So ekelhaft fordern AfD-Sympathisanten Erschießung eines Schutzsuchenden

Ekelhaft.

Ich kann einfach nicht begreifen, warum die AfD direkt und indirekt so viel Einfluss auf unsere Gesellschaft hat. Man muss nur einmal ein paar Minuten in ihren geschlossenen Hass-Brutstätten, die sich Facebook-Gruppen nennen, stöbern, um ihr wahres Gesicht zu sehen. Da wird nicht über Politik diskutiert. Da werden keine konstruktiven Studien gepostet. Es werden keine Zukunftsmodelle entwickelt. Da werden einfach nur Schutzsuchende und politische Gegner beschimpft und Gewaltfantasien formuliert.

Der fremdenfeindliche Kern der AfD-Sympathisanten und -wähler wird sich durch keine politische Maßnahme der Welt wieder in das demokratische Spektrum „zurückholen“ lassen. Eine Diskussion ist sinnlos. Jede Obergrenze der Union und jede weitere Asylverschärfung ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Und sägt an unseren Menschenrechten, für nichts. Im Gegenteil, es wird als Anerkennung gesehen, dass man doch Recht hatte mit seinem blinden Hass. Der wird erst befriedigt sein, wenn alle aus dem Land geworfen oder getötet wurden, die nicht zu ihrer „In-Group“ gehören.



AfD-Sympathisanten fordern Erschießung eines Schutzsuchenden

Der Titel des Artikels ist hunderprozentig wahr. Aber auch eine Meldung mit dem gleichen Informationsgehalt wie „Heute morgen ist die Sonne aufgegangen“. Das passiert jeden Tag, hunderte Male, wenn man sich ansieht, was die Recherchegruppe #DieInsider in den geheimen und geschlossenen Gruppen der Rechten zu Tage fördert. Aber nehmen wir ein aktuelles – obwohl eigentlich nicht aktuelles – Thema.

In einer Gruppe, die buchstäblich „AfD-Sympathisanten“ heißt (Das war keine Unterstellung von mir, sondern Selbstbezeichnung), und von einigen AfD-PolitikerInnen administriert wird, wurde gestern ein Artikel der BILD gepostet über einen Fall aus dem letzten November. Der Artikel wurde gleichzeitig in diversen anderen rechten Gruppen verbreitet.

Sie posten immer wieder alte Artikel

Erstens einmal: Der BILD-Artikel ist vom November, nicht aktuell. In Dorstfeld gab es seinerzeit einen Streit in einer Asylunterkunft, bei der der Täter zum Messer griff. Ein Polizeibeamter bezwang den Mann daraufhin mit einem Beinschuss, nachdem Pfefferspray wirkungslos war. (Quelle) Es ist eine weit verbreitete Taktik in rechten Gruppen: Inzwischen werden weniger Fake News verbreitet, sondern es werden immer wieder alte Artikel mit Berichten von Vorfällen von neuem verbreitet. Auf das Datum guckt sowieso niemand.

So soll neben Lügengeschichten und der selektiven Auswahl weiter der Eindruck entstehen, die Kriminalität sei dramatisch angestiegen – Natürlich nur wegen der Schutzsuchenden. (Nichts davon ist der Fall). Durch das Füttern täglicher Meldungen will man weiter Hass schüren. Nun, die Reaktionen auf den Artikel waren alle gleich. Und wir haben uns nicht Kommentare herausgepickt. Das sind alle Kommentare, wie sie angezeigt wurden. Keiner hat widersprochen, auch keiner der Admins, die teilweise AfD-Mitglieder sind.

Verbannt diesen Faschismus aus unseren Diskursen!

Mir will doch keiner sagen, dass diese Leute „besorgt“ sind. Oder sich nur über vermeintliche Kriminalität beklagen. Jeder, der diese Anhänger ernst nimmt, ist entweder naiv oder findet so einen Hass und Gewaltfantasien in Ordnung. Und beides disqualifiziert jemanden in meinen Augen für einen sinnvollen Diskurs. Erst kürzlich feierten sie den Bottrop-Attentärer, wo sie doch angeblich so besorgt wegen Anschlägen seien. (Wir berichteten hier) Liebe LeserInnen, das ist das Gesicht der AfD. Nicht mehr und nicht weniger. Alles andere ist Fassade.

Während man über Amberg diskutiert, werden 20 prügelnde Deutsche aus Wurzen ignoriert

Artikelbild: fizkes, shutterstock.com, Screenshot facebook.com/#DieInsider

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Peinlicher Fail: AfD ehrt versehentlich den Sohn eines Syrers

Das ging daneben, AfD!

Die AfD setzt sich für die weltweit am meisten unterdrückte Gruppe an Menschen ein: Weiße Männer. Deswegen sind ja auch nur 36 der 50 reichsten Menschen der Welt weiße Männer. Oder auch nur ALLE Innenminister Deutschlands.

Da ehren sie in ziemlich peinlichen Videos und Tweets in einem „Adventskalender“ Männer wie Ronald Reagan oder Johannes Paul II. Aber gut, sollen sie machen. Ihr erstes Türchen war allerdings Schriftsteller Bertold Brecht. Ein bekannter Antifaschist, der von den Nazis floh. Und als Literaturwissenchaftler und Augsburger wie Brecht bleibt mir da nur extremes Hände vors Gesicht schlagen. Aber als wäre das noch nicht peinlich genug, so ehrten sie jetzt ausgerechnet Steve Jobs.



AfD Ehrt sohn eines syrers

Der „weiße Mann des Tages“ ist aber der leibliche Sohn eines syrischen Politikstudenten namens Abdulfattah Jandali. (Die AfD hat den Tweet inzwischen wieder gelöscht, Update 7.12.: Das war wohl das „Türchen“ für den 7.12., da sie es heute erneut postete, hier)

Also, bravo, AfD, dass ihr es anerkennt, dass auch die Kinder von Migranten, insbesondere aus Syrien, unsere Welt radikal zum Besseren verändern können! Wollt ihr eure Position zur Familienzusammenführung nicht vielleicht ändern? Immerhin wurden lediglich 786 Visa beantragt, seit die Bundesregierung die Familienzusammenführung für Flüchtlinge mit „eingeschränktem Schutzstatus“ wieder erlaubt hat. Und nicht die „Millionen“ vor denen ihr gewarnt habt. (Quelle)

Artikelbild: Alex E. Proimos, Flickr,  (CC BY 2.0), changes were made, Screenshot twitter.com

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Nach dieser Tat eines Flüchtlings musste sich dieser Österreicher schämen

Dieser Twitter-Thread geht viral

„Es ist alles eine fucking Schande, irgendwie. Ich schäm mich noch immer. Nicht für Österreich, sondern für mich selbst.“

Der Nutzer @zarkojank erzählt, was ihm kürzlich auf dem Urban-Loritz-Platz in Wien passierte.



