Das ist Alltag: So widerlich und schamlos hetzen Rechtsextreme in Social Media

Wo soll das alles enden?

Wir alle können froh sein, dass es die Blickwinkelkanone aus Douglas Adams´ „Per Anhalter durch die Galaxis“ nicht gibt, oder? Denn ansonsten, wären wir stellenweise ziemlich verloren, überträgt sie doch die Gefühle des Abfeuernden auf den Getroffenen.

Der Grünen-Politiker Wolfgang Wetzel aus der Region Zwickau hatte eine ganz schöne Idee: Er bestellte für sich und seinen Lebensgefährten jeweils eine Kippa in London. Sie wollen am 09. November die Zwickauer „Stolpersteine“ putzen, die der zwischen 1933 und 1945 ermordeten Jüdinnen und Juden gedenken.

„Wir müssen das Wissen um die Geschichte wach halten. Antisemitismus gibt es heute auch noch, bis in die Mitte der Gesellschaft. Egal ob völkisch-rassistisch motiviert oder wegen falsch verstandener Religion: Man muss sich dagegenstellen.“

Heute hat die Post unsere neuen Kippas – Bestellung aus England – gebracht. Wir sind beide keine Juden und wollen diese…

Gepostet von Wolfgang Wetzel am Mittwoch, 17. Oktober 2018



Ein Blick ins „Hetzer-Facebook“:

Was dann im russischen Pendant zu Facebook, „vk.com“, zu lesen ist, ist nichts anderes als judenfeindlich, schwulen- und menschenverachtend. Ich habe keine Ahnung, was sich Menschen dabei denken, solche Posts und vor allem solche Kommentare zu schreiben. Das russische „Facebook“ hat übrigens über 100 Millionen Nutzer. Es lässt sich nur erahnen, wie es dort um sowas wie Gemeinschaftsstandards, geschlossene und/oder geheime Gruppen bestellt ist, wenn wir sehen, was dort alles stehen bleiben darf.

(Man muss glaube ich nicht extra dazu sagen, dass das nicht stimmt)

Und diese Posts stehen seit Tagen online. Zugegeben: Die genannten Beispiele sind sicher Extrembeispiele und nicht unbedingt repräsentativ für den vorpolitischen, öffentlichen Raum bei Facebook. Allerdings wissen wir nicht, was sich in geheimen Gruppen abspielt. Ich wette dort gibt es ähnliche Postings.

Wollen wir uns tatsächlich die Gesellschaft ständig und immer weiter vergiften lassen?

Was gibt erstens Menschen das Recht, sich so abwertend über andere Menschen zu äußern? Aber vielmehr zweitens: Warum das alles? Was für eine Befriedigung erlangen sie, sich über homosexuelle Männer lustig zu machen, die an ermordete Jüdinnen und Juden erinnern wollen? Was ist daran überhaupt lustig? Und was haben diese Männer diesen Menschen überhaupt getan?

Ich habe heute gehört, dass es sowas früher an Stammtischen immer schon gab. Das Internet richte nun aber den Scheinwerfer auf solcherlei Ergüsse. Mh. Mag sein. Auf der anderen Seite gab es aber früher nicht die Angst im Bekanntenkreis, dass „unsere Kinder später mal ein Kopftuch tragen müssen“. (Quatsch!) Dieser Sprech ist also in unseren Alltag eingezogen, und er trägt bereits dazu bei, unsere Gesellschaft zu vergiften.

Insofern kann man fast sagen, dass die Blickwinkelkanone dann doch existiert: Auch, wenn die Auswirkungen von sogenannten Echokammern umstritten sind, so bin ich der festen Überzeugung, dass man sich dort aufschaukelt, bestätigt, aufwiegelt, und das nur mit dem Ziel, aus einer kleinen Minderheit heraus, einer ganzen Gesellschaft zu schaden. Und darauf habe ich echt keine Lust.

Artikelbild: Screenshot facebook.com

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Zentralrat der Juden distanziert sich von AfD – wird Opfer von rechtem Shitstorm

Der Zentralrat der Juden veröffentlicht eine gemeinsame Erklärung verschiedener jüdischer Verbände und Organisationen.

Gemeinsame Erklärung gegen die AfD!AfD – keine Alternative für Juden!Die AfD versucht seit geraumer Zeit, mit ihrer…

Gepostet von Zentralrat der Juden in Deutschland am Donnerstag, 4. Oktober 2018

Darin rufen sie alle demokratischen Kräfte innerhalb und außerhalb der jüdischen Gemeinschaft auf, sich offen und sichtbar gegen jede Form von antidemokratischem, antisemitischem, rassistischem und völkischem Gedankengut zu engagieren.

Konkret beziehen sich die Ersteller dieser Erklärung auf die gegründete Vereinigung „Juden in der AfD“, und stellen fest: „Nein, die AfD ist keine Partei für Juden!“



Es folgte ein riesiger Shitstorm

Die Kommentator*innen echauffieren sich darüber, wie sich der Zentralrat gegen eine Partei stellen kann, die sich angeblich schon immer für die Juden und gegen Antisemitismus eingesetzt hat. Das führt sogar soweit, dass sich die AfD-Fans als „neue Juden“ sehen, die bald einen „blauen Stern tragen müssen.“

AfD fühlt sich „diskriminiert“ und hält sich für „die neuen Juden“ – Dass ich nicht lache!


Für die Neuen Rechten sind Juden nur ein Mittel zum Zweck

Die Rechtspopulisten oder die Neuen Rechten betonen schon seit langem, dass sie an der Seite von Israel stehen. Der Grund ist eigentlich ganz einfach: Die Juden sind Mittel zum Zweck!

