Stimmungsmache für die AfD: Der Erfolg im Osten, den es nicht gibt

Der Erfolg im Osten, den es nicht gibt

Gestern verbreiteten viele Medien diese Schlagzeilen, die sich auf eine aktuelle Emnid-Umfrage stützen (Mehr dazu), die der AfD im Osten einen Stimmenanteil von 24% bescheinigt. Die CDU kommt auf 22%, die Linke auf 16%. Doch ich erlebe ein déjà vu. Wurde die AfD nicht schon letzte Woche immer stärker im Osten? War sie nicht schon im April die stärkste Partei in den neuen Bundesländern? War sie das nicht schon im September 2018? Ein ununterbrochener Höhenflug etwa, könnte man meinen.

Falsch. Denn dass die AfD bei 24% steht ist keine Sensation. Sie wird zwar in dem Sinne „stärker“, dass sie sich im Vergleich zur letzten Woche um einen Prozentpunkt verbessert hat, aber „weiter“ zu legen ist Quatsch. Selbst einen Prozentpunkt Gewinn ist aufgrund der Fehlertoleranz faktisch nichtssagend, aber auch 24% sind doch kein Zuwachs für die AfD. Auffällig auch, dass die 23% bei Emnid letzte Woche diese Schlagzeilen produzierte, anstatt z.B. „AfD stagniert weiter im Osten“.



Déjà vu

Aber das haben wir alles doch schon gelesen, oder? Gefühlt jede Woche ist die AfD „im Osten die stärkste Partei“ oder „legt weiter zu“. Im April habe ich bereits einmal darüber geschrieben, dass einschlägige Medien darüber geschrieben haben, dass die AfD „jetzt die stärkste Partei im Osten“ sei. Ebenfalls laut Emnid kam die AfD im Osten bereits im April auf… 23 Prozent (Mehr dazu). Was ist da los? Aber lasst uns noch weiter zurückgehen. „AfD im Osten die Nummer eins“:

Klingt irgendwie bekannt, oder? Der Artikel ist vom 16. September 2018 beim MDR. In dieser Emnid-Umfrage hatte die AfD übrigens bereits 25% im Osten. Wenn wir statt Emnid mal Infratest dimap heranziehen, hatte die AfD am 6.9.2018 sogar 27% (!) im Osten. Zum Vergleich: Am 1. August aber nur 22% (Quelle). Alle Schlagzeilen sprechen seit einem ganzen Jahr wahlweise davon, dass die AfD „zulegt“ oder „die stärkste Partei“ sei. Aber letzteres ist sie konstant seit einem Jahr, vor allem wegen der Schwäche der CDU. Um im Vergleich zum Vorjahr hat sie sogar Wählerstimmen verloren, wenn man die Umfragen völlig ernst nimmt.

Warum keiner den Linksruck im Osten bemerkt hat – und den Niedergang der AfD

Woher kommt die Stimmungsmache für die AfD?

Ich will auf gar keinen Fall absichtliche Stimmungsmache für die AfD unterstellen, aber das ist definitiv der Effekt. Wahlumfragen beeinflussen nachweislich das Wahlverhalten. Solche Schlagzeilen hinterlassen bei mir zunächst immer den Eindruck, dass die Zustimmung zur AfD im Osten Deutschlands zunehme und sie Wähler*innen hinzugewinnen würde. Dass sie in einem Aufwärtstrend steckt. Dabei ist eher das Gegenteil der Fall. In allen Bundesländern, und auch im Osten, verliert die AfD Stimmen, oder zumindest stagniert sie. Jedes Mal, wenn ich das lese, muss ich mir die genaue Zahl anschauen, um zu erkennen, dass kein wirklicher Gewinn vorliegt.

Dafür gibt es verschiedene Gründe, die ich hier näher erklärt habe. Aber „die Medien“ haben nicht zwangsläufig eine rechte Agenda. Vom Erfolg der AfD zu berichten ist eben das „aufregendere“ Framing. Die Zeitungen werden mit Likes und Klicks aus der teilungsfreudigen rechten Blase belohnt, die die Schlagzeilen feiert – Obwohl es nicht wirklich Grund dazu gibt.

Und „die andere Seite“ teilt, um sich darüber zu ärgern. Dahinter weniger eine geheime rechte Agenda, sondern Wirtschaftlichkeit. Aber letztlich profitiert die AfD von so einer Darstellung. Sie ist technisch nicht falsch, denn am 4. August war die AfD im Osten wirklich mit 23% stärkste Kraft und am 11. hat sie einen Prozentpunkt hinzu gewonnen. Aber das ständige Bombardement mit diesen Schlagzeilen vermittelt einen völlig irreführenden Eindruck.

Der irreführende EIndruck

Solche Schlagzeilen verdecken aber die gravierenden Probleme, die die AfD hat. Sie stagniert seit einem Jahr in ganz Deutschland, ist von Flügelkämpfen und (Spenden-)Affären zerrissen. Sie ist dabei, von ihrem stärksten, faschistischen Flügel übernommen zu werden. Und sie kann mit ihren rechtsextremen Positionen und ununterbrochenen Lügen nicht mehr Menschen überzeugen. Wenn die CDU der Versuchung einer Koalition widersteht, kann dies sogar zu einer Überwachung durch den Verfassungsschutz und dem Ende der AfD führen.

So kann die CDU im Herbst den Untergang der AfD herbeiführen

Bleiben wir mal bei Infratest dimap. Wir sprechen bei der AfD von weiterer Zunahme, während sie von 27% auf 22% gefallen ist, aber die Grünen, die sich mehr als verdoppelt haben (!) werden nicht erwähnt?

Auch bei Emnid vom 16. September 2018 hatten die Grünen im Osten 7%, die AfD 25%. Am 29.09 sogar ebenfalls 27%. In der aktuellsten Umfrage jeweils 11% und 24%. So eine Berichterstattung erzählt eine Erfolgsgeschichte, die es gar nicht gibt und verschweigt hingegen eine andere. Natürlich sind Umfragen mit Vorsicht zu genießen. Aber das wird bei dieser Berichterstattung nicht gemacht. Und dann soll noch einmal jemand sagen, die „Mainstreammedien“ würden nur die Grünen bevorzugen.

Der Mythos der „grünen Mainstream-Medien“: AfD häufiger erwähnt als die Grünen

Artikelbild: Andrei Korzhyts, shutterstock.com

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So kann die CDU im Herbst den Untergang der AfD herbeiführen

Die letzte chance der AFD

Es klingt vielleicht etwas dramatisch, aber die Landtagswahlen im Osten diesen Herbst werden das Schicksal der AfD entscheiden. Die rechtsextreme Partei hat sich in eine Ecke manövriert, und das kann für die Demokratie gut oder sehr schlecht sein. Seit ihrer Gründung 2013 hat sich die AfD, die schon gleich zu Anfang mit rechtem Populismus Stimmen gewinnen wollte, immer weiter radikalisiert. Die Abgänge der Parteivorsitzenden Lucke (2015) und Petry (2017) markierten jeweils einen weiteren Rechtsruck.

Der Unwillen, den immer stärker werdenden faschistischen „Flügel“ abzustoßen, hat dazu geführt, dass dieser nach und nach die Partei übernommen hat. Manche Landesverbände sind vollends in seiner Gewalt, in anderen streiten Faschisten mit den Rechtspopulisten um die Vorherrschaft (Bayern zum Beispiel). Wer sich nicht hinter den Flügel stellt, wird langsam abgesägt, wie derzeit Meuthen (Quelle). Laut Gauland mache der „Flügel“ 40% der AfD aus. Während das keine Mehrheit ist, ist aber klar, dass es damit der stärkste Flügel ist, ohne den kaum etwas entschieden werden kann. Die restlichen 60% teilen sich nämlich drei andere Lager.

In der AfD wird es zum Bruch kommen müssen. Entweder setzen sich die noch demokratischen Rechtspopulisten durch und werfen die Faschisten heraus oder diese übernehmen die AfD. Dieser Bruch wird aber nicht vor den Landtagswahlen im Osten geschehen. Es hängt davon ab, wie sich die vom Flügel dominierten Landesverbände dort schlagen. Ob sie Erfolg haben oder nicht, ob sie an die Regierung kommen oder nicht, entscheidet über die Zukunft der AfD. Und der Bundesrepublik.



Die entscheidende Rolle des Verfassungsschutz

Die Gesamt AfD wird derzeit vom Verfassungsschutz „überprüft“. Die AfD, die von rechtsextremen Gruppen und Aktivisten anderer neonazistischer Parteien durchzogen ist, wie der Identitären Bewegung, NPD oder „Die Rechte“ ist insbesondere im Flügel eine faschistische Partei, die die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Republik bedroht. Der Flügel selbst wird bereits teilweise als „Verdachtsfall“ beobachtet.

Und hier liegt der Schlüssel: Solange die AfD von ihrem faschistischen Flügel dominiert wird und erst Recht, wenn dieser endgültig die Kontrolle übernimmt, muss die AfD vom Verfassungsschutz überwacht werden. Denn dann ist sie eindeutig eine Bedrohung für unsere Demokratie und muss mit allen Mitteln aufgehalten werden. Wenn das geschieht, wenn diese Feststellung quasi behördlich offiziell wird, wird sie mit einem Schlag ein Viertel ihrer Wähler verlieren. Endgültig wird sie geächtet und niemals wird sie die Macht übernehmen können, denn ihr Image einer bürgerlichen Partei wird entzaubert sein. Dann erkennt man sie lediglich als die NPD 2.0 an, die sie ist.

Das kann sie vermeiden, wenn sie den Flügel aus der Partei wirft. Dabei wird sie sich aber auch stark schwächen, deswegen möchten die Parteispitzen das bisher verhindern. Noch sind die Faschisten mehr Segen als Fluch. Möglich wird das nur, wenn die AfD bei den nächsten Landtagswahlen scheitert, wenn überhaupt. Doch was die AfD plant, ist die wahre Gefahr: Den Flügel behalten und dennoch nicht beobachtet werden. Das könnte leider passieren, wenn die AfD die Landtagswahlen gewinnt und dann sogar an die Regierung kommt.

Es hängt alles an der CDU

Denn auch wenn die AfD vollends von den Faschisten übernommen wird nach der Wahl, wenn sie an der Regierung ist, wird sie auf keinen Fall mehr überwacht werden. Denn dann kann sie selbst Einfluss auf die verfassungschützenden Organe nehmen und erhält durch die Regierungsbeteiligung genug Legitimation, dass dies eine Überwachung unmöglich macht. Auch wenn es nichts an den Tatsachen ändert, aber eine Regierungsbeteiligung schützt sie vor der Überwachung und der verdienten Ächtung. Im Gegenteil, es wäre ihre Legitimation. Und der Beweis, dass faschistische Positionen und Personen Erfolg haben können. Es wäre ein Dammbruch.