Hier die Ganze Geschichte:

Anmerkungen der Reaktion sind kursiv, wir haben den Dialekt für unsere Mit-Piefkes übersetzt. 

Stehe gestern Nacht am Urban-Loritz-Platz und esse ein Kebab, neben mir ein Flüchtling aus dem Iran (Afghane) und wir labern halt irgendeinen Mist, Bruder hier, Bruder da. 20m von uns liegt ein Betrunkener auf der Bank, es rennen ständig Leute vorbei und ignorieren ihn.

Soweit alles normal für eine Wiener Nacht. Der Typ neben mir geht aufs WC und am Rückweg direkt zum „Sandler“ (Bettler) hin, kniet sich zu ihm und redet kurz irgendwas. Leute gehen vorbei, denken wohl – wie ich – Ah, na serwas, was will der von dem Sandler??

Dann kommt er wieder zurück und sagt „Bruder, er sagt, er braucht Rettung. Er sagt, Bein kaputt“. Ich denk mir immernoch „Oida (Alter), bitte, so ein Scheiß jetzt mit dem total waachgesoffenen Penner iwas diskutieren“, gehe aber mit, um mal zu schauen.

Stellt sich heraus, dass der Typ sich das verdammte Bein gebrochen hat, ohne Jacke daliegt und komplett unkontrolliert am Zittern ist. Ich iwie noch immer im „Na serwas, habe d’Ehre das schaut schlecht aus“-Modus, hat der andere schon die Jacke ausgezogen.

Schwer zu beschreiben, wie liebevoll dieser 20-Jährige den Typen zugedeckt hat mit seiner Jacke. Ohne eine Sekunde zu zögern. „Mann braucht Hilfe“. Während ich mit seinem Handy die Rettung rufe, holt er 20 Zeitungen ausm Ständer und legt sie dem Patienten unter den Kopf.

Afghane gleich verdächtigt

15 Minuten Zeit, auf die Rettung zu warten. „Keine Arbeit, Scheiße“, sagt er. „Mhm, gschissn grissn“, denke ich. Dann kommt die Rettung. Ich mein, jeder kennt es und sie haben echt einen zaachen (Mühsam, Anstrengend) Job, aber grad dass sie den Afghanen nicht direkt angefuckt haben. Super ungut.

Als ich dann den Mund aufgemacht und die Lage beschrieben habe, hat sich die Situation sofort entspannt. Wohl weil ich mehr als „Mann braucht Hilfe“ sagen kann. Die haben den Typen dann ins Auto gewuchtet (Bein total im Arsch einfach) und haben weiß Gott was mit ihm gemacht.

Der Refugee-Kollege hat dann die Zeitungen noch in den Ständer zurückgeräumt. Da musste ich fast lachen vor lauter Wut auf mich selbst. Bin ich echt schon so abgestumpft, dass ich auch an dem Mann vorbeigerannt wäre? Was is los mit dieser Stadt, frag ich mich.

Es muss ausgerechnet so ein Afghane daherkommen. Ausgerechnet einer dieser scheiß Messerstecher, wo man sich als Zeitungsleser eher Sorgen macht, wenn man sie betrunken nachts am Gürtel (Verkehrsader um Wien) trifft. Ausgerechnet der ist der einzige, der sich Zeit nimmt, dem Mann mal zuzuhören.

Und er ist auch der einzige, bei dem sich jeder sofort denkt „Heast (Sag mal) will der jetzt den Sandler ausrauben oder was?“. Es ist alles eine fucking Schande, irgendwie. Ich schäm mich noch immer. Nicht für Österreich, sondern für mich selbst.

Naja, Abend war jedenfalls ganz lustig so im Allgemeinen. Haben dann Nummern ausgetauscht, vielleicht gehen wir einmal ein Bier trinken. Achso, geht ja nicht, der verdammte Moslem trinkt ja nicht, hat er gesagt. Der Kickl (FPÖ-Politiker, Innenminister) soll ihn holen.

Artikelbild: Screenshot twitter.com, Danke an unsere Freunde von Mimikama für die Übersetzungshilfe 😀 

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Vergewaltigung von 14-jähriger: Diese elende Heuchelei der Medien muss ein Ende haben

Genau darum ist eure Hetze so scheiße!

Mansor S. wurde zu Unrecht beschuldigt. Wie unsere Kollegen vom BILDBlog detailliert recherchiert haben, wurde der Afghane im August durch die Bank von der BILD schuldig gesprochen. „Abgelehnter Asylbewerber vergewaltigte Mädchen (14)“ oder einfach nur „Schon wieder!“. Man forderte sogar schon Konsequenzen für die Tat, die nie stattfand: „Abschieben statt Strafprozess!“. (BILDBlog) Wow. Prozess, Urteil und Strafe in einem. Natürlich eskalierte die ganze rechte Szene, die AfD sprang auch auf den Empörungs-Zug auf.

Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat ihre Ermittlungen gegen einen Afghanen eingestellt: Das vermeintliche Opfer hatte die…

Gepostet von BILDblog am Mittwoch, 21. November 2018



Hass, Lügen, Hetze

Doch das vermeintliche Opfer machte widersprüchliche Aussagen. Die Staatsanwaltschaft stellte später die Ermittlungen ein, man konnte ihm „kein strafbares Handeln“ nachweisen. (Quelle) Doch der Schaden ist angerichtet. Seine Familie hatte sich von ihm abgewendet, seine Mitbewohner im Flüchtlingsheim beschimpften ihn als „Kinderschänder“. Er wurde vertrieben und musste zeitweise auf der Straße leben. Dennoch möchte Mansor S. das Mädchen nicht verklagen. Sie habe „in ihrem Leben schon genug durchgemacht“. (Quelle)

BILD berichtete über das Einstellen des Verfahrens bisher nicht. Und was ist mit den unzähligen Hass-Kommentaren in Social Media? Für rechte Hetzer war das „ein weiterer“ Beweis dafür, dass sie mit ihrem Hass auf Andere Recht gehabt haben sollen. Keiner der rechten Lügenblogs wird darüber berichten. Kein Rechtsextremer wird das Weitererzählen, ach, geschweige denn erfahren. Doch es gab gestern noch eine weitere Meldung:

21-jähriger Vergewaltiger, Schläger und Neonazi verurteilt

Das Wittlicher Amtsgericht verurteilt einen 21-jährigen wegen der Vergewaltigung einer 14-jährigen und auch wegen einer vorsätzlichen Körperverletzung eines eritreischen Flüchtlings. Der junge Mann ist bereits mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Zeigen des Hitlergrußes. (Quelle) Medienecho? Nicht existent. Das Urteil von gestern steht nur in einer Lokalzeitung aus Trier. Beides mal handelte es sich um eine (mutmaßliche) Vergewaltigung einer 14-jährigen. Doch die Reaktionen sind völlig unterschiedlich.

Euer Hass kotzt mich an! Wenn ein waschechter Neonazi einen Flüchtling verprügelt und eine 14-jährige vergewaltigt, kommt keine AfD daher und fordert, dass „unsere Frauen und Töchter“ geschützt werden sollen? Kommt keine BILD und setzt eine Schlagzeile mit „Schon wieder!“. Und dieser Mann hat gestanden und wurde verurteilt. Bei Mansor S. konnte man die Ermittlungen nicht einmal abwarten, da wollte man ihn schon abschieben. Und letztlich war er unschuldig.

Keiner, nicht die BILD, nicht die AfD und keiner der rechten Hetzer in Social Media soll mir auch nur einmal erzählen, dass er sich auch nur einen Dreck um Vergewaltigungsopfer schert. Oder um Sicherheit. Ein junger Mann türkischer Abstammung verlor sein Leben, als er einem Obdachlosen das Leben retten wollte – Und wird dafür von den gleichen ausgelacht (!!), die bei den Ausgaben für Flüchtlinge Sorge um „unsere“ Obdachlosen heucheln. (Quelle)

Ich habe es satt

Es geht nur um Ausländerhass. Nichts weiter. Gar nichts. Wer etwas anderes behauptet, lügt. Oder warum erwähnen die Rechten Pseudo-„Frauenschützer“ die 82.000 Frauen nicht, die Opfer von einfacher oder schwerer Körperverletzung durch ihre (Ex-)Partner wurden? 2017 wurden sogar 147 Frauen von ihrem (Ex-)Partner getötet. Jede vierte Frau in Deutschland ist betroffen. (Quelle) Aber nein! Die „bösen Flüchtlinge waren es!“

Und die Medien, allen voran die Anti-Asyl-Hetz-Zeitung BILD, machen mit und liefern Hassmaterial für die AfD. Was nicht in das Hass-Weltbild passt, wird ignoriert. Und wo man einen mutmaßlichen Täter hat, wird fröhlich los gehasst. Studien beweisen: Es wird überproportional oft über Straftaten von Nicht-Deutschen berichtet (Quelle). So werden Existenzen zerstört, wie die von Mansor S. und so wird der Hass auf Andere weiter angestachelt. Kein Platz für Differenzierung, kein Platz für Ermittlungen und ordentliche Gerichtsprozesse. Der wütende Mob will Blut sehen. Aber bitte nur das von Ausländern.

Artikelbild: pathdoc, shuttestock.com, changes were made

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Die 5 größten Schweigemärsche der AfD

sCHweigend demonstriert oder demonstrativ geschwiegen?



1. Schweigemarsch der AfD für Daniel H.

Daniel H, der in Chemnitz nach einem tödlichen Messerstich verstarb. Die AfD verschwieg, dass Daniel H. von rechtsradikalen Hooligans als “Negi” beschimpft wurde. Und selbst mütterlicherseits einen kubanischen Migrationshintergrund hatte. Der AfD ging es nur darum Daniel H. als ihren “Deutschen” Helden zu präsentieren, als einen ihrer eigenen Märtyrer. Doch das war Daniel nicht, Daniel H. hätte nie gewollt, dass man ihn zu einem AfD-Märtyrer macht.

Chemnitz: Warum Daniel H. überhaupt nicht als rechte Galionsfigur taugt

2. Schweigemarsch der AfD für Ahmad B.

Ahmad B., der in Witten nach einem tödlichen Stich in seinem Hals verstarb. Die Obduktion ergab, dass die Halsschlagader des Syrers Ahmad B. sauber durchtrennt war. Ahmad hatte nur gebeten die Musik leiser zu machen. Daraufhin wurde er von einem 25 jährigen alten Mann deutscher Staatsangehörigkeit niedergestochen. In den Reihen der AfD hat man kollektives Schweigen hören können.

3. Schweigemarsch der AfD für Schutzsuchende aus Burbach

Schweigemarsch der AfD für Schutzsuchende aus Burbach, die tagelang ihren Aufsehern eingesperrt, verprügelt und erniedrigt wurden. „Halt die Fresse“, „Leg‘ dich in deine Kotze & schlaf!“ Alles wurde mit Handy gefilmt. 31 Angeklagte Wachleute, Sozialbetreuer & Heimleiter in 54 Fällen. Und wieder: in den Reihen der AfD herrscht kollektives Schweigen.

4. Schweigemarsch der AfD zum Gedenken der jüdischen Opfer zum 09. November.

Weder Beatrix von Storch, noch Alice Weidel oder Jörg Meuthen haben in den sozialen Medien zu diesem Tag zur Mahnung aufgerufen oder wenigstens einen Tweet zum Gedenken an diesem Tag gepostet. Stattdessen beschwert sich AfD Berlin, wieso Pazderski zum Gedenken an die Juden nichts sagen durfte. Wie soll man auch jemanden zu einem solch wichtigen Gedenktag sprechen lassen, dessen Kollegen mit einem Nazi-Symbol (blaue Kornblume) während diesem Gedenktag provozieren?