Die Vordenker der Neuen Rechten haben sich bereits vor vielen Jahren eine Strategie überlegt, wie man ein neues Feindbild kreieren kann, ohne dabei sehr die nationalsozialistische Geschichte von Deutschland in den Köpfen der Menschen zu triggern. Was liegt da nahe? Der Schutz der Juden! Wer mag Juden nicht so? „Der Moslem“!

Und schon entsteht das Narrativ vom „massenhaft importierten Antisemitismus“. Juden müssen von uns vor dem Islam geschützt werden. Praktischerweise können wir so auch gleich noch Europa vor dem Islam schützen.

Die vielen antisemitischen Aussetzer der AfD

Gleichzeitig allerdings gibt es in der AfD und bei den Verbündeten der Neuen Rechten immer wieder antisemitische Aussetzer zu beklagen. Herr Gauland verharmlost die Zeit des Holocaustes und reduziert die industrielle Tötung von Menschen auf lediglich eine Zeitdauer von 12 Jahren. Auf einem Zeitstrahl ist das tatsächlich nicht viel. Bewertet man diesen Zeitstrahl aber, etwa mit „Toten pro Jahr“, dann erscheinen diese 12 Jahre in einem ganz anderen Licht. Das Ziel ist doch ganz klar: Er will die Geschichte verwässern. „Wer die Vergangenheit beherrscht, beherrscht die Zukunft; wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit“ heißt es in Orwell „1984“.

Der AfD-Abgeordnete Petr Bystron verbreitete eine Karikatur von Anetta Kahane, der Vorsitzenden der Amadeu-Antonio-Stiftung. Über die selbst die „Junge Freiheit“ schreibt: „Es hilft nicht darum herumzureden: Diese Karikatur entspricht dem antisemitischen Klischee, wie einst Ferdinand Marians Darstellung in Veit Harlans „Jud Süß“.“

Bei einem Besuch einer AfD-Delegation im Konzentrationslager Sachsenhausen kommt es zu Verharmlosungen und störenden Unterbrechungen, immer an der Grenze, zu dem, was justiziabel gewesen wäre. Der AfD-Politiker Wolfgang Gedeon verglich Holocaust-Leugner wie Horst Mahler mit Dissidenten in China oder schrieb, dass „die talmudischen Ghetto-Juden der innere Feind des christlichen Abendlandes“ seien.

Es gäbe wohl noch einige Beispiele zu solchen Äußerungen. Da haben wir noch nicht mal über Bernd Höcke und „das Denkmal der Schande“ oder die von ihm gewünschte „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ geredet oder im Allgemeinen über die Verschwörungstheorien um George Soros, die von allen Neuen Rechten in Europa erzählt werden.

Der Kern dieser Erklärung des Zentralrates der Juden lautet übrigens:

„Die AfD agitiert unumwunden gegen Muslime und andere Minderheiten in Deutschland. Dabei versucht die AfD, „die“ Muslime als Feinde der westlichen Welt oder „der“ Juden darzustellen. Muslime sind nicht die Feinde der Juden! Die Feinde aller Demokraten in diesem Land sind Extremisten, egal ob aus rechtsextremer, linksradikaler oder radikal- muslimischer Gesinnung heraus. Wir lassen uns von der AfD nicht instrumentalisieren.“

Und noch ein Funfact zum Abschluss: Eine kurze Analyse hat ergeben, dass ca. 1/3 der Accounts in diesem Shitstorm sehr wahrscheinlich Sympathisanten der Identitären Bewegung waren. 

Ich frage mich, wo die liberalen AfD-Politiker sind, die das manipulative Spiel in den sozialen Netzwerken satt haben und die vor allem unsere demokratischen Grundwerte mit uns verteidigen wollen. Angriff auf die Medien („Lügenpresse“) oder die Jagd auf Künstler oder Lehrer gehören irgendwie nicht dazu.

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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Verdächtiges Schweigen: Über diese Terrorzelle sprechen die Rechten nicht

Ich will nicht von NeoNazis „verteidigt“ werden!

Immer wieder Ärger mit jungen Männern. Heute Morgen wurden Sten, Martin, Marcel, Hardy Christopher, Tom und Christian festgenommen. Alle im besten Alter zwischen 27 und 31 Jahren. Sie stehen im Verdacht, einen Anschlag für den Tag der Deutschen Einheit geplant und vorbereitetet zu haben. Die jungen Männer wollten, so sagen es die Medienberichte übereinstimmend, am 03. Oktober „die Mediendiktatur und deren Sklaven“ attackieren. Wieder Neonazi-Terror.

Die Ermittler gehen davon aus, dass militante Anschläge auf Ausländer, Journalistinnen und Journalisten, Politiker*innen und Menschen, die in der Öffentlichkeit für den freiheitlichen Rechtsstaat einstehen, folgen sollten. Die „Revolution Chemnitz“ sieht den NSU lediglich als „Stümpertruppe“, „blutige Anfänger“. Sie hingegen wollten die ganze Gesellschaft umwälzen. So zynisch es klingt, aber der NSU „führt“ 10:0 nach Toten und 3:0 nach Bomben. Die „Revolution Chemnitz“ scheint vorerst beendet zu sein.



Rechtsextremer Größenwahn?

Nun muss man sich aber besorgt fragen, was genau, die aus der Rechtsextremen-, Neo-Nazi und Hooligan-Szene ideologisch stammenden Männer zu der Annahme bewogen hat, sie könnten übermorgen einen Staatsstreich anzetteln. Wie groß wähnten sie denn Rückhalt und Zustimmung zu ihrem Plan? In welchen Echokammern waren sie denn unterwegs, dass sie sich überhaupt ermächtigt fühlten, unser System umstürzen zu müssen?