Wie Polenz (CDU) richtig sagt: Es hängt alles an den Konservativen. Wenn sie um der kurzfristigen Machterhaltung willen eine Koalition mit der AfD eingehen (wofür es Stimmen gibt), würde sie damit den Faschismus legitimieren. Denn trotz des Framings in den Medien wird die AfD im Osten nicht stärker. Bestenfalls stagniert sie seit zwei Jahren. Sie hat ihr Maximum ausgeschöpft an Wählern, die bereit sind, einer offen rechtsextremen Partei ihre Stimme zu geben. Lange kann die AfD diesen Zwiespalt nicht überdecken.

Warum keiner den Linksruck im Osten bemerkt hat – und den Niedergang der AfD

Wenn die CDU das erkennt und nicht selbst mit rechtsextremen Mythen und Einstellungen liebäugelt, kann sie ihren größten Konkurrenten im konservativen Lager mittelfristig gänzlich ausschalten. Oder ihn zumindest auf eine demokratische und weniger gefährliche Version herunterschrumpfen. Das Ziel ist nicht Ausgrenzung, sondern Abgrenzung. Die AfD darf nicht in die Position kommen, wo ihre faschistischen Gruppen die Organe kontrollieren können, die sie überwachen sollten.

Zusammenfassung

Solange die AfD nicht an eine Landesregierung gelangt bei den kommenden Landtagswahlen, kann der Aufstieg des Faschismus gestoppt werden. Und das kann alleine die CDU erreichen, indem sie der Versuchung widersteht, kurzfristige politische Gewinne zu erzielen. Denn letztlich würde es sie auch selbst zerstören. Wie eine Regierungsbeteiligung von Rechtsextremen abläuft, konnte man gut in Österreich sehen. Oder in den USA oder jetzt Großbritannien. So weit darf es in Deutschland nicht kommen.

Die AfD soll nicht ausgeschlossen werden, weil sie die AfD ist. Sondern weil sie faschistische Tendenzen und Flügel hat, die die Demokratie bedrohen. Sollte sie sich wirklich von diesen Gruppen und Ideologien trennen, kann sie ihren Platz unter den demokratischen Parteien einnehmen. Derzeit ist es, entgegen der eigenen Beteuerungen, allerdings offensichtlich nicht der Fall. Die CDU darf nicht schwach werden, oder dem Irrglauben anhängen, sie könnte eine AfD einhegen. Das wird sie nicht, denn die AfD spielt nicht nach demokratischen Regeln.

Deswegen ist es umso wichtiger, dass diejenigen, die demokratisch, aber nicht konservativ sind, trotz aller Meinungsverschiedenheiten eine Hand zu der CDU ausstrecken und ihr Möglichkeiten bieten, abseits der AfD konstruktiv zu arbeiten. Die CDU ist nicht unser Feind, sondern unserer Verbündeter, wenn es um den Faschismus geht. Bei aller berechtigten Kritik muss das immer deutlich bleiben. Denn dann können wir die AfD, beziehungsweise die sie dominierenden Faschisten besiegen.

Eine bessere Politik könnte allerdings auch helfen:

8 Dinge, die die Regierung tun könnte, um die AfD zu besiegen

Artikelbild: knipsdesign, shutterstock.com/ Screenshot twitter.com

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Guckt euch an, wie dumm die AfD und ihre Wähler sind!

Auch nicht dümmer als du.

In den letzten Tagen habe ich einige Artikel darüber verfasst, wie die AfD und andere Rechtsextreme und Rassisten gezielt mit selektiv ausgewählten Tragödien (Hier, Hier) und verdrehten, unzuverlässigen Statistiken (Hier, Hier) nicht beweisen, wie böse und gefährlich „Ausländer“ sind, sondern dass sie versuchen, rassistische Vorurteile vor sich selbst und anderen zu rechtfertigen. Doch Rassismus hat nie etwas mit Fakten (oder Anstand) zu tun. Dass die Reaktionen selten sachlich und inhaltlich waren, habe ich dann hier beschrieben:

Ich habe tagelang mit Rassisten diskutiert: 5 Dinge, die ich gelernt habe

In den Kommentaren erzählten viele über ihre Erfahrungen mit fruchtlosen Diskussionen mit Rassisten und solchen, die die rassistischen Erklärungsmuster von BILD, AfD und Co übernommen haben. Erklärungen seien sinnlos, diese Menschen seien einfach „dumm“. Auf die Frage, warum sie die Lücken in der Berichterstattung und die Fakten nicht erkennen können, ist die Binsenweisheit:

Aber das Problem ist nicht, dass AfD-Wähler dumm sind. Sie sind nicht dumm, das ist das Problem. Beziehungsweise ist „Dummheit“ als Konzept grundsätzlich problematisch und auch nicht Rechtsextremen vorbehalten. Natürlich lachen wir Fehler der AfD aus, wenn sie entlarven, dass sie ihrem propagierten Selbstbild widersprechen und ihre Lügen als solche entlarven. Aber „Dummheit“ führt nicht zu Rassismus und das wollten wir auch nie gesagt haben.



Das Problem mit „Dummheit“

Zuerst einmal ist diese Argumentation selbst eine Form der Diskriminierung. Umso peinlicher, wenn wir uns gegen jegliche Form der strukturellen Diskriminierung einsetzen und dann selbst so eine anwenden. Denn Menschen mit einem „niedrigen IQ“ oder Einschränkungen der mentalen Fähigkeiten oder sonst was sind nicht automatisch schlechte Menschen. Die werden nicht automatisch Rassisten. Das ist unfair und schert alle über einen Kamm.

Bildungsgrad hat auch nichts damit zu tun. Denn Bildung ist nicht das gleiche wie Intelligenz. Bildung ist auch nur ein Werkzeug, das darüber hinaus nicht allen gleich zur Verfügung gestellt wird. Menschen mit niedrigem Einkommen oder Migrationshintergrund werden systematisch in unserem Bildungssystem benachteiligt. Das macht sie nicht automatisch zu schlechteren Menschen und auch nicht zu Rassisten. Es ist sehr arrogant und elitär, andere Menschen einfach als „dumm“ abzustempeln.

Wenn jemand komplizierte Erklärungen nicht verstehen kann oder auf plumpe Propaganda herein fällt, weil er sie nicht hinterfragen kann, dann macht es sie nicht „dumm“. Denn wenn die „Problemanalyse“ hier beendet wäre, macht das jeden Dialog unmöglich, beleidigt das das Gegenüber und ignoriert die vielen „nicht Dummen“, die diese Erklärungsmuster ebenso verwenden. Nein, das Problem ist ein anderes.

Das Problem ist Weltanschauung

Wenn eine lesbische Frau, die mit ihrer Frau aus Sri Lanka und Kindern in der Schweiz lebte und eine Asylbewerberin als Putzkraft einstellte (Quelle), bei einer homophoben und rassistischen rechtsextremen Partei mithetzt, dann ist das wohl nur mit Opportunismus und Kalkül zu erklären. Denn dumm ist Frau Weidel sicher nicht, auch wenn einige ihrer Texte wirr und logisch unzusammenhängend sind. Denn die AfD funktioniert nicht über Logik, sondern über Framing und Emotionalisierung.

Wer darauf herein fällt, dem fehlt nicht die Fähigkeit, logisch zu argumentieren. Der ist nur von seiner Weltanschauung geblendet. Und das Problem finden wir nicht nur bei Rechtsextremen, sondern auch bei uns. Ohne ins Detail zu gehen: Was, wenn ich sage, dass wir bei Homöopathie, Glyphosat und Atomkraft auch mehr emotional reagieren als rational? Bist du schon verärgert? Das liegt daran, dass Menschen sich mit ihren Einstellungen identifizieren.

Und wenn jemand diese Einstellung angreift, fühlt man sich persönlich angegriffen. Das ist ganz normal. Dann wird ein Instinkt aktiviert, der um das Überleben kämpft. Anstatt ein Argument zu verteidigen, verteidigt man seine Existenz. Studien haben gezeigt, dass Themen, die politisch aufgeladen sind, zu emotionalen Reaktionen führen. Man verteidigt „seine“ politische Seite, seinen „Stamm“ vor den bösen Angreifern. Das hat dann mit Logik und Fakten weniger zu tun. Das machen wir alle, das mache auch ich.

Deswegen glauben Menschen Fake News

Je nach Filterblase und politischer Einstellung „fühlen“ sich unterschiedliche Dinge wahr an. AfD-Wähler glauben jede Fake Meldung über kriminelle Nichtdeutsche, weil es erstens in ihre Weltanschauung passt, dass diese dafür Schuld sind, dass Deutschland angeblich unsicher ist. Und anders herum habe ich auch zunächst die Geschichte der Frau geglaubt, die erzählt hatte, dass vor 50 Jahren ihre Tante von einem Bahnhofschubser getötet wurde. Aber bisher wurde dafür kein Beleg gefunden.

Das soll nicht heißen, dass diese Fälle vergleichbar sind. In der rechtsextremen Filterblase wird beispiellos gelogen, gehetzt und verdreht. So findet sich das auf der „anderen“ Seite überhaupt nicht. Eine Weltanschauung, die fundamental realitätsfern ist wie der Faschismus der AfD, braucht viel mehr Lügen und Falschdarstellungen, um aufrecht erhalten zu werden. Die Ausmaße sind überhaupt nicht vergleichbar. Faschismus schafft sich eine frei erfundene Parallelwelt. Aber die Mechanismen, Geschichten zu glauben, die die eigene Weltanschauung bestätigen, hat jeder.

Bei Aussagen und Statistiken, die uns bestätigen sind wir (leider) automatisch viel unkritischer und haben „blinde Flecke“. Außerdem ist es sehr schwer, zu zugeben, wenn man falsch liegt. Es ist meistens einfach, den anderen zu beleidigen oder ihm eine Lüge zu unterstellen. Oder zu sagen, er sei dumm. Versteht mich nicht falsch, Rassismus ist „dumm“. Rassismus ist falsch. Tönnies Aussagen waren rassistisch, weil sie auch falsch waren und diskriminiert haben, auch wenn Schalke das nicht so sieht.

Aber wenn wir jeden, der rassistische Erklärmuster verwendet als „dumm“ abstempeln, verlieren wir nicht nur die Möglichkeit zu einer Diskussion (was nicht heißt, dass sich immer eine Diskussion lohnt). Wir verlieren auch aus den Augen, warum Menschen zu solchen Erklärungen hingezogen werden. Und damit die Möglichkeit, dies zu verhindern.

Artikelbild: Kiryl Lis, shutterstock.com

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Kein „Grundschulverbot“: Wir regen uns über das Falsche bei Linnemann auf

Kein Grundschulverbot

Nicht erschrecken, denn ich werde den stellvertrenden Fraktionsvorsitzenden der Union, Carsten Linnemann, erst einmal etwas verteidigen. Heute wurde er breit für seine Aussage in einem Interview mit der Rheinischen Post kritisiert, dass er ein „Grundschulverbot“ für Kinder ohne Deutschkenntnisse fordere. Verschiedene Menschen mit Migrationshintergrund haben daraufhin erklärt, dass sie erst so Deutsch lernten, auch ein Gastbeitrag bei uns (Hier).

