel zu schreiben. Wie regelmäßige LeserInnen wissen, beobachtet die Gruppe #DieInsider die Aktivitäten der rechtsextremen Hassgruppen auf Facebook. Diese rechten Gruppen sind nur dazu da, mehrmals täglich in einem Orwellschen „Zwei Minuten Hass“ den tagaktuellen politischen Antagonisten schlecht zu reden. Da werden Satire-Beiträge geteilt und für real gehalten, da werden Polizeimeldungen mehrmals täglich gepostet, damit es ja niemand verpasst. Und nach einigen Monaten wieder, damit man denkt, es passiert jeden Tag irgendwas.

Jeder weiß, dass die rechtsextreme Ideologie, die derzeit wieder im Aufwind ist (und einen festen Platz in der AfD gefunden hat, hier mehr dazu), die eigene Identität lediglich in Abgrenzung zu anderen definiert. Man definiert sich nur darüber, wer man nicht ist. Und deshalb müssen die „Anderen“ maximal negativ dargestellt werden, damit man sich weniger erbärmlich fühlt. Und sie scheuen nicht vor Lügen, Unterstellungen, Beleidigungen, Volksverhetzung und Fäkalsprache zurück. Um die eigene Minderwertigkeit zu überdecken, werden alle Register der Erniedrigung gezogen.

Dementsprechend bin ich allerlei ekelerregende Kommentare und Sprache aus diesen Gruppen gewohnt. Wenn Rechtsextreme und AfD-Sympathisanten (Sie nennen sich selbst so, mehr dazu) den Tod von Menschen fordern, Gewalt- und Terrorfantasien gegen Frau Merkel abfeiern (Mehr dazu) oder allerlei Verschwörungstheorien, Fake News und Lügen verbreiten (Mehr dazu), dann ist das nichts ungewöhnliches. Doch bei Greta Thunberg überschreiten sie eine neue Grenze.



Sie schrecken auch nicht vor hass gegen kinder zurück

Wenn deine politische Ideologie nur funktioniert, wenn du eine unschuldige 16-Jährige hassen, beleidigen und bedrohen musst, damit du dich weiter geil fühlen kannst, dann ist deine Ideologie halt einfach Scheiße. Greta Thunberg ist eine 16-jährige, schwedische Klimaschutzaktivistin. Beim Klimagipfel hielt sie eine eindrucksvolle Rede (Hier), jetzt auch in Davos. Bekannt wurde sie durch einen von ihr initiierten Schulstreik, um auf die Klimasituation aufmerksam zu machen. Der Streik findet international NachahmerInnen (Mehr dazu).

Sie und ihre Aktion zwingt uns, endlich wieder über die wirkliche Bedrohung unserer Zeit zu reden: Den Klimawandel. Viel zu lange haben es die rechtsextremen Ideologen erreicht, dass wir über Migration und Kriminalität reden. Eine Ablenkung. Dabei sind beide inzwischen auf Tiefstständen (Kriminalität, Migration). Thunberg ist dabei, den Diskurs zu verschieben. Endlich. Und das ist großartig. Weg von einfachen, rassistischen Feindbildern. Hin zu den echten Problemen.

Die Rechtsextremen sehen ihre Felle davon schwimmen. Die AfD stürzt in Umfragen immer weiter ab, eine berechtigte Überwachung durch den Verfassungsschutz droht (Mehr dazu). Es kommen keine neuen Flüchtlinge mehr an. Und jetzt droht sich der Diskurs in eine gesündere Richtung zu entwickeln, nachdem er über Jahre von Hass vergiftet worden ist. Und deswegen muss Greta Thunberg gehasst werden. Ein Kind.

Willkommen in der Hass-Welt der Rechten

Es ist ekelhaft, es ist entwürdigend und es macht mich unglaublich wütend. Wer Statistiken, Fakten, Quellen oder Argumente in diesen Gruppen sucht, wurde schon immer enttäuscht. Diese Individuen interessieren sich nicht für Fakten oder einen konstruktiven Austausch. Sie sind nur für den Hass und die Entmenschlichung (vor allem ihre eigene) da. Doch das ist nur noch erbärmlich.

Ich möchte mich eigentlich nicht mehr mit diesen geistigen Exkrementen aussetzen, als ich muss, aber ich muss zeigen, was da hinter den Kulissen in den rechten Gruppen geschieht. Ungestraft, unmoderiert. In Gruppen, in denen teilweise mehrere AfD-Bundestagsabgeordnete sitzen und vermutlich täglich schweigend mitlesen.

Screenshots #DieInsider

Zu sehen, wie die Menschen blind hassen, völlig ohne Grundlage, einfach nur, weil jemand eine andere Meinung hat, ist traurig. Diese Menschen schrecken nicht davor zurück, ein junges Mädchen, das sich für den Erhalt auch ihrer Zukunft einsetzt, so durch den Dreck zu ziehen. Ich habe schlimmere Kommentare extra weggelassen, die sich auf ihren Asperger-Autismus beziehen. Und gänzlich entmenschlicht und widerlich sind. Was muss in den Leben dieser Menschen schief gelaufen sein, dass sie so viel Hass in sich tragen?

Doch die Reaktionen zeigen: Greta hat Recht

Alle Kommentare sind am Ende völlig inhaltsleer. Ohne Argumente. Sie ist ja nur ein Kind, sie sei psychisch krank oder sie wird von ihren Eltern oder den Klimaschützern instrumentalisiert (oder schlimmeres). Kein bisschen wird sich mit den Inhalten auseinander gesetzt. Diese Menschen sind so überzeugt davon, dass sie Recht haben, dass sie nicht bemerkt haben, dass sie sich von jeglicher Debatte wegbewegt haben. Oder niemals in einer waren.

Greta hat recht. Sie prangert die horrende Ignoranz der Menschen an, die stolz ihre Scheuklappen tragen und anderen vorwerfen, die Wahrheit nicht zu sehen. Sie hat recht damit, dass wir immer noch die Probleme verschweigen und klein reden. Die Probleme des Klimawandels sind seit 40 Jahren bekannt. Und je länger wir nichts tun, desto drastischer müssen die Maßnahmen werden.

Es ist traurig und widerlich zugleich, dass eine Hälfte der politischen „Debatte“ das alles auf eine Hass-Orgie und persönliche Angriffe unterster Schublade reduziert. Und es macht mich so unglaublich wütend. Schickt mir (Mord-)Drohungen, so viel ihr wollt. Beleidigt mich, schreibt eure Fäkalsprache. Die kriege ich fast täglich. Ich weiß, ihr dürft heutzutage im Internet alles schreiben, was ihr wollt, die Polizei zuckt viel zu oft bei unseren Anzeigen einfach mit den Schultern, weil sie euch nicht stoppen können oder wollen.

Aber lasst doch wenigstens Kinder aus dem Spiel. Noch dazu jemanden, der endlich einmal deutlich die Wahrheit ausspricht, die ihr nicht ertragen könnt. Ich weiß, ihr seid verzweifelt. Ihr wollt euch stark fühlen, endlich mal angehört. Aber habt doch ein bisschen Anstand, nur einen Funken Menschlichkeit. Dann könnte man euch vielleicht als politische Gegner ernst nehmen. So muss Greta Thunberg die Welt eben ohne euch retten.

Artikelbild: Jan AinaliCC BY-SA 4.0

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