Geleaked: Das ist die geheime Liste der parteischädigenden AfD-Spitzel!

GELEAKED!

Bundesvorsitzender und Chef der AfD-Berlin, Georg Pazderski, ist sich sicher: Seine ParteigenossInnen reden so viel Unsinn und machen so viele faschistische Aussagen. Das seien ganz sicher „Spitzel“, „Schläfer und V-Leute“ und „Provokateure“. Und vom Verfassungsschutz eingeschleust worden (Quelle). Nach einem Gutachten (Hier), das unzählige faschistische Aussagen und Verbindungen von AfD-Mitgliedern auflistet, überprüft man derzeit, ob die AfD beobachtet werden muss.

Wir haben eine geheime Liste der Personen zugespielt bekommen, die faschistische und menschenverachtende Aussagen gemacht haben. Wenn die AfD nicht vom Verfassungsschutz überwacht werden will, sollte sie diese Personen und ihre verrückten Ideen umgehend aus ihrer Partei entfernen!



1.) Alexander Gauland

Alexander Gauland möchte wieder „stolz […] sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“ – Einschließlich Kriegsverbrechen und Angriffskriege und zig Millionen Toten. Pure Verharmlosung des Nationalsozialismus. Auch verharmloste er den Nationalsozialismus weiter durch seine Bezeichnung der NS-Diktatur als „Vogelschiss in der deutschen Geschichte“. Für beide Aussagen wurde er wegen Volksverhetzung angezeigt. Auch wollte er eine SPD-Politikerin „entsorgen“. Eindeutig ein Spitzel!

2.) Jens MAier

AfD-Bundestagsabgeordneter Jens Maier hat Noah Becker als “ kleinen Halbn*ger“ bezeichnet. Er wurde angezeigt und muss für seinen rassistischen Tweet Schmerzensgeld zahlen (Quelle). Aufgrund seiner diskriminierenden Aussagen wurde sein Profil sogar von Twitter eingeschränkt (Mehr dazu). Außerdem hat er von „Mischvölkern“ gesprochen, nicht näher bezeichnete Ausländer „Gesindel“ genannt und teilte Rechtsextreme auf Facebook (Quelle). Das ist eindeutig parteischädigendes Verhalten. Er muss ein Spitzel sein!

3.) Thomas Göbel

Thomas Göbel von der AfD sagte in Hinblick auf Ausländer, dass Deutschland „unter einem Befall von Schmarotzern und Parasiten“ leide, die dem deutschen Volk „das Fleisch von den Knochen fressen“. Im Nationalsozialismus wurden Juden regelmäßig als „Parasiten“ bezeichnet. Der muss doch ein Parasit in der AfD sein, oder?

4.) Jörg Meuthen

Auch bemüht Co-Vositzender Jörg Meuthen regelmäßig eine aggressiv fremdenfeindliche Rhetorik. Er spricht von „Migrantenwelle“ im Zuge des Familiennachzugs und von „weitestgehend kulturfremden Menschen“. Auch möchte er „Multikulturalismus hinwegfegen“ und die „Festung Europa“ errichten (Quelle). Uff, das wirft kein gutes Licht auf die AfD. Bestimmt ein Spitzel.

5.) BjörN Höcke

Vor der Bundestagswahl erklärte die ehemalige Vorsitzende der AfD, Frauke Petry, den Begriff „völkisch“ wieder „positiv besetzen“ zu wollen. Auch Björn Höcke bemüht sich um eine Rehabilitierung des Wortes. Laut Duden bedeutet „völkisch“ „nationalsozialistisch, in der rassistischen Ideologie des Nationalsozialismus“. Die AfD versteht dahinter ein ethnozentristisches Verständnis des deutschen Volkes auf Basis der Abstammung, die nicht der Verfassung entspricht.

Er hat in Dresden eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ gefordert, was ebenfalls heißt, die Zeit des Nationalsozialismus positiv zu betrachten, was man aus seiner Rede auch einfach herauslesen kann. Er sagte in einem Interview, dass es „ein Problem“ sei, dass „Hitler als absolut böse dargestellt wird“, und dass es nicht so „Schwarz und Weiß“ sei. Insbesondere im Kontext seiner vielen anderen Aussagen ist es wieder eine Verharmlosung und Relativierung Hitlers und des Dritten Reiches. Im VS-Gutachten kommt er ganze 600 mal vor.

Vielleicht solltet ihr ihn schleunigst aus eurer Partei werfen, bevor… ich weiß nicht. Bevor er den stärksten, faschistischen Flügel eurer Partei anführt, zum Spitzenkandidaten bei einer Landtagswahl gewählt wird und von euren Parteispitzen in Schutz genommen wird?!

Dieser Satz Gaulands bei Maischberger könnte das Ende der AfD bedeuten

6.) Georg Pazderski

Auch der stellvertretende Bundesvorsitzende Pazderski, der dem nationalkonservativen Parteiflügel angehört, verwendet „offensichtlich rechtsextremes Vokabular.“ Darüber hinaus hat er im Rahmen der US-Präsidentschaftswahl 2016 bizarre Verschwörungstheorien über Hillary Clinton und die Bundesregierung verbreitet. Er wurde gerichtlich zu einer Richtigstellung aufgefordert. Ist er vielleicht auch einer dieser Spitzel?!

21 Aussagen, die zeigen, wie rechtsradikal die AfD wirklich ist

und viele mehr!

Weitere auf der Liste sind Hans-Thomas Tillschneider MdL, Andreas Kalbitz MdL, Markus Frohnmaier MdB, Christina Baum MdL, Wolfgang Gedeon MdL, Stefan Räpple MdL, Thomas Seitz MdB, Doris von Sayn-Wittgenstein MdL, Damian Lohr MdB, Jörg Urban MdL u.v.m. Wie der Ex-AfD-Chef und Gründer Bernd Lucke in einem offenen Brief sie aufzählte (Mehr dazu).

Man könnte fast meinen, die AfD hätte einfach ein Problem mit Rechtsextremen, Faschisten, NS-Bewunderern und – verharmlosern. Und dass diese einen ganzen Flügel in der Partei einnehmen, der mit 40% Zustimmung die größte Gruppe in der AfD ausmacht, und sich deswegen in vielen Spitzenämtern wiederfinden. Nein, Herr Pazderski. Durch einen immer größeren Rechtsruck ihrer Partei und das Dulden und Hofieren von Faschisten hat sich Ihre Partei dieses Loch selbst gegraben.

AfD: Rechtsextremer Untergang oder Spaltung

Also akzeptiert die AfD, dass sie Faschisten und NS-Bewunderer beheimatet und auch deshalb letztlich der Verfassungsschutz beobachten muss. Oder sie ächtet öffentlich fast die Hälfte ihrer Partei und spaltet sich so oder so auf. Das hat nichts mit „Spitzeln“ oder so einem Unsinn zu tun. Die AfD besteht nicht zu 40% aus V-Männern. Lassen Sie ihre Verschwörungstheorien stecken, Pazderski.

Wenn Sie es auch nur halbwegs ernst meinen, sprechen Sie sich deutlich gegen Faschisten in Ihrer Partei aus, anstatt sich mit solchen Behauptungen lächerlich zu machen. Die andere Erklärung, warum so viele Mitglieder ihrer Partei schaden ist, dass Faschisten allem schaden, das sie berühren. Das schließt auch ihre Partei ein, sowie unser schönes Deutschland.

Artikelbild: Damir Khabirov, shutterstock.com, Screenshot twitter.com

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Ihr glaubt nicht, wie dämlich diese Collage der AfD ist

Nicht euer ernst, oder?

Oh wow. Dass die AfD die verrücktesten Verschwörungstheorien verbreitet, ist nichts Neues. Dass sie sich damit zum Fremdschämen der Lächerlichkeit preisgibt, auch nicht. Dass sie rassistisch ist, dürfte auch dem Letzten in diesem Land bewusst sein. Aber alle diese Dinge in einen Post zu packen und zu perfektionieren ist nur der AfD Kyffhäuser-Sömmerda-Weimarer Land (Ja, die heißen wirklich so) gelungen.

Die AfD Kyff… dieser eine Kreisverband der AfD hat den geilsten Post gebracht, den ich seit langem sehen musste. Und ich schlage mich fast täglich mit der Gülle herum, die diese Partei ins Netz spült. Manchmal warne ich vor der Gefahr, die diese Partei für unsere Demokratie darstellt. Analysiere, wie die Narrative den Diskurs erodieren sollen. Aber dieser Post… ich kann ihn nicht ein bisschen ernst nehmen.



Die AfD meint, sie weist auf rassismus hin. LOL.

Screenshot facebook.com

Glorreich. So glorreich. Oh. Mein. Gott. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Bei der Collage? Bei der unglaubwürdigsten Opferselbstdarstellung der AfD bisher? Fangen wir vielleicht bei dem „Trend“ an, den die AfD da „entdeckt“ hat. Diese Propag-Sorry, ich kann das nicht mit einem ernsten Gesichtsausdruck. Ok, einmal von vorne.

Der „Werbetrend“ der „westlichen Werbeindustrie“ also. Der zeigt nämlich schwarze Männer mit weißen Frauen. Manchmal. Zusammen. Skan-da-lös. Und die AfD hat gleich ganze 16 „Beispiele“ auf einem rechtsextremen Facebook-Abklatsch gefunden. Oh nein! Sie haben 16 Bilder gefunden! Unser geheimer Plan, „unsere“ weißen und blonden Frauen mit Schwarzen zu paaren ist enttarnt! Jetzt können wir nicht mehr… was auch immer wir damit erreichen wollten!! Neeeein!

Vorweg: Natürlich gibt es Werbebilder, auf denen Menschen verschiedener Hautfarbe zusammen drauf sind. Warum? Weil Realität. Rassentrennung ist out, auch in der Werbeindustrie, liebe AfD. Ich weiß, ihr wendet euer wunderschön weißes Gesicht in Horror und Ekel ab, wenn ihr solche Bilder seht, weil es euch daran erinnert, was für traurige Loser ihr seid, die keine Frauen abbekommen können. Aber auch ein schwarzer Mann darf neben einer Weißen abgebildet werden. Was hat er nur, was ihr nicht habt?!