Foto: Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus e.V.

5. Schweigen bei Steinmeier-Rede zum Gedenken an den Novemberpogromen:

Herr Bundespräsident Walter Steinmeier sagt in seiner historischen Rede zum Gedenken an den Novemberpogromen:

Nahezu alle klatschen bei diesem äußerst wichtigen und starken Sätzen zur aktuellen Stunde. Wer schweigt wieder? Herr Alexander von Gauland von der AfD.

Das Video zur passenden Stelle:

Die AfD interessiert sich nicht für die Opfer

Die AfD interessiert sich nicht für die Opfer, ganz im Gegenteil, diese Partei tritt mit ihrer geheuchelten Empathie noch ein Mal auf all die Leichen, die in den Hetzkampagnen, Flyern und Werbebannern instrumentalisiert werden.

Jetzt könnte man, wie Herr Meuthen es so gerne tut, fragen “Ja aber die Grünen! Ja aber die Linken! Ja aber …”. Die Grünen erheben nicht den Anspruch einer Moralpolizei, die jedes Mal Sirenen schlägt, wenn ein Migrant kriminell geworden ist. Um sich dann über alle Migranten herzumachen und diese zum kollektiven Feindbild zu erklären. Die Linken erheben nicht den Anspruch eines Aufsehers, der Alarm schlägt, wenn ein Muslim gegen das Gesetz verstößt. Um sich dann über alle Muslime herzumachen und diese zum kollektiven Feindbild zu erklären.

Die AfD schweigt an falscher Stelle und sie schreit an falscher Stelle auf. Dabei ist es gerade diese Partei, die sich über eine “einseitigen Berichterstattung” aufregt. Aber wie soll man eine diese Aufregung ernst nehmen, wenn sie selbst einseitige Empathie für die Opfer von Gewalttaten an den Tag legt? Wie soll man eine Partei überhaupt ernst nehmen, die von eigener Stigmatisierung spricht und hinterrücks Muslime stigmatisiert?

Nein. Die AfD ist weder eine professionelle noch eine seriöse Partei. Sie ist ein Witz, auf dem mehr als 15% der Deutschen hereingefallen sind.

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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Abschiebung hochschwangerer Frau: Die Würde eines Flüchtlings ist antastbar

Ist die Würde eines Flüchtlings auch Unantastbar?

In einigen Fällen scheint das offenbar nicht der Fall zu sein. Ja, es muss eine sichere Lösung für die aktuelle Flüchtlingspolitik her. Der Migrationspakt ist genau so ein Versuch, doch dieser wird von der rechten Ecke durch Fake News und Panikmache boykottiert. Vermutlich weil er den Rechtspopulismus obsolet machen würde.

4 Fakten über den „Migrationspakt“, über die die Rechten lügen

Eine hochschwangere Frau wird mitten in der Nacht abgeholt und muss zusammen mit ihrem einjährigen Sohn abgeschoben werden. Die Abschiebung hatten die Behörden angeordnet. In einem Krankenwagen wird die schwangere und mit Diabetes erkrankte Frau zum Flughafen gebracht. Doch das geht zu weit, es kommt zu Widerstandshandlungen. Die Abschiebung muss abgebrochen werden.



Was passiert hier? Was tun wir? Wo driften wir hin? Hat diese Frau etwa keine Würde?

Das ist leider kein Einzelfall. Bereits Mitte Oktober diesen Jahres hatte ein ähnlicher Vorfall für Empörung gesorgt. Ein werdender Vater wird aus dem Kreißsaal von 8 Polizeibeamten abgeführt. Auch er wird zum Flughafen gebracht, bis sich Hebammen für den werdenden Vater stark machen und die Abschiebung verhindern. Hat dieser Mann etwa keine Würde? Dass derartige Vorfälle eine hohe psychische Belastung sind, interessiert jenen, die derartige unwürdige Abschiebungen befürworten, herzlich wenig. 

Heimatminister Seehofer scherzte stolz zu seinem Geburtstag, dass 69 Flüchtlinge zu seinem 69. Geburtstag abgeschoben wurden. Einer der nach Afghanistan Abgeschobenen beging am nächsten Tag in Kabul Selbstmord. Sicherlich hat Herr Seehofer keine Schuld daran. Wir müssen uns aber fragen. ob wir die Würde eines Flüchtlings wirklich schützen oder nicht.

Wie weit gilt also der erste Artikel im Grundgesetz

“Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.”

für Menschen, die vor Krieg, Folter, religiöse Verfolgung und Hungersnot geflüchtet sind? Hat die staatliche Gewalt die hochschwangere Frau aus Mainz geschützt? Hat die staatliche Gewalt den werdenden Vater aus Saalfeld geschützt? Hat die staatliche Gewalt den psychisch labilen Afghanen, der sich das Leben in Kabul nahm, geschützt?

Schützen wir Flüchtlinge vor der täglichen Hasskampagne der “neuen Rechten”?

Deutschland wird oft als “christlich geprägtes Land” hochgehalten. Alle Flüchtlinge und Muslime sollten sich daran orientieren und sich anpassen, denn das wäre ja “Integration”. Doch ich habe starke Zweifel daran, dass gerade jene, die negativ, pauschal und diskriminierend über Flüchtlinge und Muslime herziehen, wirklich hinter christlichen Werten stehen.

Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen;

ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen.

Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben oder durstig und dir zu trinken gegeben?

Und wann haben wir dich fremd gesehen und aufgenommen oder nackt und dir Kleidung gegeben?

Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?

Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.


Matthäus 25,40

Wir müssen endlich lernen, dass Flüchtlinge gleichwertig sind und eine Würde haben, die von allen zu schützen ist. Razzienartige Abschiebungen aus Kreißsälen oder aus edem Unterricht sind ein Zeichen dafür, dass die Würde eines Flüchtlings nicht unantastbar ist. Ihre Würde wird mit Füßen zertreten.

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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Diese Geiselnahmen verschweigen dir die Medien: So hilft die Presse der AfD

Lassen Sie folgende Schlagzeile auf sich wirken:

“Islamist schubst deutsche Polizistin in den Main!

Großeinsatz, Terrorgefahr! Drama in der Nacht von Samstag auf Sonntag: Einen Polizeieinsatz hätte eine junger Polizistin (27) beinahe mit dem Leben bezahlt.