Und angenommen, sie hätten ihr schreckliches Vorhaben umsetzen können: Was wäre danach passiert? Haben sie auf eine Kettenreaktion gehofft? In den Kommentar-Spalten bei Facebook jedenfalls wird diese Nachricht erstaunlich kommentiert: Entweder mit Whataboutismen wie „aber die RAF/Antifa/Schwarzer Block“. Oder es wird sogar behauptet, dass „die Regierung“ nun etwas liefern muss, um von den Messerstechern abzulenken. Propaganda 2.0 und so. Blanke Verschwörungstheorien!

Ich möchte nicht von einer Neo-Nazis-Bürgerwehr „verteidigt“ werden!

Aber was bitte geht in Köpfen vor, die einen Bürgerkrieg herbeisehnen, die Politiker*innen, Journalistinnen und Journalisten, generell Andersdenke eliminieren wollen? Die Typen haben das sogar geprobt, als sie vor einigen Wochen als selbsternannte Bürgerwehr in einem Chemnitzer Park Ausweise von Deutschen, Iranern und Pakistaner kontrollierten, sie einkreisten, bedrohten und beleidigten

Ich möchte nicht von einer Neo-Nazis-Bürgerwehr „verteidigt“ werden! Ich möchte nicht, dass sich Neo-Nazis befugt fühlen, eine ganze Gesellschaftsordnung auf den Kopf stellen zu müssen! Wer setzt denen denn sowas ins Hirn? Ist das eigentlich das Ziel von Politikern wie Bernd Höcke, wenn sie sich neben die Identitäre Bewegung stellen, deren gemeinsames Ziel auch der Umsturz unseres Systems ist?

Ist das der Plan: Rechtsextreme in Anzügen umgarnen die Wählerschaft, in dem sie polarisieren, Feindbilder schaffen, Ängste schüren. Parallel werden in Facebook-Gruppen Echokammern geschaffen, die all das immer wieder bestätigen, bis dann man Christian, Marcel und Co. auf die Idee kommen, mit halbautomatischen Waffen loszuziehen und alles niederzuballern, was denen nicht in den Kram passt?

Die AfD schweigt, Verschwörungstheorien

Was mich neben all dem zusätzlich sehr schockiert, sind die Kommentare, die selbst bei diesem konkreten Verdacht, alles kleinreden. Fun Fact: Ich habe mir die Facebook-Seiten der sonst so Post- und meme-freudigen AfD, Frau Dr. Weidel, Herrn Prof. Meuthen und Herrn Höcke mal kurz angeschaut. Die Themen heute: „Horror-Freitag auf der Wiesn: Wer schützt unsere Frauen?“

Es geht um einen Pakistani, einen Inder und darum, dass sich ein „anderer Kulturkreis breitmacht“. Weiteres Thema: „Klassen mit Ausländeranteil von 100% in Sachsen Anhalt – Unsere Lehrer werden blutig geschlagen“. Weiter: Merkel, Erdogan und „60% weniger illegale Migranten in der Schweiz“. Ich bin mir sicher, die Überschriften sähen bei einem etwas anders gelagerten Sachverhalt anders aus. Nunja.

Ich bin zumindest gespannt, was die Ermittlungsergebnisse zu Tage fördern. Und ich bin froh, dass die Sicherheitsbehörden so schnell reagiert haben. Und ich wiederhole mich vielleicht: Ich will nicht von Neo-Nazis verteidigt werden!

Artikelbild: Von wellphoto, shutterstock.com

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So hasserfüllt hetzen Rechte in geheimen Gruppen gegen Andersdenkende

#niewieder

Wir leben wohl in einer Zeit, die so sehr von der Doppelmoral geprägt ist, wie keine zuvor. Zumindest konnten wir das früher nicht auf den ersten Blick erkennen. Facebook macht es aber möglich, die fortschreitende Polarisierung zu beobachten. Und wir befinden uns in einem Kreislauf, der eigentlich nicht enden kann, wenn wir, die Demokraten, es nicht verhindern.

Einsatz Prominenter für Seenotrettung

In den letzten Wochen solidarisierten sich viele Künstler*innen und auch Bands mit den NGOs der Seenotrettung. Aktuelle Beispiele sind Herbert Grönemeyer, Tocotronic, Marteria, Jasmin Tabatabai, Die Toten Hosen, Jan Böhmermann, Die Höchste Eisenbahn oder auch Bastian Pastewka. Sie alle mahnen zu mehr Menschlichkeit.

Sie alle appellieren an den gesunden Menschenverstand, an den Anstand und an die Vernunft. Menschen, die sich auf dem Meer in Seenot befinden, müssen gerettet werden! Absaufen lassen ist keine Option. Es geht um die Sekunde, in der sich Menschen in Not befinden. Alles, was sich davor und danach abspielt ist Sache der Institutionen, der Staaten, der Regierungen. Der Weltgemeinschaft, falls es die noch gibt.



Rechte hassen Menschen, die aufrufen, Menschenleben zu retten?

Aber in dieser Sekunde, in der Menschen auf einem wackeligen Boot über ein riesiges Meer gondeln und dabei in Gefahr geraten zu kentern, ist ihnen zu helfen. Das tun NGOs wie die SOS Mediterrane. Die Neuen Rechten bezeichnen die NGOs als „Schlepper“. Sie sagen, sie würden dazu anspornen, loszufahren, weil sie ja da sind.