Die 16 Abbildungen

16 popelige Bilder ändern nichts daran, dass die meisten Gesichter in westlicher Werbung immer noch weiß sind. Und das ist ja erst mal auch gar nicht verwerflich. Aber wenn EIN PAAR Bilder schwarze Menschen abbilden, dann ist das völlig NORMAL. Wisst, ihr, es gibt nämlich dunkelhäutige Menschen, so ganz in echt. Und solche Beziehungen sind auch ganz normal. Was ist euer fucking Problem?! Ja, „früher“ gab’s das nicht. Also „gemischte“ (Bäh, muss mir nachher den Mund auswaschen) Paare in der Werbung. Früher durften Frauen auch nicht wählen und da gab’s so etwas wie Sklaverei. Wir sind ein bisschen weiter als das.

Aber gucken wir uns mal die Bilder genauer an. Bild 1 (links oben) ist eine Werbung für einen US-Streaming-Service. Ein schwarzer Mann und eine weiße Frau gucken zusammen was auf dem Handy. Ok, schon mal sehr subversiv. Das zweite Bild ist einfach ein Stock-Foto (Hier). Bild drei ist wiederum in dem Kontext interessant, weil das ein Inder ist und sie vermutlich arabisch. Das ist nämlich ein Bild aus einer Reihe an Werbebildern einer indischen Airline (Es geht darum, Fernbeziehungen zu zeigen, die durch die Fluglinie möglich sind, um einen Flug in die Arabischen Emirate, Quelle). Also geil gemacht, AfD!

Und das Schema wiederholt sich. Das sind alles Stock-Fotos (oder im Falle von Bild 10 ein Screenshot aus einem Werbe-Clip), die manchmal in der Werbung verwendet wurden. Ich hab nicht für alle Beispiele gefunden (z.B. Hier), dass sie auch wirklich in der Werbung verwendet wurden. Also habt ihr einfach nur ein paar Fotos aus dem Internet zusammengeklatscht. Und oft sind die Bilder einfach nur ein Motiv von mehreren, wie von MeUndies. Mh, was wollen sie nur damit erreichen, dass sie mit möglichst verschieden aussehenden Models unterschiedliche Zielgruppen ansprechen möchten?!! Verdächtig!

Screenshot MeUndies

Und jetzt zum… Kicher… „Rassismus“

Also… wow, Glückwunsch, ihr habt 16 zufällige Bilder zu einer Collage zusammen geschnitten. Und ja, sicher findet ihr noch mehr Beispiele, wenn ihr danach sucht. Ich hoffe doch, dass man im ganzen „Westen“ mehr als nur 16 Bilder findet, auf welchen nicht-weiße Menschen abgebildet sind. So lange nicht jede einzelne Werbung das darstellt, nicht mal eine Mehrheit, dann ist das für normale Menschen auch scheißegal.

Und zum Rassismus. Also, liebe AfD, ich weiß, du bist grottenschlecht beim Thema. Noch schlechter als in Logik oder Anstand. Aber dass Menschen unterschiedlicher Hautfarbe manchmal gemeinsam auf Werbeplakaten vorkommen, ist kein Rassismus. Ihr „prangert einen verwendeten Stereotyp (=Rassismus)“ an? HAHAHA. Von der Partei, in der ein Ex-Geschichtslehrer, der über den „afrikanischen Ausbreitungstyp“ redet, den stärksten Flügel der Partei dominiert (Mehr dazu)?

Was meint ihr, ist eher Rassismus? Diejenigen, die ab und zu die Realität abbilden und auch nicht-weiße Menschen repräsentieren oder DIEJENIGEN, DIE DAS STÖRT?! MH??! Die Frage gebe ich gerne zurück: „Versteht ihr es?“ Ganz offensichtlich nicht. Alter Falter. Da stellen sich ein paar Deppen hin, schwafeln was davon, dass DER AFRIKANER™ mit UNSEREN Frauen zur UMVOLKUNG™ beiträgt, aber meint ein paar Werbebilder sind rassistisch. Eine Partei aus dem deutschen Bundestag, meine Damen und Herren!

Aber ich kenne auch einen Ausländer! Ich kann kein rassist sein!

Und der letzte Absatz ist einfach nur putzig. „Ich habe auch einen schwarzen Freund, ich darf also davon reden, dass unsere Bevölkerung durch AFRIKANER™ ausgetauscht werden soll, weil die viel aggressiver und unzivilisierter sind UND GLEICHZEITIG viel leichter zu kontrollieren durch DIE DA OBEN als die Deutschen. Die natürlich alle blond und blauäugig sind. ABSURD, uns Ausländerfeindlichkeit zu unterstellen, direkt nachdem wir uns über Darstellungen von Nicht-Weißen beschwert haben!“ Du meine Güte.

Arme AfD, wird immer missverstanden. Da kann man nicht mal in Ruhe fremdenfeindliche und rassistische Verschwörungstheorien verbreiten, ohne gleich die Rassismus-Keule abzubekommen. Aber ihr habt mit eurem letzten Satz recht, AfD Kyffwasauchimmer. Manche scheinen in ihren Vorurteilen gefangen zu sein. Ich frage mich, wer es ist.

Abschließend: Die ganze Sache ist weniger lustig, als ich sie vielleicht dargestellt habe. Aber wenn ich nicht über diesen horrenden Blödsinn lache, muss ich aus dem Fenster springen. Und ich wohne im Erdgeschoss, ich würde überhaupt nichts erreichen.

Natürlich sind die meisten Nazi-Troll-Kommentare nur von Deppen und zur Hälfte wahrscheinlich von Fake Accounts und Bots, wie so oft (Mehr dazu). Aber dass so ein Quatsch von auch nur irgendwem ernst genommen wird, ist ermüdend. Während wir Erwachsenen darüber diskutieren, ob zum Beispiel der Kohleausstieg rechtzeitig kommt (Ehhh…), hockt hier eine Partei, die so einen rassistischen Quark für debattierwürdig hält. Und bitte, lest ganz dringend den Wikipedia-Eintrag zu Rassismus, ok? Hier ist er.

Artikelbild: Golubovy, shutterstock.com

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Ziemiak: Was die meisten Greta-Kritiker nicht verstanden haben

Greta ist keine politikerin

Vergessen wir fürs Erste einmal, das viel Hass und Kritik für die Klimaaktivistin Greta Thunberg von rechtsextremen Trollen kommt. Zusammen mit Aktivisten von #ichbinhier haben wir herausgefunden, dass bis zu 50% der Topkommentare, die gegen sie hetzen, von nicht authentischen Accounts stammt (Mehr dazu). Die Online-Faschisten machen genau da weiter, wo sie bei Gewaltfantasien gegen Merkel (Hier) oder Schutzsuchenden (Hier) aufgehört haben: Unmenschliche und widerliche Hetze. Jetzt gegen eine 16-Jährige.

Greta Thunberg: So viel Schiss haben die Rechten vor einem jungen Mädchen

Ok, rechte Hetzer hetzen. Das Problem sind aber die konservativen PolitikerInnen und Medienschaffenden, die die gleichen Argumente bringen, jedoch mit weniger offensichtlicher Menschenverachtung. Indirekt und vielleicht durchaus unbeabsichtigt schlagen sie in die gleichen Kerben und geben den Hetzern dadurch Recht. Dabei machen sie die gleichen Fehler.



Die vielen Kritikpunkte

Ich möchte hier an dieser Stelle auf die üblichen Kritikpunkte eingehen, die gegen Greta ins Feld geführt werden. Sei noch „zu jung“ und oft damit zusammenhängend, sie sei „zu radikal“. Es wird kritisiert, dass sie von „den Grünen/Linken“ zur Ikone stilisiert wird, was entweder wegen ihres Alters oder wegen ihrer Asperger-Diagnose ein Problem sein soll. Aber das alles geht völlig am Thema vorbei.

Ich weiß, Rechte und Konservative halten Umweltaktivismus für „ideologisch“. Und vielleicht ist etwas dran, dass sich „die linke Weltsicht“ über moralische Überlegenheit definiert. (Im Gegensatz zur „rechten Weltsicht“, die über Paranoia und Gruppenzwang funktioniert) Aber zum einen würde ich behaupten, dass das erstmal nichts Schlechtes ist. Und zum anderen ist an der Dramatik der Klimakrise nichts ideologisch, wenn buchstäblich jede Studie und jeder Experte auf dem Gebiet drastische Maßnahmen fordert.

Wo Ziemiak daneben liegt

Mein Kollege hat gestern Ziemiaks viel kritisierten Tweet in Schutz genommen (Hier). Und während Versorgungssicherheit, Arbeitsplätze, Bezahlbarkeit und so weiter natürlich richtige Fragen sind, die gestellt werden müssen: Warum belästigt Ziemiak Greta damit? Greta hat kritisiert, dass der Kohleausstieg 2038 für das Klima einfach nicht früh genug ist. Und das ist halt so, das ist FAKT (Mehr dazu).

Deutschlands Klimaziel für 2020 wird Berechnungen zufolge wohl erst 2025 erreicht. Das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens wird nicht erreicht. Das reicht halt einfach nicht. Ja, ich weiß. Politik sieht anders aus. Es gibt diese ganze Faktoren, die man berücksichtigen muss. Politik ist immer ein Kompromiss zwischen verschiedenen Interessen.

Aber entweder wir begrenzen die dramatischen Folgen des Klimawandels oder nicht. Es gibt Dinge, wo man kein Kompromiss machen kann. Für die „Gegenseite“ mag der Unwillen, Kompromisse einzugehen als „ideologisch“ betrachtet werden, aber was bringt uns vermeintliche „Realpolitik“, wenn wir einen nicht aufhaltbaren Treibhauseffekt lostreten, der unsere gesamte Zivilisation bedroht?

