Magnitz & das Kantholz: Die AfD instrumentalisiert sogar ihre eigenen Leute

Kolumne Schwer verpetzt

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Krokodilstränen

Eines vorweg: Ich wünsche Herrn Magnitz schnellste Genesung & verurteile den Angriff auf ihn aufs Schärfste. Das erwähne ich, obwohl es selbstverständlich ist. Der Bundestagsabgeordente der AfD wurde vor zwei Tagen angegriffen und verletzt. PolitikerInnen aller Parteien haben den Angriff ebenfalls verurteilt. Und das ist gut und richtig. Aber die AfD ist kein Opfer und ist es nie gewesen.

Sie stellt sich gerne als solches dar. Da sind „weiße Männer“ plötzlich eine unterdrückte Minderheit (Hier) und alle anderen Parteien spielen unfair. Regelmäßige LeserInnen unseres Blogs wissen jedoch, dass die AfD nicht nur mit politisch mit schmutzigen Tricks spielt, wie beim letzten Hammelsprung (Hier), ihre Abgeordneten die kriminellsten von allen Parteien sind (Hier), sondern auch die meisten Lügen verbreiten (Hier).



Die Heuchelei der AfD

Das Problem ist, dass die AfD systematisch unser (politisches) Klima vergiftet. Sie hetzt mit Lügen und Unterstellungen gegen Minderheiten und ihre politischen GegnerInnen. Sie will diese „jagen“ und „entsorgen“. In den geschlossenen Gruppen auf Facebook und in den Kommentarspalten sprechen ihre Anhänger täglich davon, Flüchtlinge zu töten (Hier) oder Frau Merkel (Hier) und bejubeln einen Attentäter, der „Ausländer töten“ wollte (Hier). Die AfD ist gewalttätig. Sie ist kein Opfer. Auch Frank Magnitz findet Gewaltfantasien gegen Frau Merkel zumindest lustig, wenn man sich einen Post von vor 3 Jahren ansieht:

Screenshot hier: Link(Das würde selbstverständlich niemals einen Angriff auf ihn rechtfertigen!)

Im Schnitt gibt es vier Angriffe auf Flüchtlinge TÄGLICH. (Quelle) Am 29. August brechen drei Täter einem Syrer das Nasenbein (Quelle), am 1. September verprügeln zwei Männer ein Mitglied des Integrationsrates und seinen Begleiter, einen Geflüchteten aus Afghanistan (Quelle). Am 5. September schlägt ein 20-jähriger einem syrischen Schüler eine Bierflasche auf den Kopf (Quelle). Am 23. September schlägt ein Mann auf zwei Frauen aus Somalia und Äthiopien ein (Quelle). Nur ein paar Beispiele.

Die AfD hat diese Fälle nie mitbekommen, geschweige denn sich von dieser Gewalt distanziert. Sie fühlt sich dafür nicht verantwortlich. Nicht für Ausschreitungen wie in Chemnitz. Auch nicht für Angriffe auf andere PolitikerInnen. Parteichef Gauland sagte 2016: „Man muss politische Auseinandersetzungen führen dürfen, ohne für kriminelle Handlungen verantwortlich gemacht zu werden“. (Quelle)

Sie instrumentalisiert sogar ihre eigenen Leute

Die AfD hat wenig Skrupel, jede noch so obskure Straftat für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Da werden drei betrunkene, prügelnde Jugendliche aus Amberg zur nationalen Debatte, während bis zu 20 vermummte, gewalttätige Deutsche aus Wurzen kaum Erwähnung finden (Quelle). Oder eine Tötung durch Deutsche in Blankenburg (Quelle). Und auch wenn das Opfer wie bei Magnitz selbst AfD-Abgeordneter ist, schreckt man anscheinend nicht davor zurück, das auszuschlachten.

Erstens: Dass die Tat politisch motiviert war, ist zwar nahe liegend, aber noch lange nicht bewiesen. Wir sollten uns daran erinnern, dass wir solche Debatten inzwischen führen, bevor wir wissen, was passiert ist. Das hinderte die AfD aber nicht daran, das bereits faktisch so zu behandeln. Und den anderen Parteien dafür die Schuld in die Schuhe zu schieben. Wir erinnern uns: Die AfD hält sich wiederum nicht für Angriffe auf Flüchtlinge oder politische Gegner verantwortlich.

Und als sei der Angriff und die Verletzungen Magnitz nicht schlimm genug: Warum hat die AfD in ihrer Pressemitteilung über den Vorfall gelogen und ausgeschmückt? Wie die Polizei gestern mitteilte, haben die Täter entgegen der Aussagen der Partei ihn nicht mit „einem Kantholz“ bewusstlos geschlagen, nicht „gegen seinen Kopf getreten“ und auch kein „Bauarbeiter“ sei zu Hilfe geeilt, um den Angriff zu stoppen. Selbst der inzwischen wieder zu Bewusstsein gelangte Magnitz denkt, es könnte auch einfach ein Raubüberfall gewesen sein. (Quelle)

Die AfD kann das Lügen nicht abstellen

Ist die Wahrheit nicht „dramatisch“ genug, AfD? Ich weiß, warum sie es so dargestellt haben. Damit es maximal so aussieht wie ein geplanter, politisch motivierter Anschlag. Die AfD, die sich als Opfer aufspielen möchte, kann es nicht lassen, zu lügen und zu täuschen. Jetzt plötzlich können PolitikerInnen doch indirekt Verantwortung für Angriffe tragen? Diese Partei ist eine Partei der Täter und der Gewalt. Das heißt nicht, dass sie Gegengewalt verdient hat. Oder auch nur, Opfer eines Raubüberfalls oder etwas anderen zu werden, falls es sich hier darum handelt.

Wir verurteilen den Angriff auf Magnitz, das hat er nicht verdient. Selbstverständlich. Aber Mitleid bekommt die AfD als Partei nicht. Sie bekommt die Strafverfolgung der Täter und nach Möglichkeit deren gerechte Verurteilung. Und das ist gut so, das Recht gilt für alle. Übrigens auch für Schutzsuchende, auch wenn die AfD die letzte ist, die das zugibt. Sie bekommt auch nicht das Recht zu „Gegenangriffen“. Wir verteidigen die AfD gegen Gewalt. Aber wir werden trotzdem nicht ihre Lügen tolerieren, ihre Instrumentalisierungen und ihre Heuchelei.

Update 14:10

Nach Magnitz-Post: Sixt prüft rechtliche Schritte gegen Ersteller von Merkel-Bild

Artikelbild: Paranamir, shutterstock.com, Danke an Gegen die Alternative für Deutschland

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1 Kommentar
  1. […] ). (…) Neben Plakaten, die unter anderem den Tage zuvor verletzten Frank Magnitz zeigten (Mehr dazu ), wurden teilweise auch kleine Bauten errichten, die Pflastersteine, Molotowcocktails und das […]

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