Nach antisemitischen Äußerungen: Verlag beendet Zusammenarbeit mit Bhakdi

| Bericht | 16. Juli 2021

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Strafanzeige gegen Bhakdi wegen Volksverhetzung

Desinformationsverbreiter Dr. Sucharit Bhakdi, einst respektierter Professor für Mikrobiologie, verbreitet seit Monaten eine Falschinformation über Corona nach der anderen und hat sogar Bücher darüber geschrieben. Eines haben wir hier bereits gefaktencheckt. In einem für ihn inzwischen typischen Anti-Impf-Propaganda-Interview kam der diskreditierte Forscher und Verschwörungsideologe Bhakdi vor einigen Tagen auf Israel und „die Juden“ zu sprechen. Er erklärt zuerst, dass er einst „die Juden“ verehrt habe, aber jetzt hält er die erfolgreiche Impfkampagne Israels für etwas Schlimmeres als die NS-Diktatur und offenbar auch den Holocaust. Wörtlich sagte er die offensichtlich antisemitischen Sätze:

„Die Juden haben ihr Land in etwas verwandelt, was noch schlimmer ist, als Deutschland damals war. Das ist das Schlimme an den Juden. Sie lernen gut. Aber sie haben das Böse jetzt gelernt.“

Der Antisemitismus-Beauftrage Baden-Württembergs, Michael Blume, erklärte auf Twitter, das seien „unerträgliche und den NS-relativierende Aussagen“ von Prof. Bhakdi. Er erinnerte daran: „Bereits letztes Jahr warf Herr Bhakdi einer deutschen Ministerin die »Vergiftung unserer Kinder durch CO2« vor!“ (Quelle). Auch die Politikerin und Publizistin Marina Weisband erklärte, nach Attila Hildmann sei auch Bhakdi „unter die Hardcore-Antisemiten gegangen“. „Wer solche Leute als Wissenschaftler IRGENDWOHIN einlädt, macht das Leben in diesem Land aktiv gefährlicher.“

Goldegg-Verlag trennt sich endlich von Bhakdi

Selbst dem österreichischen Goldegg-Verlag, der Bhakdis zuvor schon gefährliche Desinformations-Bücher herausgebracht hatte, waren diese Aussagen jetzt offenbar genug. Sie haben sich vehement von dessen Aussagen distanziert. „Die aktuellen Aussagen von Prof. Bhakdi können wir nicht nur nicht nachvollziehen, sie stehen außerhalb unseres Verständnisses. Im Verlag sind wir tief betroffen und distanzieren uns vehement von derartigem Gedankengut“, heißt es (Quelle). Der Verlag wurde bereits zuvor dafür kritisiert, die pseudowissenschaftlichen Werke Bhakdis zu verlegen und mit Desinformation Geld zu verdienen.

In Zukunft werden keine Projekte mehr mit Bhakdi realisiert und es werde keine weitere Zusammenarbeit geben. Auch werden seine Bücher nicht mehr nachgedruckt. „Wir distanzieren uns sowohl als Verlag als auch als Menschen klar von rechtem Gedankengut und Antisemitismus.“ Die Aussagen Bhakdis könnten auch juristische Folgen haben. Der Antisemitismus-Beauftragte der jüdischen Gemeinde zu Berlin, Sigmount Königsberg, habe Strafanzeige wegen Volksverhetzung gestellt (Quelle).

Bhakdi kandidiert für „Querdenken“-Partei „die Basis“

Bhakdi hat sich längst bereits als Verschwörungsideologe und völlig unseriöser Desinformationsverbreiter etabliert und geschickt mit seinem eigentlich nicht wenigen Wissen über Mikrobiologie die Anhängerschaft über Corona und Impfungen getäuscht.

Die Überzeugungstricks von Sucharit Bhakdi analysiert

Längst verbreitet er auch die offenkundig unsinnige These, die typisch in der „Querdenken“-Szene und unter Rechtsextremist:innen ist, dass Deutschland eine Diktatur sei. Er hatte behauptet, deswegen auswandern zu wollen.