Argumentum ad gretanem

Nochmal: Greta ist keine Politikerin, sie ist eine Aktivistin. Von ihrem zwei Sätze langen Statement zu verlangen, dass es die gesamte Dimension der Problematik umfasst, ist Unsinn. Und ich weiß, dass genau das auch kritisiert wird. Dass ihre Aussagen verkürzt sind. Aber es ist ja nicht so, als hätte uns die Gefahr der Klimakrise jetzt plötzlich überrascht. Die Lethargie und Leugnung des Ausmaßes des Problems eben aus genau den Kreisen, die sich jetzt als vernünftig aufspielen, während sie politisch punkten wollen, indem sie herablassend eine 16-Jährige auf Twitter behandeln hat uns doch erst in diese Lage gebracht.

Ich weiß, ohne die Kohlekonzerne durch Milliardenentschädigungen regelrecht zu bestechen kann man die Widerstände nicht überwinden. Zumindest nicht mit den PolitikerInnen, die Millionen Spenden aus der Wirtschaft erhalten. Doch dass die Energiekonzerne (wie auch die Autokonzerne) seit Jahren wegweisende Änderungen verschlafen haben, ist deren Schuld. Und ich weiß auch, wenn wir den Konzernen jetzt sagen: Pech gehabt, ihr habt jahrelang durch Nichtstun kassiert, jetzt zahlt ihr den Preis, dann wälzen sie diese Kosten auf die ArbeitnehmerInnen ab. Sofern man als Staat nicht noch stärker eingreift.

„Arbeitsplätze“ = „Konzerninteressen“

Ich weiß wie das funktioniert. Aber wenn sich ein CDU-Politiker „schützend“ vor die ArbeitnehmerInnen stellt, dann stellt er sich eigentlich schützend vor die Konzerninteressen, die diese Arbeitsplätze erst mutwillig in Gefahr gebracht haben und sie dann als Geisel halten. Natürlich muss der Kohleausstieg ein fauler Kompromiss sein, weil zuvor lauter faule Kompromisse vorangingen. Aber eine Klimaaktivistin dafür anzufahren, weil sie das anspricht, hilft auch keinem weiter.

Für die meisten ist es einfacher, Kritik von Greta an ihrem Alter, ihrer Diagnose oder ihrem Geschlecht für ungültig zu erklären. Und ja, Greta wird von „den Grünen“ als Symbol genutzt, das wird auch oft genug kritisiert. Dann akzeptiert auch, dass sie nur ein Symbol ist. Ein Symbol, eine Stimme für die nächste Generation, die zusehen soll, wie wir viel zu wenig für ihre Zukunft machen. Natürlich ist die Stimme der nächsten Generation noch jung. Sonst wäre sie keine Stimme der nächsten Generation.

Greta-Kritik ist irrelevant

Vielleicht hätte ich Greta nicht zum Gesicht der Klimabewegung erkoren, aber jetzt ist sie es nun mal. Und das von ganz allein. Die Medien haben sie erst dazu gemacht? Ja, natürlich, weil ohne die Medien niemand prominent wird, duh. Vielleicht ist sie aber genau das Symbol, das wir brauchen. Eine Schülerin, die nicht lethargisch von Netflix und der Konsum-Kultur abgespeist wird und buchstäblich auf die Straße geht für ihre Zukunft.

Das könnte man zur Abwechslung auch als Konservativer applaudieren. Natürlich birgt Prominenz in jungen Jahren immer Risiken. Aber das gleiche gilt auch für irgendwelche Popsternchen oder Youtube-Stars. Das hat nichts mit der Klimakrise zu tun. Aber das ist egal, solange sie nicht wirksam gegen Konzerninteressen sprechen, oder? Sich herablassend an einer Schülerin abzuarbeiten, die halt auch Recht hat, sagt mehr über Ziemiak aus, als über Greta.

Die Energiewende muss weh tun

Und das hat nichts damit zu tun, dass die Politik hinter dem Kohleausstieg komplexer ist, als Greta das erscheinen lässt. Ist sie, aber in anderer Hinsicht auch wieder nicht. Und das verstehen ihre KritikerInnen eben nicht. Greta ist das Symbol für die nächste Generation, die man um ihre Zukunft beraubt. Ihre Ansätze sind radikal, weil es nun mal radikale Ansätze braucht. Zu glauben, die Klimakrise meistern könne man, ohne dass es unangenehm wird, ist die wirklich naive Position. Und verdient Aufforderungen, doch vielleicht lieber wieder zur Schule zu gehen.

Ziemiaks Tweet ist unangebracht gönnerhaft und herablassend. Er kommt rüber, wie jemand, der einem Kind den Lolli wegnimmt und das damit begründet, dass darin zu viel Zucker drin sein. Garnieren tut er das mit konservativen Buzzwörtern, die „Ich habe Recht“ signalisieren sollen. Dabei hat er die Kritik Gretas und ihre Funktion im Diskurs überhaupt nicht verstanden.

Artikelbild: Paul Ziemiak: Olaf Kosinsky (wikiberatung.de) Lizenz: CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons,Greta Thunberg: Jan AinaliCC BY-SA 4.0

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Greta, Chemnitz & Co: 6 Gründe, warum die AfD in der Krise steckt

Warum die AfD in der Krise steckt

In Umfragen sieht es nicht mehr ganz so rosig für die AfD aus. Während ihr im Spätsommer letzten Jahres die höchsten Umfragewerte bescheinigt wurden, sieht sie auch das wohlwollendste Meinungsinstitut einige Prozentpunkte gefallen. Die meisten Umfragen sehen sie bei 12% oder 13% und damit auf dem Wert der Bundestagswahl (Quelle). Das ist natürlich immer noch nicht wenig, aber der konstante Zulauf der letzten Jahre scheint erstmal gestoppt und sich umgekehrt zu haben.

Das hat mehrere Gründe, und sind teilweise auch leider kein Grund zur Freude. Und heißt auch noch lange nicht, dass faschistische Tendenzen in einer im Bundestag vertretenen Partei Schnee von gestern sind. Die nächsten Monate werden entscheidend, und auch was Politik und Medien jetzt tun. Doch um zu wissen, was getan werden muss, muss man erst die Ursachen kennen.



1.) Flüchtlinge? Welche Flüchtlinge?

Die Anzahl der gestellten Asylanträge geht in Deutschland immer weiter zurück. Im Vergleich zum Vorjahr sanken die gestellten Erstanträge um weitere 18 Prozent, während sie im Jahr davor bereits um 73% gefallen waren. Auch die Schutzquote, also der Prozentsatz der bewilligten Anträge, ging zurück. Statt zuvor 43% bekamen nur noch 35% den Asylstatus gebilligt (Quelle).

Innenministerium

Im Jahr 2018 wurden auch so viele Asylbewerber in andere EU-Staaten abgeschoben wie noch nie. Es wurden auch mehr Menschen über das Dublin-Verfahren abgeschoben als übernommen worden sind (Quelle). Damit bleibt die Nettozuwanderung, bei welcher der Familiennachzug miteingerechnet ist, unter der von der Groko festgelegten Obergrenze von 180.000 bis 220.000.

Das alles auf Kosten von Toten im Mittelmeer, in der Sahara und in den Foltergefängnissen in Libyen (Mehr dazu). Europa wird für Schutzsuchende abgeriegelt. Bis Oktober 2018 wurden knapp 20.000 Menschen abgeschoben (Quelle), viele davon so absurd unmenschlich, dass es einem die Sprache verschlägt (Mehr dazu). Die Einwanderung nach Deutschland ist auf einem neuen Tiefstand, die Mehrheit davon auch noch aus Europa, die Fluchtzahlen sind auch gesunken. Mehr dazu:

Völlig absurd: So verzweifelt sind Rechte, weil die Asylzahlen sinken

In diesem Punkt hat die AfD also quasi „gewonnen“. Dass ihre Politik, die sich im Wesentlich auf „Flüchtlinge weg!“ reduzieren lässt, durchgesetzt hat, ist aber ein zweischneidiges Schwert. Das Hauptthema, weshalb sie gewählt wurde, hat sich damit quasi erübrigt. Es gibt keinen Grund zur Aufregung (mehr). Das gemeinsame Feindbild ist ausgelutscht. Und wir leben bereits das vierte Jahr mit Schutzsuchenden. Während die Kriminalität gleichzeitig auf historischen Tiefstständen ist (Mehr dazu). Die viel beschworene Apokalypse ist ausgeblieben.

2.) Spendenaffären

Erst die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel, dann Europawahl-Kandidat Guido Reil, nun auch Parteichef Jörg Meuthen: Die Ausmaße der AfD-SpendenaffäreN (!) weiten sich immer weiter aus (Mehr dazu). Illegale Spenden in Millionenhöhe kommen ans Licht und lassen die AfD, die sich als „gegen das Establishment“ darstellt, in doppelter Hinsicht schlecht aussehen.

Nicht nur zeigt sich, dass die angeblichen Kämpfer gegen das Unrecht genau so in unseriösen Affären stecken können wie die „Altparteien“, auch sprechen große Geldsummen von Unternehmern nicht für das Image des „Kämpfers für den kleinen Mann“. Erst Recht nicht welche aus dem Ausland, woher doch so viele böse Dinge aus der Sicht der AfD herkommen.

Die größten Steuergeld- & Spendenskandale der AfD

3.) Drohende Überwachung durch den Verfassungsschutz

Das Bundesamt für Verfassungsschutz prüft derzeit eine Überwachung der Partei (Hier das Gutachten bei netzpolitik.org), und unter anderem zeigt jüngst ein Satz Gaulands bei Maischberger, wie verbreitet der Rechtsextremismus in der AfD ist. Und dass der Verfassungsschutz die Bedrohung endlich ernst nimmt.

Dieser Satz Gaulands bei Maischberger könnte das Ende der AfD bedeuten

Die AfD klagt derzeit gegen die Überprüfung des Verfassungsschutzes (Quelle). Also gegen die öffentliche Bekanntmachung der Überprüfung. Denn bereits diese schadet dem Image der Partei. Dass das Amt endlich Schritte für eine Überwachung der Partei eingeleitet hat, ist richtig und wichtig. Eine Überwachung würde die faschistischen Tendenzen in der Partei quasi behördlich bestätigen und damit auch den letzten Zweiflern die Möglichkeit nehmen, das zu verleugnen.