Die Neuen Rechten würden gerne ein Experiment durchführen: NGOs bzw. Seenotrettung einstellen und gucken, wie lange es dauert, bis sich keiner mehr auf den Weg macht. In der Zwischenzeit? Keine Ahnung. Weiß keiner. Ist ja keiner mehr da, um die Toten zu zählen. Oder aber die Identitären fahren mal gucken. (Hier der persönliche Bericht, wie es wirklich aussieht)

Screenshot Facebook.com

Nun sammeln die oben genannten Prominenten Spenden für die NGOs, für die Menschlichkeit. In rechten, geheimen Gruppen in Facebook, die lustige Namen wie „Die Patrioten“ tragen, wird nun zum Beispiel aufgerufen, bei Pastewka „Kotzemogies“ (?!) und „Gifs ;)“ zu verteilen. Pastewka wäre der neue „Systemling“, und man ruft #Spendethirn. Er brauche Aufmerksamkeit, er solle sein Geld, das er von Deutschen eingenommen hat, spenden und vor Ort helfen, er sei ein „Importeur“, usw. Das ist nur ein Bruchteil von dem, was in solchen Gruppen passiert.

Hetze gegen Andersdenkende

In der einen Sekunde rufen sie dort danach, CDs der Künstler nicht mehr zu kaufen, gar zu verbrennen. Sie feiern den Aufruf eines Berliner AfD-Politikers, Schlecky Silberstein und sein Team zu verfolgen, sie veröffentlichen das Foto eines ZDF-Kameramannes, um ihn zur Jagd freizugeben, posten Memes und Fake-Bilder über Politiker*innen (z.B. Claudia Roth) mit schlimmen Behauptungen. Die AfD Hamburg hat ein Melde-Portal eingerichtet: Lehrer*innen, die in Verdacht stehen, ihre Schüler*innen „links zu indoktrinieren“ sollen gemeldet werden. Die AfD hilft dann weiter und gibt Tipps. Na dann!

Screenshot Facebook.com

In der nächsten Sekunde wüten sie in diesen Gruppen, wenn der Schauspieler Frank Kessler auf einer eine AfD-Demo in Rostock gesehen wird. Der wiederum kämpft um seinen guten Ruf und erklärt sich. (http://www.maz-online.de/Nachrichten/Panorama/Schauspieler-Frank-Kessler-kaempft-um-seinen-Ruf) Er sieht sich ebenso einem Shitstorm ausgesetzt. Das ist selbstverständlich nicht in Ordnung, denn niemand kennt die tatsächliche Motivation und überdies muss es andere Mittel geben, politisch zu kritisieren, gerade, weil niemand die Opferrolle so gut beherrscht wie die AfD und ihre Anhänger.

Zurück zur Doppelmoral und zu diesem Kreislauf:

Diejenigen, die in der Wahl der Mittel zu persönlichen Attacken greifen, um politische Gegner einzuschüchtern, werden keinen Erfolg haben. Einer Aktion folgt die Reaktion. Eine Provokation lebt nur von der Reaktion. Es geht also immer weiter, der Strudel, in den sich eine Gesellschaft begibt, zieht vieles mit sich: Vertrauen in die Medien, die Politik, den Arbeitskollegen, den Nachbarn, den Onkel, die Mutter, den Bruder, die Schwester.

Ich hoffe, wir sind schlau genug, um diesen Kreislauf zu durchbrechen. Indem wir nicht die Mittel derer verwenden, die wir kritisieren. Unsere Aufgabe ist es vielmehr, solche Vorgänge aufzuzeigen, zu benennen, darauf hinweisen. Und wenn Künstler in ihrer Freiheit eingeschränkt werden oder wegen ihrer Meinung diffamiert und beleidigt werden, dann sollte die Zivilgesellschaft aufhorchen. Denn gerade die Künstler waren und sind es, die Finger in Wunden legen und damit natürlich als erstes mundtot gemacht wurden (und werden).

#niewieder!

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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Lügen & Einschüchterung: AfD veröffentlicht Adressen von Satire-Gruppe

Liebe AfD,

Ende April 2017 postulierte eure heutige Parteichefin, dass ihr euch nicht den Mund verbieten lasst und die politische Korrektheit auf den „Müllhaufen der Geschichte“ gehört. Das meint ihr offensichtlich ernst. Ihr lasst es euch nämlich nicht nehmen, einen offensichtlichen Satire-Beitrag, in dem kleine Ereignisse aus bereits bekannten Video-Schnipseln rund um die Berichterstattung aus Chemnitz, überspitzt aufbereitet wurden, absichtlich falsch zu verstehen.



Das ist der Satire-Beitrag, um den es geht

Volksfest in Sachsen

Nazis, Politik, Medien und Musikfreunde: Chemnitz war für alle ein voller Erfolg.

Gepostet von Bohemian Browser Ballett am Montag, 17. September 2018

Da ist der Hutbürger. Der Hase, der da bleiben soll. Da sind die unmöglichen Theorien, die Hitler grüßenden Männer wären Provokateure, und vieles andere mehr. Es macht Spaß, alle Referenzen zu suchen, fast wie bei Filmen wie Hot Shots oder Die Nackte Kanone. Jede Szene existiert irgendwo auf YouTube oder hat Bezug zur Realität.

Aber, liebe AfD, euer Auftritt dauert 2 Sekunden

Und ihr tut so, als ob sich das gesamte Video um euch dreht. Das tut es ja irgendwie auch, und die getroffenen Hunde bellen. Übrigens tauchen die Verfechter des #wirsindmehr-Konzertes ebenso auf. Ich höre von denen gar nichts.