Um 4 Uhr am Sonntagmorgen war eine Polizeistreife unterwegs. Den Beamten fiel ein Mann mit einem Bart in der Nähe des Mains auf. Als die Polizisten den Mann kontrollieren wollte, zeigte sich der Mann nicht kooperativ und aggressiv. Der 19-Jährige Islamist fing an, vor der Polizei Frankfurt davonzulaufen. Die beiden Beamten nahmen sofort die Verfolgung auf. Dann konnten die Polizisten den Flüchtigen schließlich stellen – dann passierte es!

„Als eine Polizistin ihn am Arm ergriff, wehrte sich der Islamist vehement und schubste sie in den Main“, so die Polizei in der Mitteilung. Die junge Polizistin konnte sich zum Glück an einem Stahlseil festhalten. Damit konnte ein großes Drama verhindert werden und die Beamtin rettete sich wohl vor dem Ertrinken im Main. Der 29-jährige Kollege kam der 27-Jährigen Deutschen sofort zur Hilfe. Sie musste dennoch ins Krankenhaus.

In der Zwischenzeit konnte der 19-Jährige Islamist gefasst werden. „Gegen den 19-Jährigen Islamisten wird nun wegen des Verdachts des Terrors ermittelt„, so die Polizei.”



Na wie fühlen Sie sich gerade?

Empört? Besorgt? Angstgefühle? Vielleicht sogar Hass auf Muslime? Fühlen Sie sich in Ihren Befürchtungen, dass der Islam an allem Schuld ist, bestätigt? Werden Sie als nächstes AfD wählen? Die obige Nachricht ist ein gestelltes Szenario, jedoch mit einem Unterschied: Der Täter wurde ausgetauscht.

Die richtige Meldung geht so:

Screenshot www.extratipp.com

In dieser echten Nachricht ist der Täter ein “19-jähriger betrunkener Mann, der eine Polizistin in den Main schubst”. Diese Nachricht wird bei Ihnen Empörung auslösen oder vielleicht einen leichten Aufschrei, aber sie werden nicht besorgt sein. Noch werden Sie Angst spüren oder Menschen hassen, die in das Raster des “19-jährigen betrunkenen Mannes” fallen. Auch war dieser Fall nicht in allen Schlagzeilen der Republik.

Julia Ebner ist eine österreichische Extremismus- und Terrorismusforscherin. Sie schreibt in ihrem Buch “Wut”:

„Die Sensationsgier der Massenmedien, eine tendenziöse Berichterstattung und Fake News haben alle ihren eigenen Beitrag zum Erfolg der Extremisten bei der Verbreitung ihrer binären Weltbilder geleistet.“

Weitere Meldungen:

Meldung vom 06. Juli 2018 in der “Westdeutschen Zeitung”:

„Scheiß Islamisten“: Mann zückt Messer in Arztpraxis.  Ein 56-jähriger Mann bedrohte kopftuchtragende Arzthelferinnen mit Messer. Polizei nahm den offensichtlich verwirrten Mann fest.

Keine Info über Täter. Kein Motiv. Kein Aufschrei. Der Mann wird als “verwirrt” erklärt, Richter ordnet Unterbringung in eine Landesklinik. Sein Verhalten ist auf psychische Erkrankung zurückzuführen.

Anderes Beispiel

Meldung vom 24. Juli 2018 in MDR Thüringen:

Ein 35-Jähriger soll in Untermaßfeld auf eine Gruppe minderjähriger Flüchtlinge geschossen haben. Verletzt wurde niemand. In der Wohnung des Mannes fand die Polizei zwei Schreckschusswaffen und eine Softairwaffe.

Keine Info über Täter. Kein Motiv. Kein Aufschrei.

In beiden dieser Meldungen waren die Täter Deutsche ohne Migrationshintergrund. Leider genießen sie nicht das Privileg, in den Massenmedien aufzutauchen. Über sie wird auch nicht tagelang in Talkshows oder im Netz negativ gesprochen. Dieses Privileg ist aus bestimmten Gründen Menschen vorenthalten, die ein bestimmtes Feindbild repräsentieren.

Härtere Strafen für „Migranten oder Muslime

Sie glauben mir nicht, dass Migranten oder Muslime strenger bestraft werden als Deutsche ohne Migrationshintergrund? Dann schauen Sie sich folgenden Vergleich an:

Meldung vom 16. März 2018 im NRZ:

Muslimischer Polizist verweigert einer Kollegin den Handschlag: Mediale Hetzjagd, Polizist wird als Islamist bezeichnet, in rechtspopulistischen Kreisen spricht man von Islamisierung. Der Polizist muss 1.000 € Strafe zahlen und darf den Handschlag nicht mehr verweigern.

Meldung vom 12. Juli 2018 in der Zeit:

Berliner Polizist grüßte Vorgesetzten per SMS mit „88“. Der Polizeioberkommissar, der die „88“ als Abschiedsgruß genutzt hatte, habe einen Verweis erhalten. Gegen den Kriminalhauptkommissar werde aber weiter ermittelt. Diese Verfahren stünden aber nicht mit den SMS in Verbindung. GdP bittet um Nachsicht im Urteil über Anti-Terror-Ermittler.

Fassen wir also zusammen: Ein Muslim, der gegenüber einer Frau den Handschlag verweigert muss mit einer hohen Geldstrafe rechnen. Und wird danach gezwungen den Handschlag zu geben, ansonsten Rauswurf. Wer aber eine Nazi-SMS schickt, bekommt von der Gewerkschaft der Polizei sogar Rückendeckung, man bittet um Nachsicht, einzige Strafe: Verweis.

Die Geiselnahmen, die die Presse nicht ausschlachtet:

Gestern, am 16. Oktober 2018 gab es eine Geiselnahme am Kölner Hauptbahnhof. Alle Leitmedien berichteten davon. Wussten Sie überhaupt, dass es einen Tag davor 2 weitere Geiselnahmen gab? Okay, einen davon müssten viele kennen, denn der Geiselnehmer machte eine lustige Forderung: er wollte Capri Sonne! “Ahhh! Doch, jetzt erinnere ich mich, haha. Genau der.”