Auch aus der Politik gab es viel Kritik, auch aus der eigenen Partei. Die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Prien (CDU) bezeichnete es als „populistischen Unfug“ und Katja Kipping, Chefin der LINKE, warf ihm „Stimmenfang am rechten Rand vor.“ Und beide haben auch Recht. Aber wie der Kollege Gensing von der Tagesschau erklärt hat, hat er kein „Grundschulverbot“ gefordert. Es ist eine ähnliche mediale Überspitzung wie das „Schweinefleischverbot“ in den Leipziger Kitas, das es nie gab.

Nein, Linnemann hat vorgeschlagen, eventuell eine Vorschulpflicht einzuführen, um Kindern früher Deutsch beizubringen oder sie notfalls ein Jahr später einzuschulen. Und diese Forderung an sich ist geradezu harmlos, denn es ist in einigen Bundesländern schon durchaus so üblich. Also für Kinder mit schlechten Deutschkenntnissen allgemein, nicht nur Migranten. Dass Kinder begleitenden Förderunterricht erhalten oder ein Jahr zurückgestuft werden, ist teilweise Praxis und ist durchaus pädagogisch sinnvoll. Warum ausgerechnet dieser Teil zum Kern der Aufregung wurde, erschließt sich mir daher nicht. Denn fast alles andere ist wirklich problematisch.



Rechtspopulistischer stimmenfang

Erst einmal war alles andere um diese Aussage herum rechtspopulistischer Unsinn und hier trifft die Kritik durchaus zu. Sprich: Der Kontext. Er behauptet, 16% der Einschulkinder in Duisburg können kein Deutsch, dabei sind es 16% der Kinder, deren Erstsprache nicht deutsch ist. „Lauer und Wehner“ haben dazu ein paar Fakten gecheckt (Quelle). Wenn er die AfD-Talking Points aufzählt wie „Vorfälle in Freibädern, die Tat auf dem Frankfurt Bahnsteig, die Schwertattacke in Stuttgart“ und diese Dinge mit „Parallelgesellschaften“ und dann mit Grundschulkindern in Verbindung bringt ist das schwachsinniger Rassismus.

Denn nicht nur ist das Schwimmbad-Narrativ nicht nur ausgedachter Unsinn, der mit Fake News gestopft ist (Mehr dazu), was hat denn zum Beispiel der psychisch kranke Täter von Frankfurt, der mit seiner Familie seit 11 Jahren legal in der Schweiz lebte und bestens integriert war, mit „Parallelgesellschaften“ in Deutschland zu tun? Warum wiederholt Linnemann genau wie die AfD nur die Taten mit der Beteiligung Nichtdeutscher? Am gleichen Tag wie in Frankfurt starb ein Kind wegen eines Deutschen, am gleichen Tag wie Frankfurt wurde ebenfalls ein Mord durch einen Deutschen auf offener Straße begangen.

Durch das selektive Herauspicken und Instrumentalisieren nur dieser Straftaten entsteht erst jene „Sorge“, die Linnemann beklagt, mit welcher sich die CDU „profilieren“ könne. Wer Straftaten mit Integration und Grundschulkinder mit Gewalttaten in Verbindung bringt, spielt den Rechtsextremen in die Hände. Der bestätigt „Sorgen“, statt sie zu entkräftigen. Aber dennoch, es ist fast schon typisches, rechtspopulistisches Gefische der CDU und wäre per se auch nicht der große Aufreger. Mich interessiert viel mehr, was er davor im Interview gesagt hat.

„Ich bin […] davon überzeugt, dass sich die Union […] gegen eine CO2-Steuer aussprechen wird.“

Das da. Denn während unsere Zeit, die Klimakrise noch in Grenzen zu halten, immer weiter schrumpft und die Regierung weiterhin die Hände in den Schoß legt, erzählt Linnemann gefährlichen Unsinn über die Co2-Steuer. Denn nicht nur spielt er wieder einmal die Verantwortung Deutschlands für den Klimawandel herunter (Mehr dazu) und wirft ebenfalls Klimawandelleugner-Phrasen wie „Klimahysterie“ in den Raum und er leugnet den sinnvollsten Weg, um Emissionen zu senken.

Er spricht schon homöopathisch von „ganzheitlichen Konzepten und modernen Technologien“ und bleibt dabei lächerlich vage. Er behauptet, eine Co2-Steuer sei eine „Wette“, aber das ist Blödsinn. Denn eine Co2-Steuer beziffert einen monetären Wert für den bisher kostenlosen Schaden, den Emissionen verursachen. Natürlich sinken Emissionen, wenn klimaschädliche Produktionszweige wirtschaftlich unattraktiver werden, was redet er da für einen Unsinn? Der Emissionshandel hat nachweislich versagt, wenn wir hohe Zertifikatüberschüsse haben!

Der Satz ist die größte Frechheit: „Und dass dafür jeder Bürger eine entsprechende Entlastung erhalten wird, ist so wahrscheinlich wie die Deutsche Meisterschaft des SC Paderborn.“ Ähm, warum? Wenn die Regierung, also die Union, also Linnemann, eine Co2-Steuer dafür kritisiert, dass sie nicht mit Maßnahmen umgesetzt würde, die die entstandenen Einnahmen vor allem an einkommensschwache Haushalte rückverteilt (wie alle Vorschläge vorsehen), dann weil die Union diese nicht einbaut! Damit kritisiert er die Haltung seiner eigenen Partei. Es ist so unwahrscheinlich, weil es die Union nicht umsetzen würde. Was für eine Dreistigkeit!

Wir brauchen dringende Klimaschutzmaßnahmen jetzt

Es ist längst klar: Mit der Verpflichtung Deutschlands zur Einhaltung der Pariser Klimaziele brauchen wir nicht nur ein Klimaschutzgesetz, das einen rechtlichen und institutionellen Rahmen liefert, um massiv Emissionen zu senken, um die Klimaziele einzuhalten. Denn die bisher praktizierte Freiwilligkeit ist massiv gescheitert. Inbesondere wenn gleichzeitig immer noch Flugreisen (Quelle), fossile Brennstoffe (Quelle) und Massentierhaltung (Quelle) subventioniert werden.

Und zweitens brauchen wir einen (viel höheren!) Co2-Preis mit eingebauter Rückverteilung der Einnahmen an Haushalte und an besonders betroffene Gruppen wie Pendler und Mieter. Die (auch finanziellen) Schäden von Emissionen müssen in wirtschaftliche Berechnungen eingebaut werden und das bisherige System reicht dafür definitiv nicht aus. Linnemann verteidigt eine Politik, die weiter Stillstand fördert, die er mit Widerständen von sich selbst rechtfertigt, während er sinnvolle Maßnahmen als „Hysterie“ abtut. Absurd.

Und dafür sollten wir ihn kritisieren. Denn wenn er von dieser drohenden, gravierenden Fehlentscheidung der Union redet, die längst überfällige politische Maßnahmen weiter verzögert, lenkt er uns alle mit identitätspolitischem Rechtspopulismus ab. Die AfD lenkt uns alle mit kräftiger Unterstützung von BILD und Co von echter Politik ab und fantasiert ein Problem herbei, das in der Gestalt überhaupt nicht existiert, mit Forderungen, die das Problem nicht lösen würden. Und Linnemann facht dieses Hütchenspiel mit an. Wir regen uns über das Falsche auf.

Artikelbild: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

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Rassistische Heuchelei: Die toten Kinder, die der AfD egal sind

Warum wollt ihr dann diese ganzen kinder vergessen, Afd?

„Wider dem [sic] Vergessen: Gebt den Opfern einen Namen“ schreibt Alice Weidel auf ihrer Seite. Weidel, die in der Schweiz lebend faktisch den gleichen Aufenthaltsstatus hatte wie der psychisch kranke Täter von Frankfurt, behauptet, es sei böse Absicht, dass man den Namen des Achtjährigen nicht kenne. Man wolle angeblich den Jungen schnell wieder vergessen. Dass das ein bösartig bescheuerter Grund wäre, wird von ihren AnhängerInnen nicht als Indiz dafür gelesen, dass die Behauptung Unsinn ist, sondern als Beleg dafür, wie böse „die da oben“ sind. Herzlos, dass sie nicht dieses Kind erwähnen.

via Hooligans Gegen Satzbau

Aber der AfD ist der Name nicht wichtig. Ihr ist der Teil mit „Afrikaner“ wichtig. Das arme Kind ist ihr scheißegal. Und es kotzt mich so an, dass die arme Mutter nicht genug gelitten hat, sondern ihr Kind von Rassisten auch noch nach dem Tod missbraucht wird. Denn die AfD denkt sich gerne einmal einfach einen Namen aus und nimmt ein zufälliges, Jahre altes Foto aus dem Internet, um zu „trauern“. In welcher Welt soll das pietätvoll sein? Habt ihr schon mal daran gedacht, dass die Mutter vielleicht nicht will, dass der Name von euch missbraucht wird? Dass sie mit ihrem Schmerz alleine sein wollen könnte? Das ist nämlich der Fall. Ihr Recht auf Privatsphäre stehe über den Forderungen und Behauptungen von Rechtsextremen, welches eine „Missachtung der Eltern und Instrumentalisierung des Leids“ sei. (Quelle)

Falsches Foto & falscher Name: Das ist nicht der 8-jährige Junge von Frankfurt!



tote kinder, die der afd egal sind

Herzlos ist, wer den Namen eines toten Kindes nicht erwähnt? Dann ist die AfD herzlos. Der AfD sind tote Kinder völlig egal. Nur nicht, wenn sie von einem „Afrikaner“ umgebracht wurden. Nein, es ist keine Kritik an der „Willkommenskultur“, wie Frau Weidel direkt nach der Tat schrieb oder an Einwanderungs- oder Asylpolitik. Denn der Täter von Frankfurt lebte genau so legal in der Schweiz wie Frau Weidel selbst und reiste legal nach Deutschland. Er wurde hier auch nicht polizeilich gesucht, nicht einmal Grenzkontrollen hätten hier geholfen. Nein, es geht nur um die Hautfarbe.

Gleichzeitig wie zur schrecklichen Tat in Frankfurt starb der zweijährige Luis in Essen. Sein Vater sperrte ihn 17 Stunden ohne Getränke bei großer Hitze ins Zimmer. Sein Vater sitzt jetzt wegen Mordverdacht in Untersuchungshaft (Quelle). Warum trauert ihr nicht um Luis, Frau Weidel? Er hat sogar einen Namen, einen echten diesmal. Ist Luis euch egal? Anscheinend schon, denn es war ja nur ein Junge in einer deutschen Familie. Die AfD möchte das Gedenken an Opfer deutscher Täter verwehren.