Jedenfalls reicht euch das schon, um loszuziehen und mit einer Kamera auf das Namensschild eines Teammitgliedes zu zielen, das beim Dreh der Satire beteiligt war. Dieses Bild teilt ihr fleißig über eure unzähligen Kanäle und Gruppen, zusammen mit dieser hanebüchenen Verleumdungstheorie. Euch ist bewusst, was ihr da tut? Ihr gebt Privatpersonen zum Abschuss frei (Der Bericht).

Künstler an den Pranger stellen

Ihr verliert langsam jedes Maß und nehmt es in Kauf, dass nur einer eurer tausenden Follower durchdreht und ein Leben terrorisiert. Ihr scheint nicht zu ahnen, was eine Filterblase ist, in der unreflektiert so ein Schmarren geglaubt wird. Nun sollen gar die Juden schuld sein, weil der Name jüdisch klingt? Anhänger lechzen nach Mord.

Wisst ihr überhaupt, was da in euren Gruppen abgeht? Wenn ja, dann solltet ihr tatsächlich vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Denn keine Partei, die auf dem Boden unseres Grundgesetzes steht, würde solcherlei Wünsche und Kommentare sanktionslos gestatten. Auf der anderen Seite: Ihr scheint es euch ja zu wünschen. Denn anders kann ich mir die „investigative Recherche“ des AfD Hansel aus Berlin nicht erklären.

„Wir werden sie jagen“, sagte Alexander Gauland. Es scheint so, als wenn er das wörtlich meinte. Ausländer werden gejagt. Journalisten werden gejagt. Künstler werden gejagt.

Packt euch mal!

Artikelbild: Screenshot AfD

„Fake-Video“: Hält die AfD ihre Anhänger für komplett bescheuert?

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Focus toleriert antisemitische Verschwörungstheorien in Top-Kommentaren

Virtuelle SA-Methoden

Wir lesen bei #ichbinhier täglich hunderte Kommentare, dutzende Artikel in verschiedenen Medien. Uns fällt jeden Tag auf´s Neue die Kinnlade runter. Und wenn nun jemand denkt, die BILD oder das ZDF sind schon schlimm, dann war man noch nicht beim Focus unterwegs.

Ein Experiment wäre es wohl wert, nur die Kommentare dort zu lesen, ohne das Medium zu kennen. Ich vermute, dem einen oder der anderen könnte der Eindruck entstehen, nicht bei einem, sagen wir mal vorsichtig „rechten“, sondern bei einem rechtsextremen Medium gelandet zu sein. Klingt krass?



Antisemitisches, rechtsextremes Gedankengut

Gestern Abend titelte eben jener Focus: „Neonazis sollen am 27. August jüdisches Restaurant in Chemnitz angegriffen haben“ „Sollen“, das steht da wirklich!

Top-Kommentar: „Es wird von Tag zu Tag schmutziger, euch glaubt einfach keiner mehr,schön mal gemerkt!?“

Platz 2: „Wäre es gewesen dann wäre es auch von früh bis abends in den Medien gelaufen“

Platz 3: „Die Hetze gegen deutsche geht in die nächste Runde“

Das ist alles astreines rechtsextremes Gedankengut. Kann man immer noch mitsamt der Rechtschreibfehler nachlesen, alle (und noch viel mehr relativierende, kleinredende oder verharmlosende) Kommentare stehen genauso da. Alle Top-Kommentare sind Nazi-Verschwörungstheorien. Ist bis jetzt alles noch da! Ist das noch Meinungsfreiheit?

+++ Medienbericht: Neonazis sollen am 27. August jüdisches Restaurant in Chemnitz angegriffen haben +++ (via FOCUS Online Eilmeldungen)

Gepostet von FOCUS Online Politik am Freitag, 7. September 2018

Aber Moment, nicht passiert?

Wer hinter dem Hass und den Lügen steckt

Wir haben uns mal die Mühe gemacht und die Profile hinter dieser großen Zahl an Likes angesehen. Das Ergebnis ist eindeutig: Dutzende Sympathisanten (= Profile, die entsprechende Likes, Posts usw. liken und teilen) vor allem der AfD, Alice Weidel, der Identitären Bewegung (IB), der NPD, Bernd Höcke, aber auch der CSU! Das ist ein erschreckendes Bild, das sich da abzeichnet, denn offensichtlich kapern rechtsextreme Accounts, organisiert in verschiedenen Facebook-Gruppen, die Mainstream-Medien. Das ist nichts ganz Neues, jedoch immer und immer wieder erwähnenswert.

Aber es kann nicht sein, dass sie das auch dürfen! Wo ist die Verantwortung der Medien, des Focus, der Online-Redaktionen? Verstehen sie das Problem überhaupt? Oder sind sie da Monate hinterher und verschlafen gerade eine Möglichkeit, die Demokratie zu schützen. Klingt hochtrabend? Nicht, wenn man sich vor Augen führt, dass ein pluralistischer Diskurs durch beleidigende oder hämisch agierende Trolle verhindert wird. Das sind astreine SA-Methoden, nur online.

Nazis kapern gerade online unsere Medien

Oder, wenn antisemitisches Gedankengut einfach mal so stehen bleiben darf, ohne dass eine Redaktion es für nötig erachtet, einzuschreiten. Übergriffe werden negiert, selbst der Verfassungsschutz meint, es seien Fake News, wenn von „Hetzjagden“ geredet wird. Ok, wenn der zeitliche Aspekt so wichtig ist, dann reden wir eben von „Jagdszenen“. Besser?