Viele haben das natürlich humoristisch genommen. Schließlich war das eine der Headlines auf der Bild. Verständlich, dieser Geiselnehmer war privilegiert. Bei dem Täter handelt es sich um einen 39 jährigen Deutschen. Das erfährt man erst, wenn man auf das wenig besuchte “Presseportal” drauf geht. Die Medien berichten nur von “einem Mann”. Die zweite der Geiselnahmen vom Sonntag ereignete sich in Thüringen:

“Ein 30 Jahre alter Mann ist in Erfurt vorläufig festgenommen worden, nachdem er drei Menschen mit einer Waffe bedroht haben soll. Diese riefen die Polizei, weil sie Angst hatten, dass der Mann nach dem Vorfall auf der Straße von seinem Balkon schießt.

Mann bedroht Menschen in Erfurt mit Waffe

Der Mann reagierte nicht auf das Erscheinen der Polizei und Gesprächsangebote, sondern verschanzte sich in seiner Wohnung im Erfurter Ortsteil Melchendorf. Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei sei eingesetzt worden, um ihn in seiner Wohnung vorläufig festzunehmen.”

Wie fühlen Sie sich? Auch wenn es Empörung auslöst, so fühlen Sie sich doch politisch eher neutral. Diese neutrale Berichterstattung ist oft nur für bestimmte Menschen reserviert. Menschen, für die es kein Feindbild gibt. Menschen, die keiner rechtsradikalen völkisch nationalistischen Partei für ihren Wahlkampf nutzen.

Die beim Namen genannt werden, deren politische oder religiöse Gesinnung keine Rolle spielt. Dieses Privileg, dass ihre Taten ausgeschlachtet werden können, ist kriminellen Migranten oder Muslimen vorenthalten. Am Ende bleibt nur noch die Frage des Privilegs.

Presse berichtet überproportional häufig über Migranten

Sicherlich könnte man argumentieren, dass Köln etwas spektakulärer und damit vielleicht berichtenswerter war. Das Problem ist aber, dass dieser überproportionale Fokus auf Straftaten von Migranten kein Einzelfall ist, wie auch Studien zeigen:

Studie zeigt: Deutsche Presse stellt Nicht-Deutsche und Flüchtlinge krimineller dar, als sie sind

Auch die Auswahl an Straftaten, über die die AfD selbst berichtet, ist falsch: Abgesehen davon, dass es natürlich eine selektive Auswahl ist, die die AfD auf ihrer eigenen Seite als Beweise für „Messerangriffe von Migranten“ betitelt. Ein Teil der gelisteten Straftaten wurde von Deutschen begangen, oder der Täter ist unbekannt wie auch der Faktenfinder der Tagesschau bestätigt. (Mehr dazu) Siehe dazu auch:

Die Grafik, die die AfD vertuschen will: Wer wirklich mit Messern angreift

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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Ich bin vor Islamismus geflohen. Und die AfD verhält sich genau so

Eine islamistische Partei Deutschlands: die AfD.

Früher war Religion Opium fürs Volk. Heute kann man getrost sagen, dass die Politik der AfD Opium fürs “Volk” ist. Wieso sage ich das? Drogen machen hemmungslos, Drogen verleiten zu Sprüchen wie „Trau dich!“ oder “Wir sind das Volk” oder „Die Herrschaft dieses Islam in Deutschland ist nichts anderes als die Herrschaft des Bösen“ (Zitat Bundesvorstandsmitglied Beatrix von Storch). Aber jetzt noch Mal zurück zum Titel.

Ich bin deutscher Muslim, Aktivist und Flüchtling. Geflüchtet bin ich mit meiner Familie vor Rechtsextremisten, um genauer zu sein: vor „Islamisten“, aus meinem eigenen Land, die mir meine Identität abgesprochen haben. Ich bin Ahmadi Muslim, meiner Gemeinde wurde per Gesetz die Religionsfreiheit entzogen. Rechtsextremismus ist also nicht per se „deutsch“, den gibt es auch in Pakistan.



Wir wurden in Pakistan diskriminiert

Es ist verboten worden, dass wir uns als „Muslime“ bezeichnen. Wir dürfen in Pakistan weder Moscheen bauen, noch dürfen wir islamische Formeln wie „Salam“ in der Öffentlichkeit nutzen oder islamische Feste, wie das “Zuckerfest” am Ende des Ramadan, feiern. Unsere Gemeinde ist aus der Öffentlichkeit von der pakistanischen Regierung praktisch verbannt worden.

Diesen Absatz wiederhole ich eigentlich jedes Mal, wenn Menschen wissen wollen wieso Ahmadi Muslime unter erzkonservativ sunnitischen Muslimen so sehr gehasst werden. Diese Situation, die ich anspreche, besteht seit 1974. Über unseren Glauben wurde parlamentarisch mehrheitlich entschieden. Von Menschen, die den Glauben selbst missbrauchen.

Erst vor Kurzem hat man einen neuen Premierminister, Imran Khan, gewählt. Er soll ein „Neues Pakistan“ schaffen. Es klang zunächst ein Mal utopisch, doch dann wagte er einen revolutionären Schritt: Imran Khan ernannte einen Ahmadi Muslim, Atif Mian, zum Mitglied seines Wirtschaftsberatergremiums EAS. Fernsehmoderatoren sprachen von „wie kann es sein, dass Imran Khan einen Ahmadi zu einem solch hohen und ehrwürdigen Posten ernennt?“ (Power TV Talk Shows vom 4. Sep 2018). Aufgrund des gesellschaftlichen Druckes und den Anfeindungen von Klerikern, Politikern und sogar liberalen moderaten Muslimen, musste Atif Mian nun zurücktreten. Seinen Rücktritt veröffentlichte er auf Twitter. Ihm folgten aus Solidarität 2 weitere nicht-Ahmadi Pakistanis.

Ich bin also seit meiner Geburt Staatsfeind Nr. 1 in Pakistan.

Sich damit zu brüsten ist eigentlich als Demokrat und deutscher Bürger etwas verwirrend, aber in diesem Kontext zulässig und erwähnenswert. Zurück nach Deutschland 2018. Ich erlebe ein Dé jà-vu. Ehrlich gesagt kommt mir die aktuelle Entwicklung einer rechtsextremistischen Partei in Deutschland sehr bekannt vor.