Am gleichen Tag startete auch der Mordprozess gegen einen Vater, der aus Rache an seiner Exfreundin seinen acht Monate alten Sohn zu Tode geprügelt hat (Quelle). Keine geheuchelte Trauer? Was ist mit dem Familienvater, der Anfang Juli seine Frau und seinen ebenfalls Achtjährigen Sohn in Tiefenbronn getötet hat (Quelle)? Oder am Tag darauf in Dresden: Ein anderer Vater hat seine eigenen Kinder (2 und 5) getötet (Quelle). Keine Trauerbekundungen? Keine Betonung, dass „Deutsche Väter“ ihre Kinder umbringen? Im März hat eine 75-Jährige einen sieben Jahre alten Jungen erstochen (Quelle). Kein Einreiseverbot für Rentnerinnen aus der Schweiz? Wer wissen will, was die AfD sonst so für Kinder plant, dem lege ich die Pläne der AfD Sachsen nahe.

Ihr kotzt mich an!

Und euch soll ich nur eine Sekunde glauben, dass euch der Achtjährige von Frankfurt interessiert? Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, aber ihr berichtet nur von den Tätern, die in das Raster eures Feindbildes passen. Oder ihr behauptet einfach, es wären „eure“ Täter wie in Viersen, bei Magnitz, MünchenNotre DameMünsterBottrop und vielen anderen Fällen. Mit der Realität hat das nichts zu tun:

Links: Realität, Rechts: AfD-Auswahl Mehr dazu (PKS = Polizeiliche Kriminalstatistik)

Und nein, ihr könnt euch auch nicht damit herausreden, dass Deutschland „unsicherer“ geworden ist, denn das Gegenteil ist der Fall. Entgegen eurer täglichen Manipulation auf Social Media und euren Lügen ist Kriminalität auf einem neuesten Tiefstand. Und für alle weiteren Einwände dazu habe ich hier schon mal ausführlich was kommentiert (Mehr dazu). Und nein, diese Grafik zeigt auch keine „Fakten“, sondern viel verzerrte Statistik. Mehr dazu:

Bei Zuwanderern verzählt, bei Kriminalität verrechnet: Nicht nur Rechte stolpern über BKA-Statistik

Wo ist eure Vernunft?

Doch die AfD anzuklagen, weil sie Rassisten sind, wäre so, als würde man der LINKE vorwerfen, sie würden soziale Politik fordern. Es ist das Geschäftsmodell dieser rechtsextremen Partei. Doch was ist mit denen, die sich von dieser rassistischen Panikmache instrumentalisieren lassen? Es ist eine offensichtliche, wenn auch unangenehmen Wahrheit, dass man grausame Taten nicht immer verhindern kann. Diese gab es leider schon immer. Was es nicht gab ist eine Bombardierung mit jeder einzelnen Tat auf Social Media (Mehr dazu). Auch ich empfand die Tat als besonders grausam und furchtbar, natürlich. Meine Gefühle habe ich seinerzeit schon hier beschrieben.

Doch danach muss man feststellen: Es gab schon immer grausame Morde und es wird sie vermutlich auch immer geben. Das heißt nicht, dass diese Taten hingenommen werden sollen (wie es mir einige AfD-Anhänger wirklich so über deutsche Straftäter gesagt haben!), sondern dass die Täter bitte alle anhand ihrer Taten verurteilt werden und nicht, ob sie währenddessen die falsche Hautfarbe hatten. Wir sollen alles tun, um so etwas zu verhindern.

Zugang zu Waffen erschweren, stärkere Geschwindigkeitsbegrenzungen in Innenstädten, bessere psychische Betreuung und so weiter. Das alles senkt aber nur das Risiko, deswegen fallen die Straftaten ja seit langem. Aber verhindern kann man sowas wohl nie. „Grenzkontrollen“ hätten aber kein einziges der oben aufgezählten Kinder gerettet. Aber so einige Kinder auf der Flucht hierher sterben lassen. Es ist ja auch nicht eine Forderung, um solche Taten wie in Frankfurt zu verhindern. Solche Taten sollen die Rechtfertigung für diese AfD-Forderung sein.

Wann reagieren wir endlich wieder auf schreckliche Gewalttaten mit einem ehrlichen Interesse an den Opfern und sinnvollen Maßnahmen? Mit Trauer, ohne Instrumentalisierung? Wann verfallen wir nicht in sinnlosen Forderungen wie Seehofer sie vorgeschlagen hatte? Wann beweinen wir alle toten Kinder, und nicht nur die, die von denjenigen Opfer werden, die angeblich die falsche Hautfarbe haben?

Artikelbild: pixabay.com, CC0, Screenshot facebook.com

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Ich habe tagelang mit Rassisten diskutiert: 5 Dinge, die ich gelernt habe

5 Dinge, die ich im gespräch mit rassisten gelernt habe

Ok ich habe etwas gelogen. Ich habe nicht wirklich mit Rassisten diskutiert. Zumindest mit keinem einzelnen, denn das ist schier unmöglich. Wenn man alle Lügen, Anschuldigungen und Beleidigungen der Twitter-Trolle ignoriert, habe ich versucht, die „Argumente“ dahinter aufzugreifen und diese mit Zahlen und Fakten zu behandeln. Wenn du in Social Media sagst, dass du nicht Ausländer hasst, wirst du nämlich einfach nur von vier Dutzend Troll-Accounts beleidigt und angeschrien. Also habe ich mir quasi selbst daraus eine Diskussion gebastelt, wie sie ein Nicht-Troll führen könnte.

Kriminalität: Wie jedes Gespräch mit einem AfD-Wähler abläuft

Da könnt ihr alle Artikel lesen, die ich geschrieben hatte, die die ̶Ar̶̶g̶̶u̶̶m̶̶e̶̶n̶̶t̶̶e̶ Ausreden für Rassismus einmal beleuchten und zerlegen. Was an der Hetze einfach faktisch nicht stimmt und welche Behauptungen nur auf den ersten Blick sinnvoll sind und völlig auseinander fallen, wenn man einmal darüber nachdenkt. Aber so läuft eine Diskussion nicht *wirklich*, oder? Ich versuche jetzt zu erklären, warum.



1. Volksverpetzer sind nur unseriöse linksextreme hetzer

Ich habe ehrlich gesagt kein wirkliches „Argument“ gelesen, das sich damit beschäftigt hätte, was ich eigentlich geschrieben habe. Die meisten Trolle haben nichts davon gelesen, und erklären, dass man mich ohnehin nicht ernst nehmen müsse, weil ich „linksextrem“ oder „unseriös“ sei oder so. Ich finde es zwar überraschend, bereits links, geschweige denn extrem zu sein, weil ich finde, dass auch deutsche Straftäter verurteilt werden sollten, aber ich nehme an, dort, wo sie stehen, ist nach rechts auch kein Platz mehr. Allerdings ist Pizza bestellen manchmal schon linksextrem, also was weiß denn ich schon?

Kein Scherz: Für die Polizei in Leipzig Pizza zu bestellen ist linksextrem

Und unseriös? Naja, jeder Depp kann heutzutage einen Blog (oder Facebook-Account) aufmachen und reinschreiben, was er möchte. Was meint ihr, woher die ganzen Fake News kommen? Aber das gilt natürlich auch für mich. Ich mache auch Fehler und habe Vorurteile. Wie jeder von uns. Aber wenn man mich nicht dabei beleidigt, bedanke ich mich sogar dafür, wenn man mich darauf hinweist! Sachen gibt’s, ne? Aber Volksverpetzer ist kein Nachrichten-Blog. Sondern einer, der populäre Narrative, Argumente und Fake News analysiert, korrigiert und einordnet.

Wie gut oder richtig wir das machen, hätte ich gerne danach beurteilt gehabt, wie stichhaltig meine Argumente und Belege sind, nicht daran, ob wir der Meinung sind, dass Rechtsextreme scheiße sind, Menschen hassen und das mit Lügen und Hetze rechtfertigen wollen. Denn das ist halt so. Bis vor ein paar Jahren war das sogar allgemein anerkannt. Heute anscheinend nicht mehr so selbstverständlich. Kurz: Eine Haltung, die manche als „unseriös“ betiteln ist eigentlich eine Grundvoraussetzung für Demokraten.

2. Sie wollen dich beleidigen und zermürben

Ich habe es in der Vergangenheit schon öfter erwähnt, aber bitte, verschwendet eure Zeit nicht mit dem hundertsten Profil mit Namen wie „Geistiger Brandstifer“, „Patriot1818“, „VaterlandsverteidigerAH“ oder „Hans-Georg Maaßen“ und „Alice Weidel“ etc. Die nächste Plattitüde in den Replies, selten ohne Beleidigungen, Anschuldigungen, Hetze oder Falschbehauptungen, ist kein Anstoß zu einer Diskussion. Sondern Verbreitung von Propaganda, Einschüchterung und Übertönung anderer Meinungen.

Wer mit „Ihr seit Fake News!!1“ auf einen Artikel mit einem Dutzend Quellen antwortet, der will nur sein eigenes, fragiles Weltbild aufrecht erhalten. Im schlimmsten Fall aktiv eure Zeit verschwenden und euch zermürben. Ignorieren, Stummschalten, Blocken, wie ihr wollt. Ja, vielleicht gibt es wirklich ein paar, die einfach nur auf Nazi-Hetze hereingefallen sind. Aber ich kann und werde mich nicht den ganzen Tag Anschreien und Beleidigen lassen, weil ich vielleicht mal einen mit Argumenten erreichen könnte. Dafür habe ich die Artikel geschrieben, wo Jede/r die Argumente und Quellen nachlesen kann, wenn er möchte. Ansonsten verweise ich darauf:

Wie du reagieren kannst, wenn Freunde plötzlich Hetzer werden

3. Die „Argumente“ sind nur Platzhalter für Ausreden

Warum ich so „undifferenziert“ bin, und alle, die „nur auf die Fakten über Kriminalität hinweisen“, pauschal als Rassisten abstempel? Weil es nichts anderes sein kann. Weil ihre Argumente nie die Gleichen bleiben, wenn tatsächlich ein Schlagabtausch stattfindet. Zuerst heißt es, Deutschland sei so unsicher geworden oder „(fast) alle“ Straftaten würden von „Nichtdeutschen“ begangen werden. Was einfach faktisch 100% nicht stimmt. Das habe ich öfter durchgekaut. Deutschland ist so sicher wie seit 1992 nicht mehr (Quelle). Auch Morde und Totschlag sind auf neuem Tiefststand. Deutsche begehen nach wie vor mit Abstand die meisten Verbrechen, egal wie die AfD sich ihre Straftaten herauspickt (Quelle).