AfD, IB, PEGIDA, Neo-Nazis, Rechtsextreme „trauern“ Schulter an Schulter. Sie erhalten diese Legitimation unter anderem von Medien wie dem Focus, die den Eindruck entstehen lassen, dass eine Mehrheit diese Meinung stützt. Am Arsch! Achtet auf eure Kommentarspalten, verdammt nochmal!

Artikelbild: Screenshot Facebook, Focus Online Politik

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Wie Rechte mit Fakes & Tricks das #wirsindmehr Konzert sabotieren wollen

Heute Abend findet das #wirsindmehr Konzert in Chemnitz statt.

Heute Abend werden in Chemnitz tausende Menschen zu dem Konzert #wirsindmehr erwartet, das sich gegen Fremdenhass und Rassismus positioniert. Dem Engagement der teilnehmenden Bands gingen die in großen Teilen ausländerfeindlichen Demonstrationen der letzten Tage voraus, und viele Bürger*innen Sachsens beklagten sich, dass sie in die rechtsextreme Ecke geschoben wurden. Darum soll es hier gar nicht ausschweifend gehen, aber eine Frage soll dennoch gestattet sein: Warum, wenn ihr Kritik üben wollt, lauft ihr neben Neo-Nazis und Rechtsradikalen, die ihre dumpfen Parolen rausblöken?



Missbrauch der „weißen Rose“

Auch die AfD beteiligte sich gemeinsam mit Pegida-Bachmann an einem Trauermarsch. Eine weiße Rose am Revers. Ausgerechnet! Die „Weiße Rose“ übrigens berief sich auf humanistische und christliche Werte, wehrte sich gegen die Diktatur des Nationalsozialismus. Ich finde es eine Frechheit, wenn die Garde von AfD und Pegida eine weiße Rose als Zeichen des Widerstandes trägt.

Als Zeichen dafür, dass wir in einer Diktatur leben und wogegen man sich wehren müsse? Die Geschwister Scholl und alle anderen Mitglieder wären die ersten, die gegen die AfD, deren Freunde der Identitären Bewegung und andere rechtsextreme Brüder im Geiste aufbegehren würden.

Wer trauern möchte, aber kein Nazi ist, soll zum Konzert kommen

Wenn nun heute Abend Kraftklub, Feine Sahne Fischfilet, Die Toten Hosen, Casper, Marteria, K.I.Z. und andere gegen Rassismus und Fremdenhass einstehen, wäre das eine tolle Gelegenheit für alle, die zwar mit Vielem nicht einverstanden sind, aber nicht in die rechtsextreme Ecke gestellt werden wollen. Flagge zeigen!

Nur, was machen die, die sich selbst als „patriotisch“ bezeichnen? Und die ständig murmeln: „Ich bin ja kein Rassist, aber das wird man ja noch sagen dürfen!“ Sie torpedieren das #wirsindmehr Konzert. Und wollen sich nicht für Daniel H. einsetzen. Nicht gegen Fremdenhass aufstehen. Sie wollen nicht, dass das Konzert ein großer Erfolg wird.

Sie versuchen das Konzert zu sabotieren

Sie rufen in ihren AfD-nahen Facebook-Gruppen dazu auf, der Facebook-Veranstaltung zuzusagen. Damit wird eine enorm große Zahl an Teilnehmern suggeriert, in der Hoffnung, das Sicherheitskonzept reiche in der Form nicht aus. Im besten Falle soll wohl das ganze #wirsindhier Konzert abgesagt werden. Im Grunde ist es die gleiche Masche wie auf Facebook allgemein: Sie versuchen, eine Meinungshoheit bzw. -mehrheit zu erschwindeln.

Sie haben kein Interesse daran, dass Fremdenhass und Rassismus sich nicht weiter ausbreiten. Sie haben kein Interesse daran, sachlich Probleme zu diskutieren. Ihr Ziel ist klar: Weitere Spaltung. Weiteres Zündeln. Sie setzen leichtfertig aufs Spiel, wofür die Mitglieder der „Weißen Rose“ gestorben sind!

Neue Fakes zum Konzert

Neben den unzähligen Gerüchten, Übertreibungen und Fakes zu Chemnitz (Wir berichteten) gibt es nun auch neue Fälschungen: Angeblich soll das Motto des #wirsindmehr Konzerts „Auf dem Grab tanzen“ heißen. Perverserweise soll das Konzert FÜR Daniel H. völlig in sein Gegenteil verkehrt werden. Doch dabei handelt es sich um eine schlechte Fotomontage. In der offiziellen FB-Veranstaltung und auf der offiziellen Info-Seite findet sich diese Grafik nirgends. Ausschließlich auf rechten Seiten.

Sollte es in meiner Freundeliste Leute geben die dieser Veranstaltung beiwohnen wollen dann könnt ihr euch gleich aus…

Gepostet von Nine Friedrich am Donnerstag, 30. August 2018

Wieder einmal wird versucht, eine gerechte Sache durch Lügen und Fälschungen zu diskreditieren. Dies reiht sich in eine lange Liste an Fakes zu Chemnitz ein:

Unglaublich, wie dreist die AfD zu Chemnitz lügt

Artikelbild: Screenshot facebook.com

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Rechte heulen rum, weil wir ihre Hetzjagd als Hetzjagd bezeichnen

Hallo liebe wütenden Bürger auf Facebook,

ich beobachte euer Gebaren nun schon sehr lange. Ihr habt Begriffe wie „Invasionen“, „Migrantenwellen“ oder „Asyltourismus“ geprägt. Ihr stilisiert Menschen zu Objekten, die „importiert“ werden. Die „schwarze Gefahr“, die unsere Frauen und Kindern jagen. Ihr habt kein Problem damit, ganze Gruppen von Menschen zu framen und damit zu entmenschlichen.