5.) Chemnitz & die Nazis

Kommen wir noch einmal auf die faschistischen Tendenzen in der AfD zu sprechen. Viele AfDler empören sich über die „Nazi-Keule“. Manchmal zu Recht. Aber der Höcke-„Flügel“ der AfD, der laut Gauland satte 40% der Partei ausmacht und damit stärkste Kraft in der Partei ist, ist der Knackpunkt. Die meisten in der AfD fischen am rechten Rand, bedienen sich fremdenfeindlicher Ressentiments, hauen rassistische Sprüche raus, und so weiter.

„Nazi“ ist da trotzdem oft überzogen. Aber beim „Flügel“, der vom Verfassungsschutz bereits als „Verdachtsfall“ eingestuft worden ist, sind, wie auf 400 Seiten des Gutachtens nachzulesen ist, schon eindeutige faschistische Tendenzen und Forderungen zu sehen (Mehr dazu hier). Die AfD gewann seit ihrer Gründung mit der immer weiteren Radikalisierung immer weiter an Stimmen. Zunächst wurde der wirtschaftsliberale Flügel Luckes gestürzt und später der rechtspopulistische Flügel Petrys.

Der Einfluss der Faschisten wuchs immer weiter. Den Höhepunkt erreichte die Radikalisierung im Spätsommer 2018 mit Chemnitz, als die AfD offen mit vom Verfassungsschutz beobachteten Neonazis und anderen Rechtsextremen gemeinsam durch die Stadt marschierte, zusammen mit Hitlergrüßen, Angriffen auf Journalisten und Menschen anderer Hautfarbe (Mehr dazu).

Es zeigte deutlich, wie faschistisch die AfD in weiten Teilen inzwischen geworden war – und wie wenig der Rest der Partei fähig oder willens war, etwas dagegen zu unternehmen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die AfD ihre höchsten Umfragewerte. Aber seit diesem Wendepunkt begann der stetige Rückgang der Wähler, denen diese hässliche Fratze des Faschismus dann doch zu viel war.

6.) Greta, Diesel und Co.

Kommen wir also zu den Flüchtlingen zurück. Oder besser gesagt: Eben nicht mehr. Die nationale Debatte hat sich weg bewegt von Obergrenzen und Kriminalität. Wir reden jetzt über die Klimakrise, Diesel-Fahrverbote, Grenzwerte und so weiter. Die AfD hat bei diesen Themen nichts mehr zu bieten. Natürlich wird die Debatte teilweise weiter auf dem gleichen populistischen Niveau geführt, man blicke nur auf die „100 Lungenärzte“.

Keine Belege, keine Experten: 5 Fakten zu den 100 Lungenärzten gegen Schadstoffgrenzwerte

Aber hier fehlt der AfD das Alleinstellungsmerkmal. Union und FDP decken die „Gegenseite“ zu den Feindbildern der AfD (Grüne, Linke) bereits ab, gelegentlich auch mit Populismus. Was kann die AfD also noch beisteuern? Mit glatter Klimawandelleugnung kommt sie auch nicht weit, mit Populismus ist sie nicht allein. Sie ist hier nicht die einzige „Alternative“. Warum also die Schmuddelpartei wählen?

Und nun kommt eine Person wie Greta Thunberg und nutzt „grünen Populismus“. Das mag man kritisch sehen, aber Fakt ist: Wenn Klima und Co. emotional diskutiert werden, redet man nicht mehr über die typischen AfD-Themen. Das Agenda-Setting durch Greta ist gelungen, ob man das befürwortet oder nicht. Natürlich wird versucht, mehr über ihre Person zu reden als über Maßnahmen gegen die Klimakrise. Aber ein Erfolg ist zu verbuchen: Die AfD-Themen sind weg. Und dadurch verliert sie an Boden.

Greta Thunberg: Bis zu 50% der Hass-Kommentare stammen von Fake Accounts

Das Ende der Faschisten herbeiführen

Die AfD taumelt. Und egal, ob man ein Demokrat des sozialliberalen oder konservativen Spektrums ist, sollte man ein Interesse haben, die Rechtsextremen und ihr Netzwerk aus dem Bundestag zu schaffen. Die AfD ist derzeit ein Sprungbrett für allerlei Holocaust-Leugner, Faschisten und Ethnopluralisten. Ob die AfD sich vollends zur „Höcke“-Partei entwickelt und dadurch selbst zerstört, oder den seit Jahren überfälligen Deradikalisierungsprozess durchführt, ist aus dieser Sicht erst einmal zweitrangig. Wichtig ist, dass wir jetzt nicht zulassen, dass rechtsextreme Einstellungen weiter normalisiert und hofiert werden.

AfD vor dem Abgrund: So können wir das Ende der Rechtsextremen herbeiführen

Artikelbild: Höcke: knipsdesign, shutterstock.com, Greta Thunberg: Jan AinaliCC BY-SA 4.0

Da du diesen Artikel zu Ende gelesen hast: Möchtest du mehr Recherchen und Analysen zu den Hintergründen von politischen Mythen und Fake News? Oder auch Kommentare zu politischen Forderungen und aktuellen Ereignissen? Dann unterstütze unsere Arbeit mit einer kleinen Spende für einen Kaffee, dazu kannst du einfach hier entlangschauen. Vielleicht hast du auch Fragen oder Artikelwünsche? Dann schreib uns auf redaktion@volksverpetzer oder auf Facebook oder Twitter




Das ändert sich in Deutschland: Alle Folgen des Migrationspaktes

Es ändert sich Nichts, verdammt nochmal!

Der Globale Pakt für sichere, geordnete und geregelte Migration (Global Compact for Safe, Orderly and Regular Migration – GCM) kurz „Migrationspakt“, ist eine internationale Vereinbarung, die von den Vereinten Nationen seit April 2017 ausgearbeitet wurde und deren Text im Juli 2018 beschlossen wurde. Es ist ein „rechtlich nicht bindender Kooperationsrahmen“, auf den sich die unterzeichnenden Staaten einigen, im Umgang mit Flüchtlingen und Migranten. Wichtig: Er ist KEIN Gesetz, rechtlich ändert sich durch das Unterzeichnen erst einmal gar nichts.

Anfang Dezember haben die meisten Länder der Welt diesen Pakt unterzeichnet und damit zugesagt, dass sie sich an die dort formulierten Ziele halten wollen. Nicht unterzeichnet haben Länder, an deren Regierungen Rechtspopulisten beteiligt sind, wie Österreich. Und das, obwohl Österreich an den Formulierungen aus dem Pakt wesentlich mitgewirkt hatte (Mehr dazu).

Die AfD startete unerklärlicherweise auch sehr spät eine Desinformationskampagne, nachdem sie die Monate zuvor alle Einladungen ignoriert hatte, sich selbst an der Ausarbeitung des Paktes zu beteiligen (Mehr dazu). Doch die rechten Lügenblogs machen weiter Stimmung gegen den unterzeichneten Pakt. Sie hatten zuvor von „schrecklichen Folgen“ erzählt, und da jetzt nichts passiert ist, erfinden sie wieder ach so schlimme Konsequenzen. Hier nochmal alle Lügen über den Pakt:

Die 5 größten Lügen der Rechten über den Migrationspakt



Es gibt kein Recht auf lügen

Eine der Lügen über den Pakt war, dass darin angeblich stünde, dass irgendwelche Einschränkungen der Meinungsfreiheit gefordert werden würden oder dergleichen. Dass man nicht mehr Migrations kritisieren dürfe oder so einen Unsinn. Im für alle ganz einfach nachzulesendem Pakt steht:

Ziel des Pakts ist die „Beseitigung aller Formen der Diskriminierung und Förderung eines auf nachweisbaren Fakten beruhenden öffentlichen Diskurses zur Gestaltung der Wahrnehmung von Migration“, was „unter voller Achtung der Medienfreiheit eine unabhängige, objektive und hochwertige Berichterstattung durch die Medien, einschließlich Informationen im Internet“ darstellt. (S. 23)

Aber da die Rechten offenbar so gerne Unwahrheiten verbreiten, nehme ich an, dass sie sich daran stören, dass die Berichterstattung auf „nachweisbaren Fakten“ beruhen und „objektiv“ sein soll. Die Meinungsfreiheit deckt NICHT das Recht auf eigene Fakten ab. Es gibt kein Recht auf Lügen. Man sollte sich nicht einreden lassen, dass irgendwie das Recht auf Meinung eingeschränkt werde. Dass die Gegen-Kampagne der Rechten natürlich völlig auf Lügen und Falschbehauptungen basiert, erklärt, warum sie sich jetzt davon auf den Schlips getreten fühlen.

aktionsplan gegen desinformation?

Jetzt lügt man frech weiter. So behaupten rechte Fake News-Verbreiter, die Kampagne der EU gegen Fake News sei eine Folge des Migrationspaktes. Der zeitgleich (!!) von der EU beschlossene „Aktionsplan gegen Desinformation“ soll die Plage der Lügen, Fake News und Falschinformationen eindämmen. Das Auswärtige Amt hat das auf ihrer Website anschaulich erklärt (Hier).

„Versehentliche Fehler bei der Berichterstattung, Satire und Parodien oder eindeutig gekennzeichnete parteiliche Nachrichten oder Kommentare [sind] keine Desinformation. Es wird außerdem klargestellt, dass Desinformation nicht auf Kosten der freien Meinungsäußerung begegnet oder mit gleichen Mittel zurückgeschlagen wird. Stattdessen sollen die Anstrengungen der EU […] in folgenden Kernbereichen verstärkt werden: Besseres Erkennen von Desinformation, koordinierte Reaktion, Zusammenarbeit mit Online-Plattformen und Industrie sowie Steigerung von Bewusstsein und Stärkung der Bürger.“

Klingt doch schon mal ganz anderes, als das, was die Dauer-Lügner behaupten. Und hat auch nichts mit dem UN-Migrationspakt zu tun, da der Plan bereits vorher ausgearbeitet wurde und vor der Abstimmung bereits vorgelegt wurde (Hier). Außerdem steht wie gesagt im Migrationspakt auch wie oben gezeigt nichts über irgendwelche Strafen oder anderen Unsinn. Falls du so eine Behauptung siehst: Sie ist erfunden.