Aber dann geht es plötzlich gar nicht mehr um die allgemeine Sicherheit, sondern um die Proportionalität. Obwohl natürlich die Frage übrig bleibt, warum man sich unsicherer fühlen sollte, wenn zwar eine Gruppe öfter tatverdächtig wird, es aber weniger Opfer gibt. Ist es nicht egal, wer mich umbringt, solange die Wahrscheinlichkeit dazu sinkt? Ist Sterben durch Deutsche angenehmer? Natürlich ist es wichtig, herauszufinden, warum eine Gruppe überdurchschnittlich kriminell ist, um eventuell etwas gegen die Ursachen zu machen. Aber dann kommt man leider immer noch nicht bei „Abschiebungen“ heraus:

Abrechnung mit „Aber Nichtdeutsche sind überdurchschnittlich kriminell!“

Und dann heißt es plötzlich, jede Straftat hätte verhindert werden können, wenn „diese Leute“ gar nicht im Land wären. Hä? Werden jetzt also alle anderen Straftaten ignoriert, und alle 10 Millionen, unschuldigen und teilweise hier geborenen Menschen mit dem „falschen Pass“ sollen aus dem Land geworfen werden, weil ein paar Straftaten begehen, darunter auch Grenzpendler und Touristen (Mehr dazu)? Menschen ohne Aufenthaltserlaubnis, die straffällig werden, abschieben macht vielleicht noch ansatzweise Sinn. Aber das ist so eine winzig kleine Gruppe. Aber die meisten, die die AfD mit „Dunkelhäutiger“ bezeichnet, sind das gar nicht. Über wen reden sie dann?

4. Um wen geht es eigentlich? „Migranten“, „Flüchtlinge“, „Migrationshintergrund“? Nein, Hautfarbe.

Ein „Dunkelhäutiger“, also? Aha.

Beweis Nummer 2: Es geht einfach nur um „Dunkelhäutige“. Wenn die AfD von „Asylbetrügern“, „Ausländern“ und „Migranten“ spricht, dann ist das eine Chiffre für „Schwarze“. Der psychisch kranke Täter von Frankfurt lebte seit 2008 legal in der Schweiz und ist legal nach Deutschland gereist. Was haben Merkel oder das deutsche Asylrecht damit zu tun?

Nein, das Problem ist, dass er „Eritreer“ ist (psst… „schwarz“). Wenn es um „Asyl“ gehen würde oder um „Merkels Flüchtlingspolitik“, warum wird dann bei deutschen Tätern gefragt, welchen Vornamen sie haben? Warum werden Straftaten von Menschen mit Migrationshintergrund hergenommen, wenn das aber 4,3 Millionen EU-Ausländer, 2,8 aus dem sonstigen Europa und 2 Millionen aus Asien sind? Meine Güte, da zähle sogar ich, als weißer, blonder, blauäugiger, hier geborener Deutscher Staatsbürger mit deutschen Eltern und Großeltern dazu. Wirklich:

Migrationshintergrund: Ich bin der Beweis, dass die AfD nur rassistischen Unsinn redet

Die AfD behauptet, sie könne nicht rassistisch sein, weil in ihrer Partei doch selbst Migranten oder sogar Flüchtlinge seien. Petry Bystron ist Flüchtling aus der Tschechoslowakei, Markus Frohnmeier aus Rumänien und so weiter (Mehr dazu). Falls sie Straftaten begehen würden, würden diese aber in der Statistik für AfD-Propaganda missbraucht werden. Die Sache ist ja die, dass es gar nicht wirklich um Asyl oder Migration geht. Sondern halt einfach nur um Hautfarbe. Man nimmt gerne die Statistiken und Einzelfälle her, wenn man damit vermeintlich etwas „beweisen“ kann, aber am Ende geht es nur um Rassismus.

5. Mit Rassisten zu diskutieren ist sinnlos

Deshalb kann und werde ich weiter die „Argumente“ aufzählen, zerlegen und analysieren. Weil ich das kann. Aber die AfD verbreitet einfach eine völlig falsche Grafik mit unbrauchbaren und nicht vergleichbaren Daten und natürlich können wir alle Fehler daran erklären, wie mein Kollege Tobias Wilke das gestern gemacht hat.

Bei Zuwanderern verzählt, bei Kriminalität verrechnet: Nicht nur Rechte stolpern über BKA-Statistik

Aber das interessiert die AfD nicht. Das ist vielleicht auch zu kompliziert. Wie viele Talkshows und Bundestagsreden müssen wir noch sehen, um zu lernen, dass die AfD mit ihrer Außenkommunikation nie mit ihren politischen Gegnern spricht, sondern eine Show für die Wähler*innen abliefert, die anfällig für die Rechtfertigungen für rassistische Einstellungen sind? Gebt ihnen keine Plattform. Wenn sie ernste Argumente haben, können Sie diese ja auch ohne Lügen und Hetze vortragen. Wer hetzt und lügt, kriegt kein Mikrofon vor die Nase, egal ob er ein Twitter-Troll ist oder ein Bundestagsabgeordneter.

So geht das! „Tagesspiegel“ weist hetzenden AfD-Politiker genial zurecht

Was sollen sie machen? „Lügenpresse“ schreien, uns beleidigen, behaupten, wir leben in einer Diktatur, sich ihre eigene Welt aus Lügen und Hass zusammenstellen und Selbstjustiz betreiben? Oh, das machen sie alles auch so schon und wir geben ihnen die Möglichkeit, mit ihren Lügen und einfachen, aber falschen Erklärungen mehr Menschen zu erreichen? Wir müssen ganz schön blöd sein.

Also nein, ich habe nicht wirklich mit Rassisten diskutiert. Denn das können und wollen sie auch gar nicht. Aber vielleicht ist jetzt klar geworden, dass „Abschieben“ einfach keine Universallösung für alle Probleme ist. Hey, in zehn bist zwölf Jahren ist es zu spät, die Welt vor der Klimakatastrophe zu retten. Wohin schieben wir die Emissionen ab?

Artikelbild: Cold Berry, shutterstock.com

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Die verrückteste „Lösung“, die Rassisten gegen Kriminalität vorschlagen

„importierte gewalt“? Euer ernst?!

Es sind keine neuen Narrative, sondern die Propaganda von vielen Jahren, aber derzeit kochen sie wieder besonders extrem hoch. Hetze gegen „kriminelle Ausländer“. In den letzten Tagen habe ich nach und nach jede Falschdarstellung von AfD und Co zerlegt. Und bekam immer neue Ausflüchte zu hören, warum denn die Rassisten doch irgendwie Recht haben sollten.

In der Welt der AfD ist Deutschland plötzlich (seit 2015) quasi zu einem Bürgerkriegsland geworden und versinkt in Kriminalität. Schuld daran seien „Flüchtlinge“ und „Ausländer“. Und Menschen mit Migrationshintergrund zählen auch dazu. Zuerst muss man diesen Mythos und diese Falschbehauptung aus der Welt schaffen. Denn nicht nur ist das Zusammenwerfen dieser Begriffe völlig unlogisch und letztlich nichtssagend (Mehr dazu), Deutschland ist darüber hinaus auch so sicher wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr, das bestätigt auch die Polizei, die eine Erklärung hat, warum viele Menschen das nicht so empfinden.

Die Zerstörung vom „Es ist alles so unsicher geworden“-Mythos

Danach flüchten sich die Rassismus-Apologeten in einen Trick aus der Statistik. Denn wenn man die Straftaten, die von Nichtdeutschen begangen werden, in Proportion zu den in Deutschland lebenden Nichtdeutschen setzt, sind diese scheinbar überproportional kriminell. Warum das eigentlich ein krasser Denkfehler ist und daher gar keine Aussagekraft besitzt, habe ich hier erklärt:

Abrechnung mit „Aber Nichtdeutsche sind überdurchschnittlich kriminell!“



Dann kommt der blanke rassismus

Der buchstäblich letzte Logiksprung wird an dieser Stelle dann versucht, indem das Totschlagargument kommt: „Ihr könnt nicht leugnen, dass alle diese Straftaten nicht geschehen wären, wenn diese Menschen nicht im Land gewesen wären.“ Das ist nicht nur rassistisch, das ist schon faschistisch. Ich meine auf den ersten Blick – Ja, stimmt. Aber nach der Logik könnte ich sagen: Wären alle Deutschen, die später mal einen Menschen umbringen, gar nicht erst geboren worden, hätten sie niemanden umbringen können.

Logisch? Ja. Sinnvoll oder pragmatisch? Auf keinen Fall. Was wollen diese Personen damit sagen? Dass wir mit einem Schlag 10 Millionen Menschen ohne deutschen Pass aus dem Land werfen sollen? Menschen, die teilweise hier geboren sind? Wohlgemerkt darunter 4,3 Millionen EU-Ausländer, 2,8 aus dem sonstigen Europa, 2 Millionen aus Asien. Dürfen nie wieder Touristen, Diplomaten, Geschäftsreisende ins Land?

Natürlich meint das niemand, aber wie sollte man sonst Straftaten von Nichtdeutschen verhindern? Alle sterilisieren lassen? In Lager stecken? Ich hoffe, an der Stelle habe ich wieder daran erinnert, wer das letzte Mal so argumentiert hat und dieses Denken zu seinem logischen Ende führen wollte. Außerdem sind 98% dieser Menschen niemals irgendwie straffällig geworden. Was können die dafür, dass irgendwelche andere Menschen Straftaten begehen? Selbst wenn sie oder ihre Eltern einmal aus dem gleichen Land kamen? Das sind schon die gleichen Leute, die behaupten, sie wären für die Taten ihrer Großväter nicht verantwortlich?

Und… was machen wir dann mit den deutschen straftätern?

Ich meine gebt euch mal diese Argumentation! Man will Millionen Unschuldige abschieben? Und wenn ihr nur die abschieben wollt, die straffällig werden… wie soll man im Nachhinein dadurch ihre Taten verhindern? Habt ihr auch nur eine Sekunde darüber nachgedacht, was diese schwachsinnige Aussage bedeutet? Ihr nennt es „importierte“ Gewalt. Importiert? Sind Menschen jetzt Ware? Hat die jemand bestellt? Was redet ihr da?! Wenn ihr ehrlich nichts mit faschistischem Denken zu tun haben wollt, solltet ihr dieses Denken schnell aus euren Köpfen streichen.

Vor allem heißt das doch (manchmal sogar wörtlich), dass die Straftaten und Morde von Deutschen egal sind. Ich habe mehrmals gelesen, dass man dagegen halt nichts machen könne und sie akzeptieren müsse. Ja, und die Leute werfen mir vor, ich würde Straftaten verharmlosen. Wir sollen also 10 Millionen Unschuldige aus dem Land werfen, nur um einen Bruchteil an potentiellen Straftaten zu verhindern? Und währenddessen den Großteil aller Straftaten ignorieren. Seid ihr alle noch bei Trost?

Ihr müsst doch merken, wie verrückt das ist. Wenn ihr euch wirklich mit Kriminalität beschäftigen würdet und mal die AfD in Ruhe plärren lassen würdet, könntet ihr vielleicht echte, sinnvolle Lösungen überlegen, wie man die (ohnehin schon historisch niedrige!) Kriminalität weiter senken könnte. Grenzkontrollen helfen überhaupt nicht. Der Täter von Frankfurt beispielsweise ist legal eingereist und wäre auch bei Grenzkontrollen nicht aufgehalten worden. Ja, Seehofers Vorschlag ist heiße Luft.