Und nun sprechen in Chemnitz viele von „Hetzjagd“ auf Migranten. Und ihr beschwert euch ernsthaft über das Framing „Hetzjagd“? Weil es keine Beweise gäbe. Ihr findet, dass die Medien damit weiter spalten und aufwiegeln. (Mehr dazu: Was ist „Framing“?)



Geht´s noch?

Seit Monaten zündelt ihr auf Facebook, verdreht Statistiken, sprecht von „Heuschrecken, die über das Meer kommen“ oder verwendet diesen rassistischen Kuhstallvergleich, nach dem Pferde, die in einem Kuhstall geboren werden, keine Kühe sind. (Mehr dazu)

Immer wieder betont ihr, dass in Chemnitz ganz normale Bürger auf der Straße waren. Und nur ein kleiner Teil seine hässliche Fratze zeigte. Ihr verfestigt damit nichts weiter als ein weiteres euer Framings: „Die Lügenpresse“. Ich möchte dann aber mal fest stellen: Wenn ich neben einem Neo-Nazi stehe, dann mache ich mich vom Acker. Ich persönlich möchte nicht auf der Seite derer stehen, die „Ausländer raus“ rufen oder „Für jeden toten Deutschen einen toten Ausländer“.

Distanziert euch doch von den Nazis, wenn ihr es ernst meint!

Mein Eindruck, von den Gesichtsausdrücken, die ich da gesehen habe, war blanker Hass. Ich möchte nicht wissen, was passiert wäre, wenn sich entweder ein Vertreter der Medien oder ein Gegendemonstrant oder gar ein Mensch anderer Hautfarbe in die falsche Straße verirrt hätte. Herr Gauland und andere Politiker der AfD geben selbst die Steilvorlage dazu, in dem sie „Selbstverteidigung“ gutheißen.

Warum beklagt ihr nun also dieses Framing der „Hetzjagd“? Denn erstens liegen Anzeigen vor, zweitens Augenzeugenberichte und drittens: Warum muss von allem ein Video auf Facebook oder Twitter existieren? Ihr gebt als Gegenbeweise Augenzeugenberichte (haha) an, fragwürdige YouTube-Videos. Aber was ist mit der Meute, die grölend „Wir sind Fans von Adolf Hitler durch die Straßen zogen? Wo ist die Distanzierung von solchen Szenen?

Stattdessen redet ihr genau diese Szenen klein. Böses Framing? Von wegen! Und der Getötete? Vermutlich hätte er sich eine Bestattung und einen Abschied in Würde gewünscht. Beides hat er nicht bekommen. Woran liegt das? Vielleicht daran, dass die Menschen, die ECHT getrauert haben, gar nicht mehr gehört werden konnten. Weil ihr sie übertönt habt mit eurem Hass und eurer Wut und eurer Weigerung, die Täter als einzelne Menschen zu sehen. Keiner hat über den Toten gesprochen? Blödsinn. Jeder anständige Mensch hat das getan. Nur euch war er im Grunde scheißegal.

Chemnitz: Warum Daniel H. überhaupt nicht als rechte Galionsfigur taugt

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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#wirsindmehr: Rechte haben Angst vor dem Anti-Rechts-Konzert in Chemnitz

„Aufstehen gegen rechte Hetze!“

Im Zuge der Ereignisse um Chemnitz fanden sich recht schnell einige Bands und Künstler, um ein Konzert gegen Rechts zu spielen. Vor dem „Nischl“ von Karl-Marx werden u.a. Die Toten Hosen, Feine Sahne Fischfilet und Casper spielen. Außerdem werden Marteria, K.I.Z., sowie die Lokalmatadoren von Kraftklub die Zivilgesellschaft bitten, unter #wirsindmehr Flagge zu zeigen.

Auf Facebook lesen wir nun aber: „Ein Deutscher wird von einem Flüchtling abgestochen und ihr spielt ein Konzert gegen Rechts!“, „Wo sind eure Konzerte, um gegen die Vergewaltigungen und Messerstecher zu protestieren?!“ Sowas in vielen verschiedenen Varianten.



Wie soll denn ein Konzert gegen Messerstecher aussehen?

Ich glaube, da wird einiges durcheinander gewürfelt: Wie soll denn ein Konzert gegen Messerstecher aussehen? Oder gegen Iraker? Syrer? Merkel? Oder die Regierung? Gegen Ausländer? So ein Konzert könnte so aussehen. Und das ist nicht schön. Es wird ja in der ganzen Diskussion eines vergessen:

Der mutmaßliche Totschlag des jungen Chemnitzers Daniel H. wird durch den Rechtsstaat verhandelt und verurteilt. Es geht hier um konkrete Einzelpersonen, so wie bei jedem Verbrechen. Selbst wenn wir gegen ausländische Straftäter demonstrieren, sind die Leidtragenden im Anschluss Unschuldige. Erst heute wurde ein Syrer von drei Männern mit einer Eisenkette zusammengeschlagen. Ohne Grund. Naja, doch: Er war halt Ausländer.

Ein Konzert gegen die Verrohung der Gesellschaft

Das Konzert gegen Rechts am „Nischl“ richtet sich vielmehr an die Zivilgesellschaft. An diejenigen, die es nicht hinnehmen wollen, dass Rechtsextreme und Hooligans mit ihren Parolen durch die Straßen ziehen. An diejenigen, die durchaus Kritik üben und Probleme benennen wollen. Aber bitte nicht neben Rechtsextremen, die „Ausländer raus“ oder „Für jeden toten Deutschen einen toten Ausländer“ plärren.