Hier erzeugt man erneut mit Lügen, die auf alten Lügen basieren, neue Lügen. Es ist zum Haare Raufen. Diese Meldung verbreitet sich dennoch rasant in rechten Social Media Kreisen. Tut mir echt leid, aber ihr fallt alle auf eine gigantische Desinformationskampagne herein. Kein Wunder, dass die sehr allergisch darauf reagieren, dass man ihren Lügen Einhalt gebieten will. Zur Eingangsfrage: Was ändert sich an der Gesetzgebung in Deutschland durch den Migrationspakt? Rein gar nichts. Punkt.

Mehr zum Thema:

Migrationspakt: So wurde die AfD im Bundestag bloßgestellt

Artikelbild: CC0

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AfDler blamiert sich auf Twitter: Was ist denn die „Antifa“?

Der rechte Mythos „Antifa“

Nachdem die AfD in Umfragen immer weiter verliert (Mehr dazu) wird klar: Ein neues Feindbild muss her. Wie der Angriff auf den AfD-Politiker Magnitz gezeigt hat, soll das wohl die ominöse „Antifa“ werden. Wer den AfD-Politiker zu Fall brachte, durch welchen er sich die Verletzungen zuzog, ist heute immer noch nicht bekannt. Dass es „die Antifa“ gewesen sei, ist frei erfunden. Genau wie vieles andere an ihrer Darstellung zum Überfall.

Fall Magnitz: Helfender Handwerker widerspricht der AfD-Darstellung

Zuallererst: Es gibt KEINE „Antifa“. Seit Jahren werden immer neue Behauptungen und Fake News zur „Antifa“ verbreitet, doch das ruft noch lange keine Organisation oder Strukturen zum Leben. Kürzlich fasste der ARD-Faktenchecker Patrick Gensing zusammen, was alles Fakt oder Fiktion zum Mythos „Antifa“ ist (Hier). Auch der Verfassungsschutz und der wissenschaftliche Dienst des Bundestages können bestätigen, dass es so eine Organisation nicht gibt.

Kurzfassung: In Deutschland (und auch anderen Ländern) gibt es verschiedene Gruppen, die sich dem Antifaschismus verschrieben haben. Manche sind auch für gewalttätige Auseinandersetzungen verantwortlich. Doch sich „Antifa“ (manchmal buchstäblich) auf die Fahnen zu schreiben, ist erst einmal nichts Verwerfliches. „Antifa“ ist kurz für „antifaschistisch“, also quasi „gegen Nazis“. Und das sollte eine universell gültige Haltung in Deutschland sein. Man kann auch das Grundgesetz als „Antifa“ bezeichnen.

Aber eine einheitliche Gruppe oder Organisation, die sich „Antifa“ nennt oder die man als solche bezeichnen kann, gibt es nicht. Wer diesem Mythos aufsitzt, hat vielleicht von den Fakes über „Demogeld“, oder gefälschten Bekennerschreiben gelesen. Eine Übersicht aller Fakes findet sich in Gensings Artikel hier. Ironischerweise war bisher jede Meldung vom „Antifa-Demogeld“ frei erfunden – Im Gegensatz zu einem Demogeld, das die AfD bezahlt hat (Mehr dazu).



Bystron pöbelt auf Twitter

Doch die AfD, die ihre Prominenz der Verbreitung von Fake News und Hetze über Flüchtlinge verdankt, nutzt die gleiche Strategien anscheinend jetzt bei „der Antifa“. AfD-Abgeordneter Bystron stört sich an der Realität und macht auf Twitter Patrick Gensing dafür verantwortlich, dass es keine „Antifa“ gibt. Die AfD fordert nämlich, dass diese nicht existierende „Antifa“ nach § 129a zu einer „terroristischen Vereinigung erklärt werden soll.

Nein, Magnitz hat sich den Stoß/Tritt nicht eingebildet. Aber die AfD bildet sich ein, zu wissen, wer die Täter waren. Wenn die AfD angeblich weiß, wer die Täter waren und warum sie Magnitz umgestoßen haben, warum leiten sie ihre vom Himmel gefallenen Informationen nicht an die Behörden weiter? Die wissen zumindest weniger als die notorische Lügenpartei.

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Bystron reitet sich immer weiter hinein

Dass sich die AfD mit ihrem Mangel an Fakten und Logik immer wieder blamiert, kann ihr egal sein. Denn ihre ideologisch verblendeten Fans klatschen bei allem, was ihnen vermeintlich Recht gibt. Bystron legt nämlich mit dieser geistigen Bankrotterklärung nach:

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„Reale […] Politsekte“? Welche Pseudo-Fakten hat Herr Gensing denn nicht in seinem Artikel erwähnt? Dafür, dass die AfD immer so großspurig behauptet, sie habe Recht und die Wahrheit gepachtet, ist sie erstaunlich sparsam mit Quellen und Nachweisen. Gensing hat alle seine Quellen angegeben. Und welcher „Organisationsgrad“? Ja, belegen Sie, Herr Abgeordneter! Was sagen Sie zu den zahlreichen Fakes, die Gensing aufdeckt, den Aussagen der US-Behörden, des Verfassungsschutzes, des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags? Kein Wort dazu? Wirklich?

AfD-Abgeordneter argumentiert wie ein Kindergartenkind

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Wow, meine Damen und Herren: So argumentiert ein Mitglied des deutschen Bundestages. Und kassiert tausende Euro Steuergeld jeden Monat. Meine zwei Monate alte Nichte kann besser argumentieren. Fassen wir sein „Argument“ zusammen. Gensing liefert ellenlange Nachweise, Belege und Fakten, die zeigen, dass es keine „Antifa“ als Organisation in dem Sinne gibt, niemals nachgewiesen wurde und auch nicht beobachtet wird. Dann kommt Bystron, behauptet einfach, das stimme nicht. Gensing verweist nochmal auf die Fakten. Und Bystron fällt nichts anderes dazu ein als „Gotcha“. DEIN ERNST, BYSTRON?

Gensing: Hier sind alle Fakten, Belege, Dokumente und Quellen.
Bystron: Mimimi, stimmt doch gar nicht.
Gensing: Öh, doch?
Bystron: Lalala, nein! Guckt meinen tollen Aluhut an!

Das ist ja regelrecht zum Fremdschämen. Und Bystron merkt nicht einmal, wie er sich dabei bloßstellt. Bystron hat nicht einen Beleg gebracht. Nicht einmal ein Argument. Nur Sarkasmus. Attitüde ersetzt nicht Argumente, Mann! Die AfD meint, sie habe Recht und die anderen haben das anstandslos zu akzeptieren. Das tut ja weh. Doch es war leider noch nicht alles. Denn Gensing fragt weiter nach Belegen.

Belege, Herr Bystron?

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Ich muss meinen Hut vor Gensing ziehen, dass er dabei so ruhig bleiben kann. Er versucht immer noch unermüdlich, diesen Schlagabtausch (für eine Diskussion bräuchte Gensing einen wirklichen Diskussionspartner) auf die Sachebene zu ziehen. Doch Bystron ist anscheinend leider nur ein in den Bundestag gewählter Troll.

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Das sind immer noch keine Fakten oder Belege, Bystron, sondern nur Schlagworte. Der 1. Mai ist erstmal nur ein Datum und ja, da gibt es manchmal Demos. Aber was hat das mit dem Nachweis, dass es eine Organisation wie die fiktive „Antifa“gibt zu tun? Oder die Rote Flora? Das ist ein autonomes Kulturzentrum, was hat die mit Magnitz zu tun? BELEGE, Bystron! Oder zumindest Begründungen, was die miteinander zu tun haben. Ich würde auch nur einen Fetzen Logik akzeptieren an dieser Stelle. Und nochmal: Wer Herrn Magnitz angegriffen hat, ist NICHT BEKANNT.

Nicht einmal, ob es politisch motiviert gewesen war. Und was haben 1. Mai Demos mit Magnitz zu tun? Zum Haare raufen! Will die AfD mit drei Schlagworten etwa begründen, warum die „Antifa“ existiert und wie man das als terroristische Vereinigung einstufen will? Den Antrag will ich sehen. Das tut ja weh, diesen Mangel an Belegen und Argumenten zu sehen. Schämt der Mann sich nicht?

Ein argumentatives Duell, aber Bystron ist unbewaffnet

Also: Außer Sarkasmus und ein paar Schlagworten hat Herr Bystron noch NICHTS zu der „Diskussion“ beigetragen. Witzig, dass er vorher sarkastisch so getan hätte, als hätte er einen Aluhut, denn hier packt Bystron ihn tatsächlich aus:

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Bystron behauptet, der Verfassungsschutz würde die „Belege“, dass es eine „Antifa“ gibt, einfach gar nicht sammeln. LOL. Ja DANN! Gensing fragt nach Belegen, aber Bystron hat nichts zu bieten, außer der BEHAUPTUNG es GÄBE ganz bestimmt Belege, wenn man suchen würde. Das ist quasi so, als würde er Gensing zu einem Revolverduell herausfordern, aber zum Showdown unbewaffnet erscheinen und behaupten, zu Hause hätte er aber ganz sicher eine Waffe. Ganz bestimmt!

Und es wird noch besser, Bystron hat gesagt: „Dass sie […] nach Belegen fragen, lässt mich an ihrer Faktenfindungsfährigkeit zweifeln“. HAHAHA, so kennt man Faktenfinder: Sie fragen niemals nach Belegen! Also Gensing habe mit seiner Feststellung, die von allen Behörden (und Menschen mit Gehirn) bestätigt wird, „die Antifa“ ist ein Mythos angeblich nicht Recht, weil es ganz bestimmt Belege gäbe, wenn man dann gucken würde. Aber tut ja keiner, weil … öhm, keine Ahnung. Weil der Verfassungsschutz auch zur Antifa gehört!!1 Oder so.