Purer rassismus

Diese ganzen Debatten über Kriminalität, das Instrumentalisieren von Opfern, von Statistiken, die Lügen und die Hetze sind völlig sinnlos, weil am Ende einfach nur rauskommt, dass es nur um Rassismus geht. Sie suchen Gründe, um Dunkelhäutige zu hassen. Vielleicht versteht ihr jetzt, warum die Herkunft der Täter wirklich egal ist. Wenn ihr nicht direkt das Dritte Reich wieder aufbaut und alle ohne Arierausweis in KZs steckt ist euer „importierte Gewalt“-Gelaber auch nur heiße Luft. In jedem Fall ist es Faschismus, tut mir leid, was soll es denn sonst sein? Na gut, manche in der AfD fordern das halt wirklich.

Also, seid ihr buchstäblich Nazis? Oder können wir endlich diese schreckliche „Diskussion“ beenden und nicht mehr jede herausgepickte Straftat eines Nichtdeutschen instrumentalisieren? Nicht mehr mit Statistiken Augenwischerei betreiben? Könnt ihr eure Morddrohungen, Hetze und euer Nazi-Gerede von „importierter Gewalt“ wegstecken und vielleicht um alle Opfern trauern und nicht nur um diejenigen, deren Täter die falsche (oder richtige) Hautfarbe hat?

Artikelbild: Vulp, shutterstock.com

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Abrechnung mit „Aber Nichtdeutsche sind überdurchschnittlich kriminell!“

Sind Nichtdeutsche überdurchschnittlich kriminell?

Wer diese Tage über Kriminalität spricht, erwähnt meistens Flüchtlinge, Nichtdeutsche oder Menschen mit Migrationshintergrund. Dabei wird immer wieder mit einer aktuelles Tragödie argumentiert oder manchmal auch eine Statistik hergenommen. Es ist wichtig zu wissen, dass diese Menschen beliebig zwischen den drei Einteilungen „Flüchtling“, „Nichtdeutscher“ und „Migrationshintergrund“ hin- und herwechseln. Obwohl das völlig unterschiedliche Dinge sind. Manchmal werden sogar alle zu „illegalen Flüchtlingen gemacht.

Weil es natürlich nicht um diese Einteilungen geht, sondern nur um Rassismus. Es geht um Hautfarbe. Denn sie meinen nicht Russlanddeutsche, sie meinen nicht Europäer, die hier wohnen. Sie meinen nicht amerikanische Touristen. Sie meinen nicht weiße, christliche Flüchtlinge. Denn sie meinen Dunkelhäutige Menschen. Die AfD versteckt das nicht einmal mehr:

Alle aktuellen Fälle, in denen ein Nichtdeutscher eine schreckliche Tat begangen hat, werden herausgepickt und nur diese. Dann wird Empörung und Trauer geheuchelt und Merkel ist Schuld. Alle Taten von Deutschen werden verschwiegen. Mit diesen plastischen Einzelfällen macht man dann Stimmung. Das habe ich heute morgen entlarvt, denn in den letzten zwei Tagen gab es viele Getötete (Hier).

Dazu erzählen sie einem, dass man „sich nicht mehr auf die Straße traue“, weil Deutschland angeblich so unsicher geworden ist. Natürlich wegen der „Dunkelhäutigen“. Dann kann man diesen Mythos schön mit Zahlen entlarven, wie ich es vor kurzem gemacht habe (Hier). Denn Deutschland ist so sicher wie seit 1992 nicht mehr. Auch die Zahl der Tötungsdelikte ist weiter zurückgegangen. Dann müssen sie nach weiteren Rechtfertigungen für Rassismus suchen.



Die proportionalität!

Weil Straftaten in den Polizeistatistiken natürlich nicht nach Hautfarbe aufgeführt werden, müssen sie für diese Rechtfertigung auf zwei Kategorien zurückgreifen. „Nichtdeutsche“ und „Zuwanderer“ (gemeint ist damit in der Statistik anerkannte Schutzsuchenden, Asylbewerber, Menschen mit subsidären Schutz und abgelehnte Asylbewerber, mehr dazu später) Fangen wir mit den „Nichtdeutschen“ an. Da hat uns der Tagesspiegel einen Bärendienst auferlegt.

Der hat die Milchmädchenrechnung gemacht, dass 11,5% der Menschen mit Wohnsitz in Deutschland für 34,5% aller Tatverdächtigen verantwortlich seien. Für Rassisten endet die „Diskussion“ damit hier. Glück gehabt, Deutschland ist zwar nicht unsicherer, es werden nicht mehr Tötungsdelikte begangen, aber die „Ausländer“ sind im Schnitt krimineller, also hatte man mit seinem Rassismus Recht! Doch das ist auch Blödsinn. Denn es gibt nun mal auch viel mehr Nichtdeutsche als Deutsche, nicht? Also, auf der Welt.

Das klingt jetzt erstmal bescheuert, aber es gibt einen guten Grund, warum das BKA mit voller Absicht, nicht die „Tatverdächtigenbelastungszahlen“ für Nichtdeutsche berechnet. Weil sie nicht ermitteln können, wie viele der Nichtdeutschen, die in Deutschland Straftaten begangen haben Touristen, Geschäftsreisende, Besucher, Grenzpendler, Diplomaten, Stationierte usw sind oder sich hier unerlaubt aufhalten.

Das ist beispielsweise für den Täter von Frankfurt sehr relevant, weil dieser als Beispiel aufgezählt wird. Dabei ist er weder illegal nach Deutschland gereist, noch hier anerkannter Flüchtling, sondern in der Schweiz, noch in Deutschland sesshaft, hat aber seine Tat hier begangen. Er fließt in die Statistik ein, gehört aber nicht zu den „hier lebenden Ausländern“. (Danke an Tobias Wilke!)

Die meisten Nichtdeutschen Ausländer sind Europäer

Es gibt in Deutschland sogar 1,5 Millionen Nichtdeutsche OHNE Migrationshintergrund. Von den knapp 10 Millionen in Deutschland lebenden Nichtdeutschen sind 4,3 Millionen EU-Ausländer, 2,8 aus dem sonstigen Europa, 2 Millionen aus Asien. Aber komischerweise werden alle deren Straftaten nur bestimmten Personengruppen zugeschoben. „Dunkelhäutigen“.

„Migrationshintergrund“ ist auch Blödsinn, dazu habe hier mal mehr geschrieben. Du könntest auch darauf hinweisen, dass in Österreich Deutsche weniger als 2% der Bevölkerung ausmachen, aber dafür 4% aller Tatverdächtigen ausmachen. Oh, neigen Deutsche vermehrt zu Kriminalität? Das gleiche Spiel kannst du zum Beispiel mit allen Berlinern spielen. Die sind im Schnitt auch krimineller. Was ist damit bewiesen?

91 Getötete, 607 Vergewaltigungen und sie sind überdurchschnittlich kriminell!

Dann kommen wir mal zu den „Zuwanderern“, zu denen hat das BKA auch die Tatverdächtigen extra ausweist. Deren absolute Zahl an Straftaten ist zwar gesunken, aber sie sind „überdurchschnittlich“ kriminell! Warum das erstmal nichts heißt, habe ich schon erklärt. Aber hier vergleicht man auch Äpfel mit Birnen. Denn nicht Hautfarbe ist für die Anfälligkeit zur Kriminalität entscheidend. Sondern der Penis.

AM KRIMINELLSTEN SIND IMMER JUNGE MÄNNER OHNE PERSPEKTIVE

Wie kriminell ein Mensch ist, hängt nicht damit zusammen, was er für eine Hautfarbe hat. Was nachweislich für Kriminalität relevant ist, sind nun mal das Geschlecht, sprich: Männlichkeit (75% aller Tatverdächtigen der PKS, bei Gewaltkriminalität sogar 86 Prozent und bei Vergewaltigung fast 99 Prozent!), Alter und soziale Situation (ob du arm bist, Arbeit hast, soziale Perspektiven, etc.).

Und demzufolge müssen „Zuwanderer“ rein statistisch gesehen schon krimineller sein, weil ihr Anteil an sozial schlechter gestellten Männern zwischen 20 und 40 größer ist als in der durchschnittlichen deutschen Bevölkerung12% der Deutschen sind zwischen 20 und 40 und männlich. Bei Asylbewerbern liegt der Anteil an Männern im Alter zwischen 18 und 40 bei 30,8%. Unter den Deutschen ist jeder 5. Rentner, bei Asylbewerbern sind es gerade mal 1%. (Stand: 08/17; Deswegen sind übrigens tatsächlich nur weniger als 1/3 der Asylbewerber „junge Männer“, mehr dazu).

Was der dritte der drei stärksten Faktoren ist, die zu Kriminalität führen, ist soziale Stellung und Perspektive: Armut, unsichere Zukunftsaussichten und Perspektivlosigkeit. Asylsuchende haben eine von Krieg verwüstete Heimat verlassen, und dürfen nach der langen Reise nach Europa erst einmal in einem engen Asylbewerberheim unterkommen, zunächst nicht arbeiten und wissen nicht, was mit ihnen passieren wird. Deswegen fällt die Anzahl der Tatverdächtigen, sobald sie Asyl bekommen auf nur 1,9%! Damit sind sie sogar weniger kriminell als Deutsche!

(10.511 Tatverdächtige von 550.411 International/national Schutzberechtigten und Asylberechtigten) 

DEUTSCHE MIT ÄHNLICHEM GESCHLECHT, ALTER UND SOZIALER STELLUNG SIND GENAU SO KRIMINELL

Wie man sieht, werden hier also Äpfel mit Birnen verglichen, denn wenn man die Faktoren Alter, Geschlecht und soziale Perspektive herausrechnet, gleicht sie sich den Deutschen an. Das BKA schreibt dies selbst:

„Diese Ergebnisse dürften „nicht mit der tatsächlichen Kriminalitätsentwicklung gleichgesetzt werden. Sie lassen auch keine vergleichende Bewertung der Kriminalitätsbelastung von Deutschen und Nichtdeutschen zu. Einem wertenden Vergleich zwischen der deutschen Wohnbevölkerung und den sich in Deutschland aufhaltenden Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit stehen (auch) das doppelte Dunkelfeld in der Bevölkerungs- und in der Kriminalstatistik sowie der hohe Anteil ausländerspezifischer Delikte und die Unterschiede in der Alters-, Geschlechts- und Sozialstruktur entgegen.“

Und nur um es nicht ausgelassen zu haben: Es handelt sich um Tatverdächtige, nicht um Täter. Da nur 57,1%  aller Straftaten aufgeklärt worden sind, wissen wir bei etwas weniger als der Hälfte aller dieser Fälle nicht, ob der jeweilige Tatverdächtige auch der Täter war, weswegen wir vorsichtig mit diesen Zahlen sein müssen. Insbesondere da eben aufgrund rassistischer Vorurteile nachgewiesener Maßen Ausländer häufiger angezeigt und verdächtigt werden.