Hier in Deutschland, in meiner neuen Heimat, spricht man mir plötzlich die Identität ab. Man will uns den Bau von Moscheen verbieten und ja, Fr. Alice Weidel hat auch schon auf einem Plakat die Forderung „Islamische Ahmadiyya verbieten!“ gestellt.

In Mörfelden-Walldorf hat die rechtsradikale Partei der AfD eine Veranstaltung eingeklagt, nachdem man ihnen sagte, dass sie dort nichts zu suchen hat. Hunderte Gegendemonstranten standen draußen bei der “Blues gegen Rechts” Band. In dieser Veranstaltung war ich dabei. Nach dem Vortrag von Robert Lambrou, Sprecher der AfD in Hessen, ergriff einer ihrer Sympathisanten, ein Italiener, das Mikrofon und sagte während er mich anschaute „Sie sind hier Gast! Sie müssen sich hier benehmen! Die Deutschen sind unsere Gastgeber!“. Die Gehirnwäsche der AfD hat offensichtlich bei ihm ganz gut funktioniert.

Ich bin Deutscher und ich bin Muslim.

Als Muslim bin ich mit meinen Eltern zwar geflüchtet, aber als Deutscher werde ich nicht flüchten. In Pakistan waren wir in der Unterzahl, in Deutschland sind wir die Mehrheit. In einer Debatte auf dem türkischen Sender TRT habe ich Frank Hansel MdA (AfD) gesagt, dass wir nicht einfach nur „links“ sind. Wir sind Demokraten, wir sind gesetzestreue Bürger, die sich gegen den Rechtsextremismus in Deutschland einsetzen.

#wirsindmehr, wir sind Muslime, Juden, Christen, Atheisten, Homosexuelle, LGBTQ, Flüchtlinge, Migranten und all jene, die sich hinter dem Grundgesetz stellen und dem Rechtsextremismus in Deutschland entschieden entgegentreten. Wir sind vor allem Menschen, die in Frieden leben wollen, die nach Einheit statt Zwietracht, Liebe statt Hass, Verbundenheit statt Spaltung und Patriotismus statt Nationalismus suchen und konstant vermitteln wollen.

Die AfD ähnelt dem Islamismus in Pakistan

Mein Aktivismus ist hier und jetzt gegen die islamistische Partei Deutschlands, gegen die AfD. Die dem Rechtsextremismus aus meinem Land, aus Pakistan, sowohl hier in Deutschland der völkisch-nationalistischen Sprache und dort in Pakistan der religiös-rassistischen Sprache, durch das Absprechen der deutschen und der muslimischen Identität, eindeutig ähnelt.

Mein Herz schlägt als heimatliebender Mensch sowohl für Pakistan, meinem Geburtsland als auch für Deutschland, jenem Land, dass mir eine Chance auf Bildung und Selbstverwirklichung gab. Meine Identität, meine Werte und mein Glaube sind ein Teil von mir ohne diesen ich nicht ich selbst bin. Wieso sollte ich also diese Dinge ablegen?

Ich weiß, wohin uns die Zukunft der AfD führen kann

Man könnte sagen, dass ich aus der Zukunft bin, weil ich in gewisser Weise ahnen kann, wohin die Reise der AfD geht. Und ja, weil ich weiß wovon ich rede, wenn ich sage, dass die kommende Zeit – falls die AfD noch mehr an Zustimmung gewinnt – eine äußerst schwierige Zeit für Menschen sein wird. Für die, die anders denken, anders aussehen und nicht in das völkisch-nationalistische rassistische Bild der AfD passen.

Wir müssen handeln und wir dürfen diese Entwicklung nicht unterschätzen, so, wie wir es in den letzten Jahren bereits getan haben. Der Rechtsextremismus konnte in Deutschland gedeihen und dieser konnte ohne jegliche Restriktionen in den Bundestag einmarschieren.

Gegen Diskriminierung und Rechtsextremismus und auch entschieden gegen den sogenannten „islamistischen“ Extremismus, werde ich mich einsetzen. Für meine Familie und für die pluralistische und bunte Gesellschaft in Deutschland.

Text & Bild: Nasir Ahmad

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Danke, Weidel! Syrer in Wismar von Nazis krankenhausreif geschlagen

Danke, Weidel!

Während wir noch darüber diskutieren, ob man die Sorgen eines rechtsextremen Mobs in Chemnitz ernst nehmen muss, geht es schon los. Ein 20-jähriger Syrer wurde am Mittwochabend in Wismar in Mecklenburg-Vorpommern krankenhausreif geprügelt. Drei Männer haben ihn zunächst ausländerfeindlich beschimpft.

Dann schlug einer mit einer Eisenkette auf den jungen Mann ein. Man hat ihn schwer verletzt. Ihm wurde unter anderem die Nase gebrochen. Die Polizei sucht derzeit Zeugen. Geht’s noch? Das sind genau die Konsequenzen, vor denen wir schon seit Jahren warnen. Durch Unterstützung in der Politik und in den Behörden denken Fremdenhasser, dass sie ihrer Gewalt freien Lauf lassen können.



Und die AfD schweigt

Schlachtet die AfD den Fall Wismar aus? Ich dachte, es geht ihr um die Sicherheit in Deutschland? Aber nein, nur wenn die Täter ins Feindbild passen, damit man weiter den Fremdenhass befeuern kann. Natürlich, die pickt sich derzeit wieder irgendeinen anderen Einzelfall heraus oder begibt sich in die Opferrolle. Und versucht irgendwie immer noch das absolut treffende Label „Nazi“ abzustreiten. Nach Aufrufen zur Lynchjustiz und Androhung, „Verlage stürmen“ zu wollen.

Über Zuwanderung und Kriminalität kann man gerne in einem nicht-rassistischen Kontext reden. Aber das machen wir seit Jahren nicht. Durch selektiven Empörungsjournalismus, vor allem durch die rechte Lügenpresse und die BILD führt man eine Debatte fernab von Fakten. Fake News und Falschdarstellungen sind in rechten Filterblasen die Norm.

Wir kritisieren das seit Jahren. Nicht, um etwaige Probleme zu leugnen, sondern um diese Debatte als das zu bezeichnen, was es ist: Reine Hetze gegen Andere. Und Unschuldige werden dann in Wismar krankenhausreif geschlagen. Das muss jetzt ein Ende haben. Sonst werden wir uns in einigen Jahren anhören lassen, wie wir das alles zulassen konnten.