Wenn wieder jemand einmal meint, man müsse nur „mit Rechten reden“: Man sollte sich darauf einstellen, nicht viel festes zu hören zu bekommen. Bystron hat danach übrigens aufgegeben. Vielleicht hat er auch eingesehen, dass er einfach nicht Argumente oder Belege liefern kann. Oder er musste zu seinem nächsten Treffen, um mit Vertretern extremistischer Organisationen Schießtrainings auf Kosten des Steuerzahlers zu absolvieren (Mehr dazu).

Kurzfassung: Viel Kopfschmerzen und AfD hat sich wieder mal entlarvt

Also kurz: Es gibt keine „Antifa“, Bystron hat es bestätigt. Denn seien wir ehrlich: Wäre irgendwas dran an der Behauptung, wir könnten uns sicher sein, dass die AfD mit den Belegen hausieren gegangen wäre und nicht so peinlich rumdrucksen müsste. Wie lange kann die AfD noch gegen die harte Realität argumentieren? Keine Ahnung, die Flüchtlingsmasche hat sich anscheinend ermüdet. Und auch der Prozentsatz an Menschen, die jeden Blödsinn glauben möchten ist gottseidank begrenzt.

Und für alle anderen, die – unerklärlicherweise – bis hierhin gelesen haben und immer noch verzweifelt an dem Mythos „der Antifa“ festhalten: Widerlegt die Argumente und Quellen von Herrn Gensing und liefert eigene Nachweise. Und bitte keine schlecht gemachten Youtube-Verschörungsvideos, das sind keine Belege. Diskussion mit AfDlern über ihre Lügen bringt gar nichts. Herr Gensing hat es unermüdlich und sachlich versucht. Verschwenden wir nicht unsere Zeit, den Fantasien von notorischen Lügnern hinterher zu rennen.

Die 11 lächerlichsten Lügen von Beatrix von Storch (AfD)

Artikelbild: Metropolico.orgCC BY-SA 2.0 (Bystron), Alex E. Proimos, Flickr,  (CC BY 2.0), changes were made, Jesse Adam Davis, shutterstock.com (Antifa)

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Krebs: Der Moment, wenn Jens Spahn einmal Recht hat

Stimmt, herr Spahn!

Man könnte eine lange Liste an Fettnäpfchen, falschen Aussagen und rechtspopulistischen Sprüchen von Gesundheitsminister Spahn erstellen (Mehr dazu). Das hat natürlich Methode. Spahn hat Ambitionen auf den CDU-Vorsitz und letztlich auf das Kanzleramt, wie man kürzlich ja sehen konnte. Deshalb der ständige Versuch, in den Medien zu sein und im Gespräch zu bleiben. Egal mit womit.

Deshalb sollte man froh sein, wenn Jens Spahn nicht fachfremdelt und bei seiner eigentlichen Aufgabe bleibt: Gesundheit. Diesmal ging es um Krebs. Zunächst hatte er sich etwas weit aus dem Fenster gelehnt, als er vor ein paar Tagen behauptete, Krebs sei in 10-20 Jahren besiegt. Natürlich wollte er seinen Plan hypen, zusammen mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum 60 Millionen Euro in die Krebsforschung zu stecken (Quelle).

Das ist vielleicht etwas optimistisch. Am vielversprechendsten sind derzeit Antikörper-Immuntherapien. Aber die sind aufgrund ihres Aufwands extrem teuer und allein deshalb schon nicht für jedermann. Kritik daran, für Eigen-PR KrebspatientInnen falsche Hoffnungen zu machen? Legitim. Auch dass er nachlegte, und Krebs mit HIV verglich, ist äußerst daneben, weil er hier Äpfel mit Birnen vergleicht. Denn vor Aids kann man sich vergleichsweise leicht schützen.



Krebsvorsorge: Spahn hat recht

Trotz oder wegen dieser Kritik hat sich Spahn dann auf Twitter gestern wieder zum Thema geäußert:

Die Reaktionen wie davor: Kritik. Und vielleicht sind wir alle schon so gewohnt, dass Jens Spahn etwas sagt, und wir ihn dafür kritisieren müssen, dass das jetzt business as usual ist. Aber er hat ausnahmsweise einmal was richtiges gesagt.

Krebs wird durch zig verschiedene Ursachen ausgelöst. UV-Strahlen, Rauchen, Schadstoffe, Alkohol, Fleisch. Er ist aber auch genetisch bedingt und tritt sogar einfach zufällig auf. Weswegen die Krebsforschung auch nicht so unkompliziert ist, wie er das zuvor dargestellt hat oder warum der HIV-Vergleich sehr hinkt.

Aber man kann das Krebs-Risiko senken, und zwar genau mit den Dingen, die Spahn aufgezählt hat. Nicht mehr Rauchen, Sport, gesunde Ernährung und Sonnencreme senken das Krebsrisiko durchaus um 40%-50%. Laut einigen Studien sogar mehr (Mehr dazu). Das ist keine Garantie, dass man keinen Krebs bekommt, klar. Und es gibt auch niemandem die Schuld daran, wenn sein oder ihr Lebensstil nicht so aussieht. Aber es ist „#Prävention“. Und das stimmt.

Einzelbeispiele widerlegen nicht das Statement

Meine Filterblase hat kollektiv heute über Spahns Tweet den Kopf geschüttelt. Mehr als einmal las ich, wie Leute von Freunden, Verwandten oder sich selbst erzählten, die trotz dieser Maßnahmen Krebs bekommen haben. Das ändert aber nichts daran, dass dies krebserzeugende Faktoren sind, die man verhindern kann. Niemand würde doch seinen 100-Jahre alt gewordenen, kettenrauchenden Opa als „Beweis“ bringen, dass Rauchen nicht krebserregend sei.

Ich selbst mache Sport, rauche nicht, trinke nur wenig Alkohol, creme mich an der Sonne regelmäßig ein und ernähre mich sogar komplett fleischfrei. Und habe trotzdem Krebs bekommen. Und bin dann wieder gesund geworden. Aber ich weiß, dass da halt auch Gene und der Zufall mit hineinspielen. Also – und mir tut es fast weh, das zu sagen – Hört auf Jens Spahn.

Das sind die effektivsten Maßnahmen, die ihr tun könnt, um euer Krebsrisiko zu senken. Aber das heißt nicht, dass man nicht trotzdem Krebs kriegen kann. Auch nicht, dass man ansonsten „selbst schuld“ ist. Und das heißt auch nicht, dass Jens Spahn sonst bei vielen Themen daneben liegt. Erst Recht bei Themen, die eigentlich gar nicht zu seinem Aufgabenbereich gehören.

Artikelbild: Olaf Kosinsky (wikiberatung.de) Lizenz: CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons, Screenshot twitter.com

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Wieder mit gestelltem Foto: Wie die AfD Broder instrumentalisiert

Ein Bild sagt mehr als 1000 worte

Hendryk M. Broder ist der AfD in die Falle gelaufen. Es gibt wenig Meinungen, die ich mit dem Publizisten und WELT-Autor teile. Er hat die Dreistigkeit, den Klimawandel zu leugnen, ist ein alarmistischer Islamfeind und beackert den gleichen Boden, aus dem auch die „Lügenpresse“-Vorwürfe sprießen. Was er zu Greta Thunberg gesagt hat, finde ich auch völlig unangemessen. Broder bewegt sich regelmäßig am Rand des Diskurses, hinter welchem die rechtsextreme Verschwörungswelt der AfD beginnt. Punkte zur Anknüpfung gibt es genug.

Aber seine Rede vor der AfD war von ihm schon als Distanzierung zur AfD gedacht, die demnächst vom Verfassungsschutz überwacht werden könnte. Und im Fall von Höcke und „Junge Alternative“ teilweise bereits wird (Mehr dazu). Broder und die AfD sind in vielerlei Hinsicht ideologische Verbündete. Aber auf „Kuschelkurs“ – Wortspiel beabsichtigt – wollte er eigentlich nicht gehen. Doch Frau Weidel kam ihm da zuvor.



Wie die AfD Broder instrumentalisiert

Meine Kollegin Anke hat argumentiert, dass sie in Broder immer noch einen Demokraten sieht. Und als solchen hält sie ihn für einen geeigneten Kandidaten, um die AfD zu kritisieren. Da sie ihm am ehesten zuhört. Auch Broder selbst pocht darauf, dass man seine Haltung an seiner Rede festmachen soll (Mehr dazu). Aber das hat die AfD, die Meisterin der Instrumentalisierung, nicht zugelassen.

Broder: Die Weidel-Umarmung war ein Fehler, mit der AfD reden nicht

Wie schon im Fall Magnitz weiß die AfD, Symbole und insbesondere vielsagende Fotos legen die Debatte fest. Während ein äußerst dramatisches Foto von Magnitz dafür sorgen sollte, die Lügen und Übertreibungen der AfD über den Verlauf des Angriffs auf den AfD-Politiker zu framen, so soll eine spontane Umarmung Broders durch Weidel seinen Besuch bei der Partei framen.

Das ist ihm auch bewusst, und im Nachhinein bedauert er die Umarmung, die laut ihm vollständig von Frau Weidel ausging. Er wurde quasi mit der Umarmung und dem Foto überrascht. Und wir wissen aus Erfahrung, dass Weidel PR-technisch genau weiß, was sie machen muss. So war es auch bei ihrem geplanten Abgang in der ZDF-Sendung „Wie geht’s, Deutschland“ (Mehr dazu).

Die AfD steckt gerade in einer Krise. Sie muss von der drohenden Überwachung durch den Verfassungsschutz ablenken, von ihren sinkenden Umfragewerten und ihren inneren Streit. Und sich einen Anstrich von „rechtskonservativ“ verpassen, da der faschistische Höcke-„Flügel“ zu sehr in den Mittelpunkt rückt. Deshalb Broder.