Und kommen wir zum letzten verzweifelten versuch, den Rassismus zu verteidigen

An diesem Punkt angekommen wird der letzte Versuch unternommen, den Rassismus und die Vorurteile zu verteidigen: Wären diese Menschen gar nicht erst in Deutschland, wären diese Straftaten gar nicht erst passiert. Deutschland soll deswegen seine Grenzen schließen und sich am besten vollkommen hermetisch abriegeln, damit wir uns in Ruhe selbst gegenseitig umbringen können, ohne dass „Nichtdeutsche“ daran beteiligt sind. Ich habe offensichtlich hier übertrieben, um die Absurdität aufzuzeigen. Leider ist das eine reale Argumentation.

Nach der Logik sind alle Nichtdeutschen und Flüchtlingen nur erlaubt, wenn kein einziger von ihnen jemals eine Straftat verübt. Dass überschlagen 98% aller Menschen, egal welcher Hautfarbe und Nationalität in Deutschland heutzutage nie tatverdächtig werden, spielt keine Rolle. ALLE Nichtdeutschen und Flüchtlinge müssen das Land verlassen, weil einige von ihnen Straftaten begehen könnten. Dass das absurd ist, muss man sich nicht extra ausmalen. Aber es ist auch die absurde Unterstellung, dass Morde von Deutschen anscheinend kein Problem sind, gegen welches man etwas unternehmen müsste, oder?

Deutsche begehen immer noch die meisten Morde, Vergewaltigungen und Straftaten allgemein. Wenn man am Wohlergehen aller Menschen interessiert ist, sollte man doch dafür sorgen, dass so wenig Menschen wie möglich Opfer werden. Und warum sollte man sich da auf die Gruppe konzentrieren, die die weniger Straftaten begeht? Warum keine Lösungen suchen, die die wirklichen Ursachen bekämpft? Warum tut die AfD nichts gegen deutsche Mörder?

unrealistische lösungen

„Abschiebungen“ rufen und auf die „Willkommenskultur“ zu schimpfen ist nicht die Lösung, um die Straftaten zu verringern. Sondern die Straftaten sind die vermeintliche Rechtfertigung für diese rassistischen Forderungen. Denn wenn wir natürlich alle Nichtdeutschen und mit Migrationshintergrund aus dem Land werfen würden (Ich will ja keine Nazi-Keule bringen, aber was hat Hitler nochmal versucht? Wofür war der Arierausweis gut?), verüben Deutsche immer noch Straftaten. Wie will man die verringern? Nach der Logik könnte man das Kinderkriegen verbieten, weil es potentielle Mörder werden könnten. Wer sich um Sicherheit sorgt und deutsche Straftäter verschweigt, lügt.

Tatsächlich führt Familiennachzug und Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis für Asylsuchende dazu, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sie straffällig werden, drastisch sinkt. Wer Familie hat, treibt sich nicht so oft in alkoholisierten Männergruppen herum. Wer arbeitet, kann sich integrieren und muss nicht Stehlen. Mehr Plätze in Psychiatrien und Betreuung von psychischen Krankheiten könnte nicht nur nichtdeutsche Täter verhindern, sondern alle Täter, die deswegen zu Gewalt neigen.

Warum hört man von denen, die angeblich nur um die Opfer von Nichtdeutschen trauern, nicht solche Lösungen? Warum spricht die AfD nie von deutschen Mördern oder Tatverdächtigen?

Links: Realität, Rechts: AfD-Auswahl Mehr dazu (PKS = Polizeiliche Kriminalstatistik)

Weil es überhaupt nicht um Sicherheit geht. Kann es auch gar nicht, wenn alle Straftaten auf historischem Tiefstand sind und auch Mord und Totschlag weiter zurückgegangen sind. Ja, Nichtdeutsche sind überdurchschnittlich kriminell. Berliner auch. Junge, perspektivlose Männer begehen die meisten Straftaten, egal welche Hautfarbe sie haben. Damit ist auch nichts bewiesen. Außer, dass es Menschen gibt, die um jeden Preis versuchen, ihre rassistische Politik zu rechtfertigen.

Artikelbild: Aaron Amat, shutterstock.com

Da du diesen Artikel zu Ende gelesen hast: Möchtest du mehr Recherchen und Analysen zu den Hintergründen von politischen Mythen und Fake News? Oder auch Kommentare zu politischen Forderungen und aktuellen Ereignissen? Dann unterstütze unsere Arbeit mit einer kleinen Spende für einen Kaffee, dazu kannst du einfach hier entlangschauen. Vielleicht hast du auch Fragen oder Artikelwünsche? Dann schreib uns auf redaktion@volksverpetzer oder auf Facebook oder Twitter




Rassistische Hetze: Wo sind die empörten Wutbürger zum Mord in Kassel?

STuttgart Skandal, Kassel egal

Frau Weidel findet „kaum noch Worte“ (Naja genug, um die „Willkommenskultur“ zu beschuldigen), die BILD macht mehrere Bild-Plus Geschichten mit Ausschnitten aus dem Video der Mordtat („Das ist der Schwertmörder von Stuttgart“). Über die Kommentarspalten zu jedem Bericht über Stuttgart brauchen wir gar nicht erst reden. Ein 28-jähriger hat in Stuttgart seinen ehemaligen Mitbewohner brutal mit einem Schwert ermordet (Quelle). Ihr habt es sicher mitbekommen. Der Hashtag #Stuttgart trendete, viele teilten ein Video der brutalen Tat – was übrigens strafbar ist.

Es ist natürlich eine schreckliche Tat (Polizeisprecher: „außergewöhnlich und entsetzlich“) und durch nichts zu entschuldigen. Die Polizei geht von einem persönlichen Motiv aus und der Täter bekommt hoffentlich seine gerechte Strafe, auch wenn so eine Tat natürlich niemals rückgängig gemacht werden kann. Aber Mitleid oder Mitgefühl haben die AfD und Co mit dem Opfer nicht. Es ist nur Heuchelei. Sie interessiert sich kein bisschen für die Sicherheit oder für das Opfer. Warum? Weil im Gegensatz zu diesem Fall das arme Opfer von Kassel gestern mit keinem Wort erwähnt wurde. Die BILD hatte einen einzigen Artikel (im Gegensatz zu vier zu Stuttgart), die AfD erwähnte den Fall gar nicht.



Weil der täter ein deutscher war

Die AfD schreibt auf Twitter: „Deutschland kommt nicht zur Ruhe, erneut gibt es einen Mord in aller Öffentlichkeit.“ Es gab sogar zwei. Aber das ist weniger interessant, nicht? In Kassel wurde in der Nacht zum Donnerstag ein Mann auf offener Straße erschossen (Quelle). Täter und Opfer kannten sich ebenfalls beide. Kein Hashtag? Keine wütenden Hetzschreiber? Frau Merkel nicht Schuld? Achso, der Täter war ja nur ein Deutscher. Und in Stuttgart war es wohl ein Syrer. Aber das gilt für alle Medien. Hier wie viel über die Fälle jeweils berichtet wurde:

Google Trends zeigen das gleiche Bild:

Und das ist noch nicht alles. Am Mittwochabend wurde eine Frau in Jübeck mutmaßlich von einem 62-jährigen erstochen (Quelle). Und in Hamm hat ein Ehemann seine Frau umgebracht (Quelle). War beides der BILD nicht einmal einen Artikel wert. Und noch ein Fall:

Ich nehme an, die meisten haben von den letzten Fällen nicht gehört. Natürlich ist jeder Mord schrecklich und zu bedauern. Aber die Hetzer interessieren sich nicht für Tote, wenn wenn man damit nicht seinen eigenen Rassismus rechtfertigen kann. 2018 gab es jeden Tag fast 10 versuchte oder vollendete Tötungsdelikte. Wenn man sich nur die Taten von Nichtdeutschen heraussucht, bekommt man seine Meldungen aber natürlich auch voll. Und das ist keine Unterstellung, sondern buchstäblich das, was die AfD macht.

Links: Realität, Rechts: AfD-Auswahl Mehr dazu

Wir haben eure Hetze so satt!

Deutschland ist nicht unsicherer geworden. Tatsächlich ist Deutschland so sicher wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr (Mehr dazu). Keiner behauptet, dass keine schrecklichen Taten stattfinden. Keiner behauptet, dass nicht auch Flüchtlinge oder Nichtdeutsche psychisch kranke Mörder oder Arschlöcher sein können. Aber wer so tut, als würden nur ihre Schreckenstaten eine Rolle spielen, der spuckt auf alle Toten, die das „Pech“ hatten, „nur“ von einem Deutschen getötet zu werden. Völlig egal, dass das sogar die absolute Mehrheit ist.

Wenn du erstochen wirst, solltest du beten, dass der Pass deines Mörders der „richtige“ ist, sonst bekommst du keine Schlagzeilen, keine Hashtags, keine geheuchelte Trauer von Rechtsradikalen. Von niemanden, weil es kaum an die Öffentlichkeit gerät und eine kleine Meldung in einer Lokalzeitung bleibt. Ich habe diese gesteuerte Empörung so satt. Denn die Hetzer werden diese herausgepickten Fälle hernehmen, um ihren Rassismus zu rechtfertigen. Ihren Hass auf Menschen anderer Hautfarbe. Und behaupten, sie würden damit bestätigt werden.

Doch das werden sie nicht. Rassismus liegt immer falsch, immer. Es ist unmenschliche Instrumentalisierung der Täter und erst Recht der Opfer. Der Täter von Frankfurt hatte nichts mit der „Willkommenskultur“ zu tun. Er lebte seit 2006 legal in der Schweiz und reiste legal nach Deutschland ein. Frau Weidel hat dort die gleiche Aufenthaltsgenehmigung. Was hat Merkel damit zu tun? Nichts, aber es ist eine Chiffre für Rassismus. Es gibt immer weniger Morde in den letzten Jahren, aber immer mehr Berichterstattung.

Was ist mit den Menschen, die von Nichtdeutschen gerettet werden?

Wir werden hier massiv von der AfD und BILD im Tandem verarscht und manipuliert. Sie zeigen uns nur einen kleinen Ausschnitt der Realität. Der, der ihnen passt. Sie verschweigen uns alles andere. Sie lügen ständig, um alles sogar noch schlimmer darzustellen. Bei ViersenMagnitz, MünchenNotre DameMünsterBottrop und vielen anderen Fällen haben sie sogar Falschmeldungen verbreitet. Und keiner erwähnt, wenn ein Flüchtling ein Kind rettet.