Bhakdi will aus “Diktatur” Deutschland nach Thailand auswandern, wo Covid-Fakes bestraft werden

Als eines ihrer prominentesten Gesichter kandidiert Bhakdi für die „Querdenker:innen“-Partei „dieBasis“ auf Platz 3 in NRW (Quelle). Die verschwörungsideologische Partei, die sich aus der „Querdenken“-Bewegung entwickelt hat, hat jedoch keine Chancen auf Einzug in den Bundestag. Schauspieler und Mitinitiator von #Allesdichtmachen, Volker Bruch, hatte ebenfalls Mitgliedsantrag bei dieser Partei gestellt (mehr dazu).

Analyse von „dieBasis“: Wer und was steckt hinter der „Querdenker“-nahen Partei?

Seine Partei leugnet Bhakdis Antisemitismus erwartungsgemäß genau so wie die Gefährlichkeit von Corona oder den Nutzen und die Sicherheit von Impfungen. Die Partei spricht von „billigem Framing“ und „absurde Unterstellung“ (Quelle). Erklärt allerdings nicht, wie die Aussage, dass „die Juden“ „das Böse“ von den Nazis und dem Holocaust gelernt hätten, nicht antisemitisch sein kann oder warum der Kontext, dass es um die Impfungen in Israel geht, etwas daran ändere.

Verschwörungsideologien landen oft im Antisemitismus

Der Weg vom Glauben von Fake News zu „Querdenken“ und anderen verschwörungsideologischen Strömungen landet oft in letzter Instanz beim Antisemitismus, wenn auch nicht zwangsläufig oder im gleichen Tempo. Bekanntes Beispiel ist Attila Hildmann, der von Corona-Fake-News zum „Querdenken“-Redner bis zum vollen Antisemiten radikalisiert wurde.

Jetzt offener Antisemitismus: Hildmann hängt die Hundepfeife an den Nagel

Dem Vereinskollegen Bhakdis, Homburg, wird ebenfalls das Verbreiten antisemitischer Verschwörungsmythen vorgeworfen. Mehr dazu:

Antisemitismusbeauftragter Blume: Homburg verbreitet antisemitischen Verschwörungsmythos

Wenn man einmal glaubt, dass Staat, Medien und alle Expert:innen einem nicht deshalb widersprechen, weil man offensichtlich Blödsinn redet, sondern weil diese angeblich von „geheimen Mächten“ im Hintergrund kontrolliert werden, ist der Weg nicht weit zum Antisemitismus und dass für einen „Juden“ und „das Böse“ synonym werden. Das ist der Kern, der zum Holocaust führte. Deshalb findet man bei vielen bekannten Verschwörungsideolog:innen derartige Tendenzen. Mehr dazu:

Wie Verschwörungsideologien und Antisemitismus zusammenhängen

Antisemit:innen verwenden in der Regel Codes, um nicht deutlich von „den Juden“ zu sprechen. Typische Begriffe sind zum Beispiel „Globalisten“, ein Begriff, den auch CDU-Kandidat Maaßen verwendet hatte und dafür heftig kritisiert wurde, denn gerade er als Ex-Verfassungsschutzchef muss wissen, wofür dieser Code steht.

Faktencheck Neubauer: Maaßen teilt wirklich antisemitische & rechtsextreme Inhalte

Jetzt erklärte Bhakdi, jenes „Böse“ der Nationalsozialist:innen haben „die Juden“, wie er es nennt, „gelernt“ und durch das Impfen der israelischen Bevölkerung sogar „schlimmer“ gemacht. Offenbar landet man zwangsläufig bei so einem furchtbaren Denken, wenn man wirklich die wahnhafte Propaganda über Impfungen glaubt. Königsberg sieht eine enge Verknüpfung zwischen der „Querdenker“-Bewegung und antisemitischen Aussagen in deren Milieu. Die Gruppe hinter den „Querdenken“-Protesten hätten nie dafür gesorgt, dass Reichsbürger:innen und Rechtsextremist:innen von den Demos verbannt wurden, erklärte Königsberg der Berliner Morgenpost (Quelle).

Zum Thema:

„Juden haben das Böse gelernt“: „Querdenker“ & Impfgegner Bhakdi wegen Antisemitismus kritisiert

Artikelbild: Screenshot

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