AfD vor dem Abgrund: So können wir das Ende der Rechtsextremen herbeiführen

Broder von der AfD vereinahmt

Broder beschwert sich bei Meedia (Hier) über die Medien und „linke Trottel“, die sich unsachgemäß nur auf das Foto stürzen, anstatt über den Inhalt seiner Rede zu sprechen. Aber er sollte sich vielleicht viel eher bei Frau Weidel beschweren, die das genau so geplant hat. Ja, alle reden über das Foto. Ziel erreicht. Warum? Weil Broder-KritikerInnen in dem Foto symbolisch den Schulterschluss zwischen dem rechtskonservativen Journalismus und der AfD sehen, den sie die ganze Zeit schon spüren.

Natürlich nicht grundlos. Aber die AfD wiederum kann sich mit einem Publizisten schmücken, gar einem Juden, um von der den gerechtfertigten Hinweisen auf die 40% Neonazis in ihrer Partei abzulenken (Mehr dazu) und sich einen seriöseren Anstrich zu verpassen. Für alle zeigt das Foto: Hey, Broder ist auf der Seite der AfD. Egal, wer das wie einordnet. Auch wenn das Broder nie wollte.

Broder gibt zu, dass er damit nicht gerechnet hätte, sonst wäre ihm die Instrumentalisierung Weidels nicht egal gewesen. Broder hat viele kritisierenswerte und durchweg falsche Positionen, wie seine unsinnige Position zum Klimawandel. Sein Versuch, mit der AfD zu reden ging auf jeden Fall nach hinten los. Leider hat er wohl daraus nichts gelernt. Die AfD instrumentalisiert alles und jeden, um sich medial zu inszenieren. Ihm hätte auch bewusst sein sollen, dass sie auch nicht vor ihm halt macht.

Artikelbild: Screenshot Alice Weidel, Bildzitat

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AfD vor dem Abgrund: So können wir das Ende der Rechtsextremen herbeiführen

Die AfD steht am scheideweg

Mehrere Faktoren deuten daraufhin, dass die AfD in der Zwickmühle steckt. Mehrere Faktoren, die bisher für ihren Höhenflug gesorgt haben, haben sich jetzt als Stolpersteine herausgestellt. Das Bundesamt für Verfassungsschutz prüft derzeit eine Überwachung der Partei (Hier das Gutachten bei netzpolitik.org), und unter anderem zeigt jüngst ein Satz Gaulands bei Maischberger, wie verbreitet der Rechtsextremismus in der AfD ist. Und dass der Verfassungsschutz die Bedrohung endlich ernst nimmt.

Dieser Satz Gaulands bei Maischberger könnte das Ende der AfD bedeuten

In Umfragen sieht es auch nicht gut aus für die Partei. Mittelfristig geht der Rückhalt in der Wählerschaft zurück, von den Höhenflügen von 16% bis 18% im Herbst letzten Jahres deuten Umfragen bundesweit nur noch maximal 14% Stimmenanteil an, einige Umfragen sehen sie bereits sogar nur bei 11% (Quellen). Umfragewerte für die kommende Europawahl sehen sie sogar noch schlechter abschneiden.

Unter Bundestagsniveau: AfD fällt in Umfragen immer weiter ab



Warum die AfD in der Klemme steckt

Leider kann man kaum eines der Probleme der Alternative für Deutschland auf die gute Arbeit der anderen Parteien zurückführen, insbesondere der Groko-Parteien. (Was es für Lösungsansätze gäbe haben wir hier aufgelistet). Doch die Strategien der AfD, die bisher zu ihrem Erfolg beigetragen haben, haben sich abgenutzt. Ihre über die Jahre immer fortschreitende Radikalisierung hat ihr zwar stets mediale Aufmerksamkeit beschwert und die Unterstützung des rechtsextremen Flügels. Jedoch jetzt auch die Aufmerksamkeit des Verfassungsschutzes.

Ihr Wählerpotential hat sich mit den Deutschen mit (zumindest teilweise) rechtsextremen Einstellungen und ProtestwählerInnen aber erschöpft. Und ihr Extremismus macht sie für alle anderen unattraktiv. Mehr scheint einfach nicht drin zu sein. Andere enttäuschte WählerInnen scheinen lieber progressiven und positiven Botschaften der Grünen zugetragen zu sein, die derzeit bei 18% bis 20% in aktuellen Umfragen stehen und alternative Ansätze bieten.

Neben immer peinlicheren Spendenaffären (Mehr dazu) liegt das vor allem daran, dass man auch trotz Filterblasen und eigener Pseudo-Berichterstattung nur begrenzt Narrative wider die Realität erzählen kann. Ihre bisher erfolgreiche Strategie neben ihrer Radikalisierung waren ihre konsequenten und absoluten Feindbilder, vornehmlich das des „Flüchtlings“. Doch bei historisch niedrigen Kriminalitätsraten und immer weniger neu ankommenden Schutzsuchenden in Deutschland und Europa verblasst das Feindbild außerhalb der eigenen Anhängerschaft. Mehr dazu:

Völlig absurd: So verzweifelt sind Rechte, weil die Asylzahlen sinken

Wie es mit der AfD weitergehen könnte

Die AfD braucht ein neues, unverbrauchtes Feindbild. Vor allem eines, welchem sich ein größerer Anteil der Bevölkerung anschließen kann. Deswegen lesen wir aus AfD-nahen Kreisen derzeit mehr über Greta Thunberg (Mehr dazu), einer Umweltaktivistin, Tempolimits oder Feinstaubgrenzwerten (Mehr dazu) oder der „Antifa“ und „Linksextremen“ wie bei der Instrumentalisierung des Angriffs auf Frank Magnitz (Mehr dazu).

Mehrheiten jenseits von „Ausländer raus“ sind bei den Feindbildern der Konservativen und Liberalen zu finden, weswegen die AfD versuchen wird, ihre etablierten Strategien der Dramatisierung und Opferhaltung in Zukunft dort anzuwenden. Doch mit dem großen Klotz des Höcke-„Flügels“ am Bein und den gravierenden rechtsextremen Tendenzen, die laut Gauland mit 40% die stärkste Kraft in der Partei sind, verschließt sie sich zumindest derzeit noch automatisch für demokratische WählerInnen.

Sie steckt also in einer Zwickmühle

Nach zwei gescheiterten Ausschlussverfahren für rechtsextremen „Flügel“-Frontmann Höcke und dem Unwillen der Parteispitze, sich mit diesem starken Teil der Partei auseinander zu setzen, sieht es derzeit nicht danach aus, als würde die Partei den (aus ihrer Sicht) schlauen Weg gehen, sich vom Flügel zu trennen und sich zumindest kurzfristig „gesund zu schrumpfen“. Nur dadurch könnte sie Stimmen jenseits der rechtsextremen Minderheit gewinnen. Das würde auch zu einer demokratischeren AfD führen, was auch diejenigen befürworten können, die auch nichts mit ihrer Werteregressivität und Marktradikalität anfangen können.

Kommt es aber zu keiner Spaltung der Partei – und viele nicht-rechtsextreme PolitikerInnen verlassen die Partei derzeit (Mehr dazu) – könnte das zu einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz führen. Und zu einem toxischen Stigma, von dem sich die Partei erstmal nicht erholen könnte. Eine Koalition mit der CDU bliebe ein Schreckgespenst der entfernten Zukunft. Und ein weiteres Erstarken der Rechtsextremen bliebe auf weiteres ausgeschlossen.

Sie dürfte weiterhin mindestens mittelfristig relevant sein. Aber ihr Stimmenanteil bei Wahlen hätte einen Deckel erhalten und wird nicht über den rechtsextremen Stammanteil hinausgehen. Die DemokratInnen könnten den rechtsextremen Wurmfortsatz unserer Gesellschaft, den es schon immer in dieser Größe gab, durchaus ignorieren. Langfristig könnte die Partei auch wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Wenn sich politische Alternativen jenseits der Groko auftun.

Beide Ausgänge wünschenswert

Aus demokratischer Sicht sind beide möglichen Ausgänge gleichermaßen wünschenswert. Eine stur rechtsextreme AfD wird zwar kurzfristig gefährlich, dürfte sich aber selbstlangfristig vernichten. Während eine Spaltung der AfD nicht nur ihre Macht kurzfristig schwächt, aber auch eine AfD hervorbringen könnte, die auf dem Boden des Grundgesetzes steht. Aus sozialliberaler Sicht ist ein weiterer Konkurrent im konservativen Spektrum koalitionstaktisch vielleicht sogar auch zu begrüßen.

Natürlich, werden die Pessimisten einwenden, besteht auch die Möglichkeit, dass eine dem Rechtsextremismus verschriebene, vereinte AfD es irgendwie schaffen könnte, sich im Parteienspektrum zu etablieren und mehr Unterstützung zu gewinnen. Das war auch die Sorge vieler KritikerInnen über die letzten Monate und Jahre. Doch die Stagnation und inneren Probleme der Partei deuten daraufhin, dass die Demokratie vielleicht doch wehrhafter ist als befürchtet.

So können wir das Ende der Rechtsextremen herbeiführen

Es sind Spekulationen, keine Frage. Aber es steht fest: Die AfD taumelt. Und egal, ob man ein Demokrat des sozialliberalen oder konservativen Spektrums ist, sollte man ein Interesse haben, die Rechtsextremen und ihr Netzwerk aus dem Bundestag zu schaffen. Die AfD ist derzeit ein Sprungbrett für allerlei Holocaust-Leugner, Faschisten und Ethnopluralisten.

21 Aussagen, die zeigen, wie rechtsradikal die AfD wirklich ist

Ob die AfD sich vollends zur „Höcke“-Partei entwickelt und dadurch selbst zerstört, oder den seit Jahren überfälligen Deradikalisierungsprozess durchführt, ist aus dieser Sicht erst einmal zweitrangig. Wichtig ist, dass wir jetzt nicht zulassen, dass rechtsextreme Einstellungen weiter normalisiert und hofiert werden. Das ist ein Appell an die Politik, ein Moratorium auf eine Zusammenarbeit mit der AfD aufzuerlegen. Solange, wie sie weiter faschistoide Einstellungen bis in die höchsten Ämter duldet.