Ein 17-jähriger Flüchtling rettete ein Mädchen in Berlin vor einer Männergruppe, die ihn dabei mit Messern verletzten. (Quelle) Abdulmanaf Mohamad, der mit 14 nach Deutschland kam, hat einen Dreijährigen aus einem eiskalten Fluss vor dem Ertrinken gerettet. (Quelle) Ein 29-jähriger Iraker hat zwei Kinder in Swisttal bei Bonn aus einem brennenden Haus gerettet. (Quelle) Der irakische Asylbewerber Hassanien Salman, gelernter Tierarzt, hat den Opfern eines Flugzeugabsturzes bei Osnabrück das Leben gerettet. (Quelle) In Füssen hat ein Asylbewerber einem Menschen das Leben gerettet, der in den Lech gefallen war (Quelle). Wir haben hier viele weitere Fälle gesammelt.

Asylsuchende sind Ärzte, Rettungsschwimmer, Olympia-Schwimmer, Köche, Autoren, Filmemacher,  uvm. Sie helfen, sie lachen, sie leben. Sie retten Leben. Ja, das sind alles Einzelfälle. Na und? Wir alle sind Einzelfälle. Jeder von uns hat eine eigene Bewertung verdient. Was mein Nachbar tut und lässt, dafür kann ich nichts. Egal, ob wir die selbe Nationalität oder Hautfarbe teilen. Aber die Hetzer reden uns ein, dass alle mit der falschen Hautfarbe unter Generalverdacht stehen müssen, weil sie potentielle Mörder sein könnten. Können Deutsche aber auch.

Lasst euch nicht mehr verarschen!

Jedes Opfer hat Trauer verdient, egal welche Hautfarbe oder welchen Pass sein Täter hat. Und wenn ich das sage, nehme ich nicht die Täter in Schutz. Dann sage ich nicht, dass ihre Taten verschwiegen werden sollen. Ich klage an, dass so viele andere Taten und Täter verschwiegen werden! Dass die Opfer instrumentalisiert werden, während Trauer geheuchelt wird. Was soll die arme Mutter des Jungen aus Frankfurt denken, wenn sich Rechtsextreme einen Namen für ihn ausdenken und ein Stockfoto nehmen um irgendeinem ausgedachten „Oskar“ zu „trauern“? (Mehr dazu) Furchtbar!

Rechtsextreme lügen. Immer. Sie instrumentalisieren, sie hetzen, sie stellen falsche Zusammenhänge her. Sie erfinden Details, Nationalitäten und sie heucheln Mitleid und Empörung. Aber nichts davon ist wahr. Sie möchten deine berechtigten Emotionen ausnutzen, um an die Macht zu kommen. Dort werden sie sich selbst bereichern und das Leben von uns allen schrecklicher machen. Das letzte Mal, als Deutschland wirklich im Chaos versank, war nicht, als wir Schutzsuchende aufgenommen haben. Sondern als wir Rechtsradikale an die Macht gelassen haben.

Weiterlesen:

Abrechnung mit „Aber Nichtdeutsche sind überdurchschnittlich kriminell!“

Artikelbild: B-Media, shutterstock.com

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Die Zerstörung vom „Es ist alles so unsicher geworden“-Mythos

Von welchem deutschland sprecht ihr eigentlich?

Viele Menschen glauben inzwischen, dass Deutschland viel unsicherer geworden sei. Dass jeden Tag irgendwo etwas Schlimmes passiert. Doch es ist schon immer jeden Tag etwas Schlimmes passiert. Nur hatten wir damals kein Facebook. Und keine AfD. Lutz Jäkel hatte dazu ein paar interessante Gedanken, die ich hier aufgreifen möchte.

Was ist das eigentlich immer für ein Gejammere, man wolle "das alte, friedliche Deutschland" zurückhaben, diese "einst…

Gepostet von Lutz Jäkel am Mittwoch, 31. Juli 2019

Also vielleicht das Deutschland aus den 1950er Jahren, als Frauen vor allem noch hinter dem Herd standen, sich um die Kinder kümmerten und per Gesetz ihren Mann fragen mussten, wenn sie eine Arbeitsstelle annehmen wollten und in der Homosexualität noch unter Strafe stand? Hoffentlich nicht.

Also dann das aus den, sagen wir, 1980ern? Also die Zeit, als es noch kein Internet gab, keine Smartphones, mithin kein Facebook, also keine digitalen, sondern nur analogen Stammtische mit sehr begrenzter Reichweite, keine digitalen, sondern nur analoge Parallel- und Empörungswelten, keine ständigen Nachrichten-Pushmeldungen, sondern nur zwei TV-Sender mit zwei Mal am Tag Nachrichten, in der ARD, im ZDF?

(Private Sender kamen damals erst langsam an den Start.) Und dann gab es noch Zeitungen, lagen morgens im Briefkasten oder am Kiosk. Und für die nächsten neuen Nachrichten in der Zeitung musste man bis zum nächsten Tag warten. Ja, so war das damals in den 1980ern. Ich kenne diese Zeiten noch, bin Jahrgang 1970.

Will sagen: Natürlich war „das alte Deutschland“ nicht friedlicher oder weniger kriminell. Man wusste es nur nicht so genau, jedenfalls nicht in dem Maße wie heute. Oder warum gibt es seit 1967 die Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“?



Mord und totschlag

Durch Social Media bekommen wir jetzt jede Meldung per Push-Nachricht aufs Handy. Und auch abseits der „Lügenpresse“ kann jeder seine eigenen „News-Meldungen“ produzieren. Und mit WordPress und Facebook überprüft nicht einmal jemand, ob das, was man schreibt, überhaupt stimmt. Was macht das mit unserer Wahrnehmung? Kommen wir zurück zu der Wiedervereinigung. 1993 gab es 5140 Tötungsdelikte (Mord, Totschlag, Tötung auf Verlangen, auch Versuche). 2018 waren es 3094. Auf 100.000 Einwohner gab es 1993 6,35 Delikte, 2018 waren es 3,76. (Quelle)

Mord, inklusive Totschlag, via kriminalpolizei.de
Will man das wirklich zurückhaben? Wenn man nur Mord und Totschlag hinzunimmt kann man sich diese Grafik der Gewerkschaft der Polizei ansehen, die die Fälle bis 2015 aufgelistet hat. Sie schreibt auf ihrer Website:

„Mit der Wiedervereinigung springt die Kriminalität nach oben. Von 743 Mordfällen im Jahr 1990 verdoppelt sich die Fallzahl auf 1468 Fälle in 1993. Durch die zusätzlichen DDR-Bürger nimmt die Bevölkerung um 17074200 Personen um 27% zu (…) Gleichzeitig ist der Anstieg bei den Mordfällen 98% (…)

Die fünf neuen Bundesländer und Berlin verursachen 1993 36% aller vollendeten Morde und Totschläge, stellen aber nur 22% der Bevölkerung (…) Dass ausgerechnet die Ostdeutschen, die die Mordkriminalität nach der Wiedervereinigung wie man am Graphen erkennen kann regelrecht nach oben katapultiert haben, jetzt die Flüchtlinge von 2015 thematisieren, ist angesichts der eigenen Historie unangebracht.“

Der Proportionale Anstieg von Morden 1993 vs 2015

Aber die Flüchtlinge!

Jeder einzelne Mord und jede Tat sind schrecklich und unverzeihlich, keine Frage. Aber „früher“ war es nicht sicherer als heute. Die Kriminalität insgesamt ist 2018 zum zweiten Mal in Folge auf den niedrigsten Stand seit 1993 gefallen. Auch Mord und Totschlag sind im zweiten Jahr in Folge weniger geworden. In den Jahren 2000 bis 2007 1893 gab es jedes Jahr mehr Opfer als 2018. War 2007 etwa alles besser?

Natürlich wird dieses Unsicherheitsempfinden dazu instrumentalisiert (und erst erschaffen), um gegen Schutzsuchende zu hetzen. Die Logik der AfD ist so simpel wie rassistisch: Früher keine Flüchtlinge = sicher. Heute Flüchtlinge = unsicher. Doch das mit dem „Früher“ und dem „unsicher“ hätten wir glaube ich schon geklärt. Viele weisen daraufhin, dass der Anteil der „Zuwanderer“ an den Straftaten größer geworden ist und glauben, damit etwas bewiesen zu haben.

Aber zum einen ist es einem Mordopfer, glaube ich, ziemlich egal, welchen Pass sein Mörder hat. Jeder Tote weniger ist gut. Oder ist das Sterben durch ein deutsches Messer viel angenehmer? Zum anderen: Natürlich ist der Anteil größer. Es sind ja auch in den letzten Jahren viel mehr geworden. Mehr zum Thema, wer wirklich anfälliger für Straftaten ist, haben wir hier einmal erklärt.

 

via Mediendienst Integration

Und eine Ergänzung zum Anstieg von Mord und Totschlag in den Jahren 2016 und 2017 haben wir hier auch mal erklärt. Der geht zum größten Teil nämlich auf das Konto von zwei weißen, deutschen Massenmördern:

Starker Anstieg der Morde 2016: Fallt nicht auf diese AfD-Propaganda rein!

Früher war nicht alles besser

Früher war nicht alles besser, im Gegenteil. Das friedliche Deutschland, das es früher gegeben haben soll, ist eine Fantasie. Eine Fantasie, die von der AfD dafür genutzt und befeuert wird, um Angst zu machen vor einer bestimmten Gruppe. Das sind nicht Asylbewerber, sondern Menschen mit anderer Hautfarbe. Es geht nicht um Aufenthaltsstatus, es geht nicht um Staatsbürgerschaft:

Die Mitglieder der AfDsind Rassisten und sie möchten dir nicht nur einreden, dass „früher“ alles sicherer war, sondern auch noch dass „Dunkelhäutige“ daran Schuld seien, dass es heute angeblich nicht mehr so sicher ist. Dabei erfindet sie oft genug Straftaten oder behauptet einfach, den Schuldigen zu kennen. Wichtig ist: Wer sich bei der AfD „informiert“ bekommt nur die Straftaten zu Gesicht, die zu ihrer Propaganda passen. Das wurde nachgezählt:

Links: Realität, Rechts: AfD-Auswahl Mehr dazu, PKS = Polizeiliche Kriminalstatistik

Wenn Menschen gewaltsam sterben ist das immer eine Tragödie. Aber lasst eure Trauer nicht dazu manipulieren, dass ihr glaubt, „früher“ wäre alles besser gewesen. Oder dass bestimmte Menschen dafür verantwortlich wären, dass es jetzt nicht mehr so sei. Denn wenn wieder unverhohlen Neonazis auf den Straßen marschieren und Menschen ermorden, dann erst wird es wirklich wieder unsicher. Denn früher, vor 1945, war es so unsicher wie niemals zuvor in Deutschland. Und daran waren nicht Flüchtlinge Schuld.

Zum Weiterlesen:

Abrechnung mit „Aber Nichtdeutsche sind überdurchschnittlich kriminell!“

Inspiriert von Lutz Jäkel, danke! Artikelbild: ArizonaTroe, shutterstock.com

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