Dass so ein Konzert verächtlich gemacht wird, ist nachvollziehbar. Denn es wird viele tausend Menschen anziehen. Es wird zeigen, dass der Mob in der Unterzahl ist. Es wird die Verhältnisse wieder gerade rücken. Zumindest ist das meine Hoffnung. Wenn nicht, dann haben wir ein größeres Problem als gedacht.

Artikelbild: JoeJoeJoe93(CC BY-SA 3.0), changes were made

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Sachsen, es ist höchste Zeit, dich gegen Rechts zu positionieren

Hallo liebe Zivilgesellschaft, online und offline,

gestern, so scheint es, war für viele Gegner unserer Verfassung der Tag X gekommen: Sie nehmen das Recht selbst in die Hand und jagen Menschen. Wenn man die Kommentarspalten der letzten Monate verfolgt hat, möchte man meinen, sie haben nur darauf gewartet. Und nun entbrennt eine Kettenreaktion. Am Rande des Chemnitzer Stadtfests wurde ein Mann erstochen und erlag seinen Verletzungen. (Bericht)

Erste Berichte gingen von einem beherzten Helfer aus, der einer Frau geholfen hatte, die von einer Gruppe Männer belästigt worden sein soll. Das ist falsch. Die Polizei dementierte diese Version im Laufe des gestrigen Tages. Aber da machte die Geschichte schon die Runde, was dazu führte, dass ultrarechte Gruppen zu einer Kundgebung in der Innenstadt aufriefen.



Nazis auf Menschenjagd

Videos belegen, dass ausländisch aussehende Menschen gejagt wurden. So manche Freundin konnte ihren „Hasen“ gerade noch daran hindern, mitzumischen.

Für den heutigen Tag sieht die Prognose düster aus: Hooligans und Rechtsextreme aus ganz Deutschland organisieren sich zu weiteren „Demonstrationen“. „Für jeden toten Deutschen, ein toter Ausländer…Wir sind das Volk!“ Geht´s noch? Nein, seid ihr nicht. Und vergleicht euch nicht mit einer friedlichen Bürgerbewegung, die ohne Gewalt die Wende herbeigeführt hat.

26 Jahre nach den Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen, gestern in Chemnitz. (ab 08.40:…

Gepostet von HassHilft am Montag, 27. August 2018

Auf Facebook ergibt sich ein ganz anderes Bild: Die Demonstranten würden endlich mal aufstehen und gegen die Zustände in Deutschland aufbegehren. Die Kommentatoren setzen sich tugendhaft für die Opfer der Messerstecher ein. „Warum wird darüber so wenig berichtet?“ „Stattdessen werden die Menschen, die sich das nicht gefallen lassen, in die rechte Ecke gestellt.“

Wer Menschen durch Städte jagt, ist eben ein Nazi

Naja, wer Menschen durch Städte jagt, weil sie anders aussehen, steht schon ganz richtig in dieser rechten Ecke. Hooligans jagen Menschen, missachten das Gewaltmonopol und man feiert sie auch noch dafür. Was ist los auf Facebook?! Wir sind ja keine Rassisten, aber…“ Am Arsch! Ihr seid astreine Rassisten!

Ich sage schon lange, dass die „Online-Helden“, die sich einen Bürgerkrieg oder ähnliches herbeisehnen, nur auf einen Auslöser warten. Worte werden zu Taten. Wer das leugnet, hat in Geschichte nicht aufgepasst. Politiker der AfD schüren das auch noch: 

„Heute ist es Bürgerpflicht, die todbringende „Messermigration“ zu stoppen!“ Nein, es ist die Aufgabe des Staates, menschenjagende Mobs aufzuhalten. Die Bürgerpflicht ist es, sich dagegen online, aber vor allem offline mit demokratischen Mitteln zu wehren.

Nicht nur das: Es stellt sich heraus, dass der ermordete junge Mann ein bekennender Gegner der Neo-Nazis war. Widerlich ist die Heuchelei, mit der ebenjene Neo-Nazis einen Vorwand gefunden zu haben scheinen, heroisch und patriotisch einem Deutschen, der zwar ihre Gesinnung verabscheut, zur Seite stehen können. Und was sie wirklich wollen, haben wir nicht nur im Zusammenhang mit den Jagdszenen gesehen, sondern wird auch immer deutlich in rechten Facebook-Gruppen.

Sachsen, steht auf!

Denn nun passiert ja auch noch folgendes: Die Sachsen werden zurecht gefragt, ob sie auf der Seite des Mobs stehen oder auf der Seite der Zivilgesellschaft. Ich selbst verurteile jedes pauschale „Sachsen-Bashing“. Und möchte auch keine Mauer um Sachsen. Ich wünsche mir aber, dass auch in Städten wie Dresden oder Chemnitz die Menschen aufstehen und sich nicht von Hooligans und Neo-Nazis das Bild ihrer Stadt kaputt machen lassen.

Rostock-Lichtenhagen oder Hoyerswerda können ein übles Lied davon singen. Jeder hat da sofort die Bilder im Kopf. Das Schlimmste an allem ist in der Tat, dass das Opfer instrumentalisiert wird. Es ist offenbar nicht mehr möglich, sowohl dieses Verbrechen, als auch die Menschenjagd zu verurteilen. Ständiges Derailing und umfassender Whataboutismus sind eine Freude für jeden an Argumentationslogik interessierten Facebook-Leser.

Auch hier wieder: Wir werden uns in einigen Jahren verwundert angucken und uns Fragen stellen lassen müssen.

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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