Es gibt keine Verpflichtung, eine Partei am Gesetzgebungsprozess einzubinden, wenn es ihr erklärtes Ziel ist, an den Grundfesten unserer Demokratie und Verfassung zu sägen. Auch in einer toleranten Gesellschaft muss es Intoleranz für Intolerante geben, sonst schafft sich die Toleranz selbst ab, siehe Popper.

Das Gleiche gilt für die Medienschaffenden. Ein Fall Magnitz darf sich nicht wiederholen, in welchem naiv ein nachweislich unbewiesenes und gelogenes Opfer-Narrativ verbreitet wird. In der Öffentlichkeit muss die Problematik des Rechtsextremismus der AfD ständig gezogen werden. Sie darf nicht damit durchkommen, ihre verfassungsfeindlichen Tendenzen in einem trojanischen Pferd über andere Themen den Diskursen unterzujubeln, wie schon so oft.

Die Risse in der AfD zum Bruch zwingen

Und allen AktivistInnen ist nahegelegt, diese Risse in der Fassade der AfD größer werden zu lassen. Seit Jahren radikalisiert sie sich immer weiter und versucht doch, mehrheitsfähig zu sein. Doch dieser innerer Widerspruch scheint zu bröckeln. Deshalb muss die Partei immer weiter mit ihren verfassungswidrigen Positionen und Personen konfrontiert werden.

Sie darf sich nicht hinter einer falschen Opfer-Rolle verstecken. Und wir dürfen ihr auch keine legitimen Gründe dafür geben, selbstverständlich. Ihr Faschismus muss aufgedeckt werden und ans Tageslicht gezogen werden. Und das mit den Fakten, die es gibt. Sie darf in keiner öffentlichen Debatte erscheinen, ohne dass auf diesen gravierenden Makel hingewiesen wird.

Sie muss gezwungen werden, dieses undemokratische Geschwür zu konfrontieren. Und entweder eingestehen, dass sie sich dahin entwickelt hat und mit den Konsequenzen der gerechtfertigten Abgrenzung leben, oder sich davon zu trennen. Wir müssen herbeiführen, dass sie einen dieser Wege gehen muss. So können wir das Ende des Höhenflugs der Rechtsextremen herbeiführen

Artikelbild: knipsdesign, shutterstock.com

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Greta Thunberg: So viel Schiss haben die Rechten vor einem jungen Mädchen

Achtung, dieser artikel behandelt viel ekelerregenden Hass

Ich habe ungewöhnlich lange gebraucht, um diesen Artikel zu schreiben. Wie regelmäßige LeserInnen wissen, beobachtet die Gruppe #DieInsider die Aktivitäten der rechtsextremen Hassgruppen auf Facebook. Diese rechten Gruppen sind nur dazu da, mehrmals täglich in einem Orwellschen „Zwei Minuten Hass“ den tagaktuellen politischen Antagonisten schlecht zu reden. Da werden Satire-Beiträge geteilt und für real gehalten, da werden Polizeimeldungen mehrmals täglich gepostet, damit es ja niemand verpasst. Und nach einigen Monaten wieder, damit man denkt, es passiert jeden Tag irgendwas.

Jeder weiß, dass die rechtsextreme Ideologie, die derzeit wieder im Aufwind ist (und einen festen Platz in der AfD gefunden hat, hier mehr dazu), die eigene Identität lediglich in Abgrenzung zu anderen definiert. Man definiert sich nur darüber, wer man nicht ist. Und deshalb müssen die „Anderen“ maximal negativ dargestellt werden, damit man sich weniger erbärmlich fühlt. Und sie scheuen nicht vor Lügen, Unterstellungen, Beleidigungen, Volksverhetzung und Fäkalsprache zurück. Um die eigene Minderwertigkeit zu überdecken, werden alle Register der Erniedrigung gezogen.

Dementsprechend bin ich allerlei ekelerregende Kommentare und Sprache aus diesen Gruppen gewohnt. Wenn Rechtsextreme und AfD-Sympathisanten (Sie nennen sich selbst so, mehr dazu) den Tod von Menschen fordern, Gewalt- und Terrorfantasien gegen Frau Merkel abfeiern (Mehr dazu) oder allerlei Verschwörungstheorien, Fake News und Lügen verbreiten (Mehr dazu), dann ist das nichts ungewöhnliches. Doch bei Greta Thunberg überschreiten sie eine neue Grenze.



Sie schrecken auch nicht vor hass gegen kinder zurück

Wenn deine politische Ideologie nur funktioniert, wenn du eine unschuldige 16-Jährige hassen, beleidigen und bedrohen musst, damit du dich weiter geil fühlen kannst, dann ist deine Ideologie halt einfach Scheiße. Greta Thunberg ist eine 16-jährige, schwedische Klimaschutzaktivistin. Beim Klimagipfel hielt sie eine eindrucksvolle Rede (Hier), jetzt auch in Davos. Bekannt wurde sie durch einen von ihr initiierten Schulstreik, um auf die Klimasituation aufmerksam zu machen. Der Streik findet international NachahmerInnen (Mehr dazu).

Sie und ihre Aktion zwingt uns, endlich wieder über die wirkliche Bedrohung unserer Zeit zu reden: Den Klimawandel. Viel zu lange haben es die rechtsextremen Ideologen erreicht, dass wir über Migration und Kriminalität reden. Eine Ablenkung. Dabei sind beide inzwischen auf Tiefstständen (Kriminalität, Migration). Thunberg ist dabei, den Diskurs zu verschieben. Endlich. Und das ist großartig. Weg von einfachen, rassistischen Feindbildern. Hin zu den echten Problemen.

Die Rechtsextremen sehen ihre Felle davon schwimmen. Die AfD stürzt in Umfragen immer weiter ab, eine berechtigte Überwachung durch den Verfassungsschutz droht (Mehr dazu). Es kommen keine neuen Flüchtlinge mehr an. Und jetzt droht sich der Diskurs in eine gesündere Richtung zu entwickeln, nachdem er über Jahre von Hass vergiftet worden ist. Und deswegen muss Greta Thunberg gehasst werden. Ein Kind.

Willkommen in der Hass-Welt der Rechten

Es ist ekelhaft, es ist entwürdigend und es macht mich unglaublich wütend. Wer Statistiken, Fakten, Quellen oder Argumente in diesen Gruppen sucht, wurde schon immer enttäuscht. Diese Individuen interessieren sich nicht für Fakten oder einen konstruktiven Austausch. Sie sind nur für den Hass und die Entmenschlichung (vor allem ihre eigene) da. Doch das ist nur noch erbärmlich.

Ich möchte mich eigentlich nicht mehr mit diesen geistigen Exkrementen aussetzen, als ich muss, aber ich muss zeigen, was da hinter den Kulissen in den rechten Gruppen geschieht. Ungestraft, unmoderiert. In Gruppen, in denen teilweise mehrere AfD-Bundestagsabgeordnete sitzen und vermutlich täglich schweigend mitlesen.

Screenshots #DieInsider

Zu sehen, wie die Menschen blind hassen, völlig ohne Grundlage, einfach nur, weil jemand eine andere Meinung hat, ist traurig. Diese Menschen schrecken nicht davor zurück, ein junges Mädchen, das sich für den Erhalt auch ihrer Zukunft einsetzt, so durch den Dreck zu ziehen. Ich habe schlimmere Kommentare extra weggelassen, die sich auf ihren Asperger-Autismus beziehen. Und gänzlich entmenschlicht und widerlich sind. Was muss in den Leben dieser Menschen schief gelaufen sein, dass sie so viel Hass in sich tragen?

Doch die Reaktionen zeigen: Greta hat Recht

Alle Kommentare sind am Ende völlig inhaltsleer. Ohne Argumente. Sie ist ja nur ein Kind, sie sei psychisch krank oder sie wird von ihren Eltern oder den Klimaschützern instrumentalisiert (oder schlimmeres). Kein bisschen wird sich mit den Inhalten auseinander gesetzt. Diese Menschen sind so überzeugt davon, dass sie Recht haben, dass sie nicht bemerkt haben, dass sie sich von jeglicher Debatte wegbewegt haben. Oder niemals in einer waren.

Greta hat recht. Sie prangert die horrende Ignoranz der Menschen an, die stolz ihre Scheuklappen tragen und anderen vorwerfen, die Wahrheit nicht zu sehen. Sie hat recht damit, dass wir immer noch die Probleme verschweigen und klein reden. Die Probleme des Klimawandels sind seit 40 Jahren bekannt. Und je länger wir nichts tun, desto drastischer müssen die Maßnahmen werden.

Es ist traurig und widerlich zugleich, dass eine Hälfte der politischen „Debatte“ das alles auf eine Hass-Orgie und persönliche Angriffe unterster Schublade reduziert. Und es macht mich so unglaublich wütend. Schickt mir (Mord-)Drohungen, so viel ihr wollt. Beleidigt mich, schreibt eure Fäkalsprache. Die kriege ich fast täglich. Ich weiß, ihr dürft heutzutage im Internet alles schreiben, was ihr wollt, die Polizei zuckt viel zu oft bei unseren Anzeigen einfach mit den Schultern, weil sie euch nicht stoppen können oder wollen.

Aber lasst doch wenigstens Kinder aus dem Spiel. Noch dazu jemanden, der endlich einmal deutlich die Wahrheit ausspricht, die ihr nicht ertragen könnt. Ich weiß, ihr seid verzweifelt. Ihr wollt euch stark fühlen, endlich mal angehört. Aber habt doch ein bisschen Anstand, nur einen Funken Menschlichkeit. Dann könnte man euch vielleicht als politische Gegner ernst nehmen. So muss Greta Thunberg die Welt eben ohne euch retten.

Artikelbild: Jan AinaliCC BY-SA 4.0

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