14 Aussagen, die es rechtfertigen, die AfD als Nazis zu bezeichnen

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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Paradox: Diese 7 Flüchtlinge und Migranten sind in der AfD

AfD-Abgeordnete mit Migrationshintergrund

Es ist seltsam: Sie sind als Kinder selbst als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen oder sind hierher eingewandert. Jetzt sitzen sie für die AfD in den Parlamenten. Wir haben eine Liste mit sieben AfD-Abgeordneten zusammengestellt, die trotz ihres Migrationshintergrund gegen Flüchtlinge und Migration sind. Verstehen tun wir’s aber nicht.



PetR Bystron (Flüchtling aus der Tschechoslowakei)

Petr Bystron wuchs in der Tschechoslowakei auf. 1987 flohen seine Eltern mit ihm in die Bundesrepublik Deutschland und beantragten politisches Asyl. Er war Vorsitzender der AfD Bayern. Von März bis September (Einzug Bundestag, pol. Immunität) wurde er vom Bayerischen Verfassungsschutz beobachtet weil er „Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen aufzeige“.

Joana Cotar (Flüchtling aus RUMÄNIEN)

Joana Cotar floh mit ihrer Familie im Alter von fünf Jahren aus Rumänien nach Deutschland. Sie ist Ex-CDU Mitglied und war dort im Vorstand der CDU Mannheim-Schwetzingerstadt/Oststadt. 2013 Wechsel in die AfD. Dort war sie Co-Vorsitzende des hessischen Landesverbandes, aber Rücktritt im Juli 2014 wegen interner Streitigkeiten, da sie Abmahnungen ablehnte.

Anton Friesen (kasachische SSR, Spätaussiedler)

Er kam mit zehn Jahren als Spätaussiedler nach Deutschland und wuchs in Ostwestfalen auf. Er spendete unter anderem Geld an eine diakonische Tafel, die die Spende jedoch abgelehnt hat. Daraufhin beschimpfte der Rest der AfD die Sonneberger Diakonie. Des Weiteren war er u.a. Wahlbeobachter bei der russischen Präsidentenwahl, während die OSZE massive Unregelmäßigkeiten und fehlenden Wettbewerb kritisierte, habe Friesen selbst keine Unregelmäßigkeiten erkennen können.

Ebenfalls ist er Fake News affin. So berichtete er von einem Totalschaden seines Autos und postete ein fünf Jahre altes Stockphoto, obwohl sich später herausstellte, dass lediglich die Radmuttern gelöst waren. Die Einschätzung eines von der Staatsanwaltschaft beauftragten Gutachtens stellte fest, dass die Mängel für ein „selbständiges Lösen der Radbolzen“ sprechen können.

Markus Frohnmaier (aus einem rumänischen Kinderheim adoptiert)

Frohnmaier stammt aus Rumänien, nach eigenen Angaben lernte er nie seine Eltern kennen. Er wurde von einem deutschen Ehepaar adoptiert. Frohnmaier möchte gerne „bei allen Straftätern den Migrationshintergrund „bis in die dritte oder vierte Generation (…) ermitteln, damit die Kriminalstatistik die Realität wiedergibt“. Zusätzlich pflegt Frohnmaier europaweit Kontakte zu rechten Organisationen, damals noch in der Jungen Alternative, dort besonders nach Russland und zur österreichischen FPÖ-Jugend.

Marc Jongen (Mutter Italienerin, Vater Niederländer, Migrant)

Jongen wuchs in Südtirol auf und hat die italienische und niederländische Staatsbürgerschaft. 2011 wurde er in Deutschland eingebürgert. Er ist einer der zwei Landessprecher der AfD in Baden-Württemberg. Weiterhin ist er Vorstandsmitglied der rechtsnationalen Gustav-Stresemann-Stiftung. Er tritt auch gemeinsam mit Martin Sellner (Identitäre Bewegung) als Vortragender bei dem neurechten Institut für Staatspolitik auf.

Waldemar Herdt (kasachische SSR, Spätaussiedler)

Er wuchs als Angehöriger der russlanddeutschen Minderheit in der damaligen Sowjetrepublik Kasachstan auf. 1993 ist er mit seiner Familie nach Deutschland ausgewandert. Herdt begann seine politische Laufbahn in der Partei bibeltreuer Christen (u.a. als Bundesvorstand) und wechselte in die AfD. Er selbst beschäftigte im Bundestag den putintreuen Aktivisten Heinrich Grot. Dieser steht im Visier der Spionageabwehr des Bundesamts für Verfassungsschutz.

Paul Podolay (Migrant, Tschecheslowakei)

Podolay wuchs in der Tschechoslowakei auf und wanderte 1982 in die BRD aus. Außerdem war er Mitglied der CSU, ehe er 2015 zur AfD wechselte. Tritt politisch im Bundestag bislang nicht wirklich in Erscheinung.

Wie kann man als Flüchtling gegen Flüchtlinge sein?

Die AfD ist eine offen rechtsextreme Partei. Das heißt, sie will „stolz“ auf Deutschland im zweiten Weltkrieg sein, will de facto einen „Ariernachweis“ einführen und das Menschenrecht Asyl quasi wieder abschaffen. Dazu verwendet sie rassistische und fremdenfeindliche Sprache und macht pauschal Stimmung gegen Migranten jeglicher Art. Dass Menschen, die selbst Flucht- und Migrationserfahrung gemacht haben, jetzt diese Positionen vertreten ist äußerst seltsam.

Auffällig ist, dass es sich hierbei fast ausnahmslos um Menschen aus Osteuropa handelt. Wie können diese Menschen nun nicht das Leid der Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan nachvollziehen? Und wenn es keine Fluchterfahrung ist, den Wunsch nach einem besseren Leben in Deutschland? Es ist traurig und schade, dass diese PolitikerInnen hier diese Gelegenheit verpassen, Brücken zu bauen und stattdessen Mauern fordern.

Alle politischen Erfolge der AfD seit der Bundestagswahl

Text: Gordana Rammert, Thomas Laschyk. Artikelbild: pixabay.com, CC0

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